Frankfurt - Der FC Bayern München hatte die nationale Konkurrenz gewarnt: Nach dem vorzeitigen Gruppensieg in der Champions League und dem Weiterkommen im DFB-Pokal wollen sie sich jetzt ganz auf die Bundesliga konzentrieren. Beim 4:0 in Frankfurt haben die Münchner gezeigt was das bedeutet: Ein souveräner Sieg. Und trotzdem ist Trainer Pep Guardiola nicht ganz zufrieden.

Ein Perfektionist wie Pep Guardiola ist schwer zufrieden zu stellen. So sprach er dann auch nach dem souveränen Sieg seiner Bayern in Frankfurt: "Nach der ersten Halbzeit gab es viele Punkte unsere Spielweise zu verbessern.

Wir haben dem Gegner zu viel Raum gelassen", sagte Guardiola auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Und tatsächlich hatten die mutig beginnenden Frankfurter das Spiel am Anfang noch offen gehalten und versucht mitzuhalten.

Die Souveränität der Münchner war aber auch schon in der ersten Halbzeit klar zu erkennen. Konzentriert und abgeklärt gestalteten sie ihr Spiel und dominierten ihren Gegner nach belieben. Sie waren in jeder Situation aufmerksam und wach. Bestes Beispiel dafür war Mittelfeldstratege Xabi Alonso, der das schnelle Ausführen von Freistößen des Gegners nachhaltig verhinderte, auch wenn der Ball noch mal nach hinten versetzt wurde.

Boateng: "Wir sind taktisch sehr gut eingestellt"

In der zweiten Hälfte kam dann die ganze Abgeklärtheit des Münchner Spiels zum Tragen. "In der Pause haben wir unsere Fehler analysiert und sie dann gut abgestellt. Die zweite Hälfte war ein komplett anderes Spiel", so Pep Guardiola. Selbst die bis dahin nicht ideale Chancenverwertung wurde perfektioniert und mit dem 2:0 und 3:0 von Dreierpacker Thomas Müller waren die Frankfurter geschlagen. Die letzten 20 Minuten waren die Adlerträger desillusioniert und wussten, dass sie gegen diese Bayern nichts holen können.

Selbst die ständigen Veränderungen in der Defensive und der Verlust des bisherigen Stammspielers David Alaba brachten die Bayern nicht im Ansatz ins Wanken. Eine Erklärung dafür lieferte Abwehrrecke Jerome Boateng, der mit 50 Einsätzen ohne Niederlage in Folge einen neuen Rekord in der Bundesliga aufstellte: "Wir sind vom Trainer gut eingestellt. Taktisch weiß jeder, welche Aufgabe er hat. Wir können in der Defensive schnell umstellen und haben uns im Vergleich zum Saisonstart immer weiter gesteigert."

Neuer: "Der wichtigste Titel bleibt für uns die Meisterschaft"

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Das sich künftige Gegner keine Hoffnung machen dürfen, dass die Münchner in Konzentration und Einstellung nachlassen unterstrich Manuel Neuer: "Der wichtigste Titel für uns ist die Meisterschaft. Die Bundesliga ist und bleibt für uns eine Herausforderung, der wir uns jede Woche stellen müssen." Die Ziele der Bayern beschrieb dann noch Trainer Guardiola: "Es ist kein Thema für uns in der Saison ungeschlagen zu bleiben. Für uns geht es darum, dass wir uns in jedem Spiel weiter verbessern." Auf welchen Gebieten das sein könnte erklärte Jerome Boateng: "Bei den Standards und der Spieleröffnung ist noch Luft nach oben."

Die Liga sollte sich also nicht darauf einstellen, dass die Bayern in dieser Saison zufrieden sein könnten oder einen Gang runter schalten. Sie werden bis zum Ende immer besser. Auch, wenn man sich das bei den souveränen und konzentrierten Auftritten momentan nicht vorstellen kann.

Aus Frankfurt berichtet Alexander Dionisius