München - Die letzten beiden "Winter-Trainer" sind mit Hannover 96 abgestiegen. Und nicht nur 96 brachten sie kein Glück: Ein Blick in die Bundesliga-Historie zeigt, dass die Halbserien-Feuerwehrmänner sich meist sehr schwer taten. Es gab aber auch Querschwimmer - Franz Beckenbauer oder Christian Streich beispielsweise. Bei Freiburg stellte damals Dirk Dufner Streich ein. Dufner, der jetzt Tayfun Korkut die Chance gibt, Hannover wieder auf Kurs zu bringen. 

Die Verpflichtung des ehemaligen türkischen Nationalspielers sorgte für großes Aufsehen. Ein talentierter Nachwuchstrainer ohne große Bundesliga-Erfahrung soll es richten. Selbstbewusst gab Korkut bei seiner Vorstellung den Weg vor: "Ich möchte ein ruhige Saison spielen und keine Probleme bekommen". Der Mann weiß, was er will. Aber kennt er die vernichtende Bilanz seiner Vorgänger?

Hannovers schlechte Erfahrungen mit "Winter-Trainern"

Zum dritten Mal setzen die Roten auf einen neuen Trainer zu Jahresbeginn. Korkuts Vorgänger scheiterten kläglich. 1975 beendete Hannover die Hinrunde auf dem 17. Tabellenplatz. Unter Helmut "Fiffi" Kronsbein fuhr man 13 Punkte ein - zu wenig. Hannes Baldauf übernahm und führte das Team noch tiefer ins Schlamassel, sodass der Abstieg am Ende nicht mehr zu verhindern war. Auch 1985 gingen die 96er als Vorletzter in die Winterpause. Für die Rückrunde wurde Jörg Berger verpflichtet. Nach fünf Niederlagen in Folge war das Kapitel erledigt, die Niedersachsen stiegen am Saisonende mit vier Punkten sang und klanglos ab - die schlechteste Rückrunde aller Zeiten.

Dass es sich hierbei nicht um ein spezielles Problem der 96er handelt, zeigt die Bilanz: 43 Bundesliga-Trainer bekamen bisher zum neuen Jahr, elf von ihnen wurden noch in der Rückrunde wieder entlassen. Nur 23 Coaches erreichten einen höheren Punkteschnitt als ihre Vorgänger. Unterm Strich standen die Teams also in 47 Prozent der Fälle schlechter anstatt besser da. Es geht aber auch anders - der Kaiser hat es vorgemacht.

Beckenbauers Triumphzug

Beckenbauer legte in der Saison 1993/94 den besten Punkteschnitt aller Trainer hin, die in der Winterpause übernahmen. Auf die Drei-Punkte-Regel umgerechnet holte die FCB-Legende sagenhafte 2,07 Zähler pro Partie - so viel wie kein anderer. Dabei stand es um den FC Bayern zur Hinrunde gar nicht schlecht.

Der damalige Mann an der Linie, Eric Ribbeck schloss die Hinrunde auf dem 3. Platz ab - für den deutschen Rekordmeister kommt das allerdings einem Abstiegsplatz gleich. Also sprang der Kaiser ein und wollte eigentlich gar nicht: "Ich komme nur, wenn der Erich wirklich nicht mehr will." Die Skepsis war unbegründet, Bayern wurde am Ende sogar Meister. Inklusive Helmers Phantomtor und Beckenbauers legendärem Weißbier-Schuss auf die Sportstudio-Torwand.

Dufner hofft auf Erfolgsgeschichte wie bei Streich

Die Meisterschaft wird Korkut sicher nicht im Blick haben. Was Felix Magath und Streich jedoch geschafft haben, dürfte der 39-Jährige jedoch eher zum Vorbild nehmen. Magath führte in der Saison 1999/00 die Frankfurter Eintracht von acht Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz als drittbeste Mannschaft der Rückrunde noch auf den Tabellenplatz 13.

Die jüngste Erfolgsgeschichte gelang dem aktuellen Freiburg-Coach Streich. In der Spielzeit 2011/12 übernahm er das Breisgauer Tabellenschlusslicht von Marcus Sorg und schaffte am Ende einen beeindrucken 12. Platz. "Das war eine überragende Leistung von allen. Und man muss nicht extra erwähnen, dass Christian Streich der mit Abstand wichtigste Mosaikstein war", sagte der damalige SC-Sportdirektor Dufner.

Jener Dufner, der Korkut nun für die verbleibenden 17 Partien das Vertrauen schenkt: "Wir haben ein ganz hohes Maß an Gewissheit, dass er seine Chance nutzen wird."

Yannik Schmidt

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