Frankfurt - Nach diesem erneuten Kraftakt mit Happy-End musste Bruno Hübner ständig Auskunft geben. Der Sportdirektor von Eintracht Frankfurt tat dies nach dem erstaunlichen 2:1-Erfolg gegen Borussia Dortmund gerne und hatte dabei ein entspanntes Dauergrinsen im Gesicht. Und immer wieder sagte er: Er habe ein "überragendes Bundesligaspiel“ gesehen mit einer Eintracht mit "Leidenschaft und Herzblut": "Das muss man genießen."

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Auch im sechsten Spiel hintereinander blieb diese Eintracht ohne Niederlage, durch den Sieg schob sich die Mannschaft von Trainer Niko Kovac auf Tabellenplatz drei. Diesen Moment genießen alle in Frankfurt, Vorstandsboss Fredi Bobic meinte, die Jungs könnten nun auch einmal einen raushauen Samstagnacht. „Eine Momentaufnahme“, nannte Kovac den Champions-League-Rang, den seine Truppe derzeit einnimmt.  Er sei aber stolz auf seine Elf und habe ihr dies auch gesagt. Kovac belohnte seine Mannschaft mit trainingsfreien Tagen bis Dienstag.

Es passte ins Bild, dass diesem Triumph gegen den Favoriten BVB ein Held aus der Eintracht-Vergangenheit beiwohnte. Jay-Jay Okocha, eine Legende der großen Eintracht-Elf aus den frühen 1990er-Jahren, feierte den Sieg „in seiner zweiten Heimat“ mit. Vielleicht lieferte das Jahrhunderttor des Nigerianers von 1993 gegen den Karlsruher SC, das vor dem Anpfiff auf der Videoleinwand des Stadions zu sehen war, ja Motivation für die aktuelle Generation.

Aus der hat Kovac mit Zugängen aus vielen Ländern eine Mannschaft mit Tempo und Effektivität, Disziplin und Struktur gemacht. Noch in der vergangenen Saison rettete die Eintracht den Klassenerhalt erst in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg. Fünf Monate später aber herrscht plötzlich Euphorie in Frankfurt. Linksverteidiger Bastian Oczipka meinte: „Wir haben gesehen, wie schnell es gehen kann, vor drei, vier Jahren sind wir so in den Europapokal gekommen.“

Doch Kovac, der mit seinem Trainerteam dieser Elf Disziplin und Siegeswille vorlebt, will an seiner Herangehensweise nichts ändern, nur, weil ein paar Punkte auf dem Konto sind und die Tabelle zum Träumen anregt.  Der ehemalige kroatische Nationalspieler sagte: „Alle müssen vernünftig bleiben. Ich passe schon auf, dass keiner fliegt.“ Was Kovac besonders stolz macht, ist die Mentalität der Mannschaft, sich durch Rückschläge nicht aus der Bahn werfen zu lassen.

Lob für Kapitän Meier

Stellvertretend lobte er Kapitän Alexander Meier. Der in Frankfurt als „Fußballgott“ verehrte Angreifer habe besonders „defensiv ein außerordentliches Spiel“ gezeigt, lobte der Trainer seinen Routinier. Und nachdem Meier entkräftet und unter Applaus den Platz verlassen hatte, sorgte der für ihn eingewechselte Haris Seferovic kurz nach dem Ausgleich der Dortmunder durch Pierre-Emerick Aubameyang (77.) für den 2:1-Siegtreffer (79.). Und in Szabolcs Huszti hatte ein weiterer Routinier kurz nach der Halbzeit den Führungstreffer erzielt (46.). Meier, Huszti, Hasebe - wenn diese drei betagteren Spieler laufen könnten ohne Ende, könnten das die jüngeren auch, meinte Kovac.

Noch nie seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel im Jahr 1995 hat die Eintracht mehr Punkte nach Spieltag zwölf gesammelt als bisher. Es sind auch zuvorderst diese 24 Punkte, die Vorstandsboss Bobic glücklich machen, nicht Tabellenrang drei. „24 Punkte sind schon cool“, sagte Bobic. Neue Ziele gibt er aber nicht aus. In Frankfurt bleiben Bobic, Kovac und Hübner trotz der Euphorie demonstrativ bodenständig. Damit sind sie bis jetzt ja auch ziemlich weit gekommen.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter

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