Gelsenkirchen - Der FC Schalke 04 hat sich dank eines 2:0-Heimsieges gegen Bayern München etwas Luft im Abstiegskampf verschafft und eine Reaktion auf die 0:5-Klatsche in Kaiserslautern in der vergangenen Woche gezeigt.

Im Gespräch mit bundesliga.de erläutert Schalke-Verteidiger Christoph Metzelder die Gründe für die Leistungssteigerung.

bundesliga.de: Glückwunsch zum 2:0-Sieg gegen den FC Bayern. Nach der Pause hat sich Schalke enorm gesteigert. Wie wichtig war es, dass Schalke ohne Gegentor in die Halbzeit kam?

Christoph Metzelder: Manuel Neuer hat uns im Spiel gehalten. Kurz vor der Halbzeit hatten wir eine Phase, in der wir Glück gehabt haben. Insgesamt haben wir geschickt gegen die Bayern gespielt. Wir sind ihnen nicht hinterhergelaufen, sondern sind in unseren Positionen geblieben und haben von da aus attackiert. Gerade auf den Außen. Da hat Atsuto Ushida überragend gegen Franck Ribery gespielt. So wie unsere Mannschaft eingestellt war, war das sehr, sehr gut.

bundesliga.de: Schalke ist im Moment eine große Wundertüte. Nach der Topleistung gegen Lyon der Einbruch beim 0:5 in Kaiserslautern, jetzt der Sieg gegen die Bayern. Haben Sie eine Erklärung für diese Schwankungen, ist es eine Einstellungssache, wie Trainer Felix Magath vermutet?

Metzelder: Ich glaube schon, dass wir die schlechtesten Leistungen nach den Champions-League-Spielen gebracht haben. Jetzt kann man lange hin- und herdiskutieren. Aber wir haben jetzt einen Rhythmus, den sonst nur die Bayern in Deutschland Jahr für Jahr gewohnt sind und die damit vernünftig zurecht kommen. Trotz allem müssen wir da auch besser werden. In diesen zwei, drei Tagen, die uns bleiben, müssen wir umschalten, schneller regenieren. Vielleicht muss sich auch der Eine oder Andere professioneller verhalten. Wir sind in der Champions League eine Runde weiter. Diese Doppelbelastung wird also in der Rückrunde noch zumindest zwei Mal vorkommen. Wir laufen sowieso schon der Musik hinterher. Mehr können wir uns nicht mehr erlauben.

bundesliga.de: Was war der Schlüssel zum Erfolg gegen die Bayern?

Metzelder: Die Mannschaft hat in der Woche die richtige Reaktion auf das Kaiserslautern-Spiel gezeigt. Ich habe leider schon einige Klatschen in meiner Karriere erlebt. Das passiert schon einmal. Wichtig ist dann die Reaktion in der Woche danach. Wer die Trainingseinheiten beobachtet hat, hat gesehen, dass wir sehr intensiv und mit hoher Aggressivität gearbeitet haben. Es kam auch aus der Mannschaft heraus eine Reaktion. Das hat man gegen die Bayern gesehen. Wir haben ihnen einen großen Kampf geliefert. Vielleicht waren sie in der einen oder anderen Situation damit überfordert, auf so eine aggressive Mannschaft zu treffen. Das war der Schlüssel zum Erfolg.

bundesliga.de: Was glauben Sie, wie lange der Lernprozess der Mannschaft mit der Doppelbelastung dauert?

Metzelder: Momentan kriegen wir es in den Heimspielen sehr gut hin. Vor ein paar Wochen habe ich noch gesagt, dass unsere tabellarische Situation vor allem daran liegt, dass wir zu Hause zu wenig Punkte geholt haben. Jetzt sind wir daheim stark und schwächeln dafür auswärts. Wir müssen uns weiter verbessern und vielleicht auch einmal auswärts glücklich in Führung gehen und ein Spiel gewinnen.

bundesliga.de: Haben Sie die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb noch im Hinterkopf oder ist das noch zu weit weg?

Metzelder: Im Moment ist es weit weg. Wir sind jetzt kurz der Winterpause. Die restlichen Spiele sind überschaubar. Im Winter wollen wir neue Kräfte sammeln und noch einmal richtig angreifen. Gerade in unserer tabellarischen Lage bekommt auch der DFB-Pokal eine ganz besondere Bedeutung. Aber über die Bundesliga läuft alles. Wir müssen jetzt auswärts nachlegen.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Maßnahme des Trainers, unter der Woche drei Spieler zur zweiten Mannschaft zu schicken?

Metzelder: Ich kommentiere keine Entscheidung des Trainers. Jeder tut daran, sich auf seine eigene Leistung zu konzentrieren. Das haben wir alle nach dem enttäuschenden Wochenende in Kaiserslautern getan.

bundesliga.de: Inwieweit sind Sie jetzt auf Schalke angekommen? Sehen wir jetzt den wahren Christoph Metzelder?

Metzelder: So langsam merke ich, dass die ersten zehn Wochen Quälerei wirken und alles einen vernünftigen Hintergrund hat. Bis auf ein, zwei Wehwechen habe ich eine komplette Halbserie mit vielen englischen Wochen durchgespielt. Ich fühle mich körperlich gut. Das ist sicherlich das Produkt der Arbeit des Sommers.

bundesliga.de: Wie sehen Sie die Entwicklung Ihres Abwehrpartners Benedikt Höwedes, der ja auch anfangs der Saison ein paar Probleme hatte?

Metzelder: Er hat stark gespielt. Wir kennen uns sehr gut, kommen aus der gleichen Stadt, aus der berühmten Verteidigerschule des TuS Haltern. Wir haben uns in den letzten Wochen stabilisert, wenn man Kaiserslautern einmal außen vor lässt. Wir harmonieren gut und sprechen viel miteinander. Wir versuchen unsere Außenverteidiger mit heranzuholen, dass wir als Viererkette besser werden.

bundesliga.de: Ihr Ex-Verein Borussia Dortmund ist vorzeitig Herbstmeister geworden. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des BVB?

Metzelder: Man muss respektieren, was dort passiert ist. Kompliment an die Art und Weise, wie dort gearbeitet wurde und wie die Mannschaft spielt. Sie sind verdientermaßen dort oben. Das heißt aber nicht, dass sie nicht mehrere Mannschaften in der Rückrunde weiter jagen werden.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski