Fast ein Jahr ist es her, da kam der FC Bayern beim FC Barcelona mit 0:4 unter die Räder und schied aus der Champions League aus. Niedergeschlagen schlichen die Münchener damals nach der Partie durch die Katakomben des Stadions Camp Nou in Richtung Mannschaftsbus.

Am Mittwoch wiederholten sich die Ereignisse. Nur mit dem Unterschied, dass dieses Mal der VfB Stuttgart von Barca vorgeführt und demontiert wurde. Die Schwaben waren nach dem Schlusspfiff ebenso fassungslos über das kurz zuvor geschehene, wie die Bayern damals. Von der ersten Sekunde an standen sie gegen den Titelverteidiger auf verlorenem Posten.

"Barcelona war eine Klasse besser"

"Barca war für uns einfach eine Nummer zu groß. Wir haben gegen diese klasse Einzelspieler leider nicht die kämpferische Einstellung gezeigt, wie wir es noch zuhause getan haben", suchte Nationalstürmer Cacau im bundesliga.de-Interview nach Erklärungen.

Dabei hatten die Schwaben nach der bravourösen Leistung beim 1:1 in Stuttgart vor drei Wochen so große Hoffnungen, den ganz großen Coup zu landen. "Wir haben im Hinspiel für unsere Verhältnisse überragend gespielt. Heute hat Barca die Räume eng gemacht und war eine Klasse besser. Sie haben uns die Grenzen aufgezeigt", analysierte Trainer Christian Gross.

Spielstatistik spricht eindeutig für Barca

Die Hausherren ließen von Beginn an keinen Zweifel aufkommen, wer in das Viertelfinale der Champions League einziehen wird. Abgesehen vom deutlichen 4:0 spricht auch die Spielstatistik Bände: 60 Prozent Ballbesitz, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe am Ball und dazu 16:2 Torschüsse. Barca-Keeper Victor Valdez hatte den exklusivsten Zuschauerplatz im Stadion, er war fast arbeitslos.

"Wir haben es nicht hinbekommen, das perfekte Spiel abzuliefern. Alles was wir uns vorgenommen hatten, haben wir nicht umgesetzt. Was dann dabei herauskam, hat man ja gesehen", fasste Sami Khedira die Angriffsbemühungen der Stuttgarter zusammen. Die ansonsten in der Defensive gerne mal schlampig auftretenden Katalanen setzten die Gäste permanent unter Druck. "Barca hat die Räume enorm eng gemacht. Und das hat uns Offensivspiel total lahm gelegt", erklärte Cacau.

"Man kann Messi mit Maradona vergleichen

Dazu wirbelten und kombinierten Lionel Messi, Andres Iniesta, Thierry Henry und Co. wie aus dem Lehrbuch. Vor allem Messi stellte erneut seine Ausnahmestellung im Weltfußball zur Schau. Mit zwei Treffern und einer maßgeblichen Beteiligung am 2:0 war er der Spieler des Spiels und wurde von den Zuschauern während der gesamten 90 Minuten gefeiert. "Wir haben einfach kein Rezept gegen Lionel Messi gefunden und ihn bei der Ballannahme nicht entscheidend gestört. Der Junge ist erst 22. Aber man kann ihn schon mit Diego Maradona vergleichen", sagte Gross voller Respekt.

Nach den Erfolgen zu Beginn seiner Amtszeit muss der Schweizer nun die Mannschaft aufbauen. Er glaubt aber nicht, dass die Niederlagen auf Schalke und jetzt in Barcelona negative Auswirkungen auf den restlichen Saisonverlauf haben werden: "Es darf jetzt nicht zu einem Leistungsabfall kommen. Ich werde an die Ehre der Spieler appellieren, es am Samstag gegen Hannover besser zu machen. Da sind wir in der Pflicht, zu gewinnen.

Kostenlose Lehrstunde

Was bleibt, ist die Erkenntnis, gegen die derzeit wohl beste Mannschaft der Welt eine kostenlose Lehrstunde erteilt bekommen zu haben. Und da befindet sich der VfB ja in bester Gesellschaft, auch wenn Barca-Trainer Pep Guardiola das auf Nachfrage von bundesliga.de ein bisschen anders sah.

"Gegen den FC Bayern haben wir alle Tore in der ersten Halbzeit geschossen und danach etwas nachgelassen. Dieses Mal haben wir über 90 Minuten die Ordnung gehalten und permanent Druck ausgeübt", so Guardiola. Trösten werden diese Worte den VfB aber sicherlich nicht.

Aus Barcelona berichtet Michael Reis