Mit Riesenschritten nähert sich Borussia Mönchengladbach dem vorzeitigen Erreichen des Saisonziels. Ein sicherer Mittelfeldplatz und eine Saison ohne Abstiegssorgen sollte es werden. Nach dem verdienten 2:1-Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg sieht es gut aus. Damit vergrößerte die Borussia ihren Vorsprung auf die Abstiegsränge auf beruhigende elf Punkte.

So langsam stellen sich die Fans im Borussia-Park die gleiche Frage, die derzeit die Anhänger von Werder Bremen quält. Was wäre ohne die fünf Niederlagen in Folge in dieser Saison nur möglich gewesen? Die Bremer verspielten im Dezember und Januar die Meisterschaftschancen.

Borussia-Park nicht mehr einzunehmen

Die Borussia hatte ihre Negativserie mit fünf Pleiten in Folge im Herbst. Ein paar Punkte mehr in dieser Zeit und die "Fohlenelf" wäre auf Tuchfühlung mit den internationalen Plätzen. Aber dieser vertanen Chance trauert niemand so richtig nach.

Die Freude über das bislang Erreichte überwiegt bei weitem. 28 Punkte hat der fünfmalige Deutsche Meister bereits auf dem Konto. 20 davon wurden im Borussia-Park, der nach zuletzt vier Siegen in den letzten fünf Heimspielen mehr und mehr zur Festung wird, eingefahren.

"In diese Mannschaft kann jeder reinkommen"

Das Spiel gegen den abstiegsbedrohten "Club" aus Nürnberg brachte wichtige Erkenntnisse. Vor allem, dass der Borussia-Kader in der Breite wesentlich besser aufgestellt ist als noch in der Vorsaison. Gegen den FCN konnten wichtige Spieler wie Außenverteidiger Tobias Levels oder Mittelfeldrackerer Thorben Marx problemlos durch Tony Jantschke und Marcel Meeuwis ersetzt werden.

"Meine Leistung war deshalb relativ gut, weil die Mannschaft mir super geholfen hat", meint der 19-jährige Tony Jantschke: "In diese Mannschaft kann jeder reinkommen, jeder fügt sich gut ein. Genau das ist unsere Stärke in diesem Jahr."

Friend trifft auf Ansage

Und im Angriff plagt Trainer Michael Frontzeck die Qual der Wahl. Das Tandem Raul Bobadilla und Roberto Colautti bewies zuletzt ebenso Treffsicherheit wie die Konkurrenten Rob Friend und Karim Matmour. So kündigte Borussias Stadionsprecher Torsten Knippertz den Stürmertausch Friend für Colautti in der 73. Spielminute auch gleich flapsig an: "Für unseren Torschützen Roberto Colautti kommt mit Rob Friend der nächste."

Er sollte recht behalten. Nur etwas mehr als eine Minute nach seiner Einwechslung markierte Friend nach einer Flanke von Youngster Jantschke und Verlängerung von Matmour den Siegtreffer. "Das Tor tut mir gut", freut sich Rob Friend: "Ich habe mich zu einem unglücklichen Zeitpunkt verletzt. Ich muss geduldig bleiben und auf meine Chance warten."

Gleiches gilt für Karim Matmour, der nach dem anstrengenden Africa Cup wieder langsam an die Mannschaft herangeführt wird. "Es ist gut für den Verein, dass er viele gute Stürmer hat", sagt der Algerier: "Wir haben viele Möglichkeiten. Das war im letzten Jahr noch anders. Die Konkurrenz im Training ist groß, dadurch wird jeder Spieler besser. Ich mag diese Konkurrenzsituation. Jeder muss zeigen, was er kann."

"Wir sind da unten noch nicht ganz weg"

So geht die "Elf vom Niederrhein" optimistisch ins letzte Drittel der Saison. Nächster Gegner ist 1899 Hoffenheim. Die Süddeutschen gehören zu den Angstgegnern der Borussia. Noch nie konnte Mönchengladbach ein Punktspiel gegen Hoffenheim gewinnen, zweimal gab es sogar trotz einer 2:0-Führung noch 2:4-Klatschen. Genau wie im Hinspiel.

"In Hoffenheim erwartet uns ein schweres Spiel. Da haben wir noch eine Rechnung aus dem Hinspiel offen", weiß Karim Matmour. "Genau wie gegen Nürnberg wollen wir uns für die Niederlage revanchieren." Trotz der Erfolge der letzten Wochen will Matmour aber nicht vom offiziellen Saisonziel abweichen: "Unser Ziel ist nicht, unter die ersten Zehn zu kommen. Erst müssen wir noch Punkte sammeln, denn wir sind da unten noch nicht ganz weg."

Noch nicht ganz weg, aber schon ziemlich weit. Das sieht auch Michael Frontzeck so. "Wir sind nach wie vor auf einem sehr guten Weg", verabschiedete sich der Borussia-Coach in den wohlverdienten Feierabend.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski