Bremen - Angriffswelle auf Angriffswelle sah sich Thomas Kraft am Sonntag im Bremer Weser-Stadion ausgesetzt. Bis zur 43. Minute stand der Hertha-Keeper wie ein Fels in der Brandung. Dann schlug Franco Di Santo zu. Mit einem "Tor des Monats"-würdigen Treffer schoss der Argentinier Werder Bremen "zu einem ungünstigen Zeitpunkt", wie Kraft feststellte, mit 1:0 in Führung.

Di Santo, der Hertha BSC in der 69. Minute mit einem weiteren sehenswerten Treffer den entscheidenden Punch versetzte, zerstörte damit den Spielplan, den Jos Luhukay zurechtgelegt hatte. Der Hertha-Trainer, dem neben dem langzeitverletzten Johannes Baumjohann mit Änis Ben-Hatira, Tolga Cigerci, Pjer Ciljan Skjelbred, Hajime Hosogai, Johnny Heitinga und Roy Beerens gleich eine halbe Mannschaft nicht zur Verfügung stand, hatte sein Team sehr tief aufgestellt.

Luhukays Kontertaktik geht nicht auf

Den Gegner kommen lassen und auskontern, so die Taktik. "Das haben wir in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht", kommentierte Luhukay. "Aber leider hatten wir ab dem 16 Meter vor dem Tor nicht die richtige Effizienz." Der letzte Pass sei nicht angekommen und so "haben wir die mögliche Führung verpasst. Vielleicht wäre das Spiel anders verlaufen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann nicht mehr die richtige Lösung gefunden", gibt Luhukay zu (die Stimmen zum Spiel).

"Im letzten Drittel hatten wir keine Durchschlagskraft", analysierte Sebastian Langkamp. Und wenn der Gegner erstmal in Führung liege, habe sich die Kontertaktik erledigt, "weil Werder ja nicht mehr bedingungslos angreifen muss".

Ein Remis zu halten, könne man über 90 Minuten nicht garantieren. "Wenn die Abstimmung nicht passt, kannst Du auch mit einer Achterkette spielen und es hilft nicht", so der Innenverteidiger. "Wir haben dann ja in der zweiten Halbzeit auch umgestellt, aber es hat nicht geholfen."

"16 schwere Spiele vor uns"

"Wir hatten uns viel vorgenommen, aber unsere Konter haben keine Wirkung gezeigt", so Jens Hegeler. "Auf das 0:1 hatten wir keine Antwort." Nicht erst seit der Niederlage zum Rückrunden-Auftakt droht der "Alten Dame" Hertha der siebte Abstieg ihrer Bundesliga-Geschichte. "Schon vor dem Spiel war uns klar, dass wir im Abstiegskampf angekommen sind", beschreibt Hegeler die Situation des Berliner Traditionsvereins. "Wir haben 16 schwere Spiele vor uns."

"Ich hoffe, wir sind für den Abstiegskampf gerüstet und jeder hat den Ernst der Lage erkannt", mahnt Kapitän Fabian Lustenberger. Ein Blick auf die Tabelle sollte jedem die Situation vor Augen führen: Nur ein Punkt trennt die Berliner von Platz 17.

"Am Mittwoch müssen wir es besser machen", fordert Luhukay. Einfach wird das nicht, denn am 19. Spieltag ist Bayer Leverkusen im Olympiastadion zu Gast. und die Sorgen des Trainers werden nicht kleiner. Mit Peter Niemeyer, bei dem eine leichte Gehirnerschütterung diagnostiziert wurde, droht ein weiterer Leistungsträger auszufallen.

Aus Bremen berichtet Jürgen Blöhs