Nach der Arbeit kommt bei Werder Bremen das Vergnügen. Gelöst und entspannt durften die Spieler des deutschen Pokalsiegers den 2:1 (0:0)-Erfolg gegen Hertha BSC der grün-weißen Gala zum 111-jährigen Bestehen des Traditionsvereins entgegen fiebern.

Kurzes kollektives Durchatmen bei einem glamourösen Festabend, mehr allerdings wollte Trainer Thomas Schaaf seinen Profis nicht zugestehen und ordnete einen Zapfenstreich an.

"Nur drei Punkte, mehr nicht"

Schließlich war der erste Bundesligasieg nach einer 76-tägigen Durststrecke mit fünf Niederlagen nacheinander von Kampf und Krampf geprägt.

"Die Mannschaft hat ihr Ziel intensiv gesucht und wollte den Sieg unbedingt. Aber es sind nur drei Punkte, mehr nicht", sagte der Coach, der sich in seiner Gelassenheit angesichts der langen Durststrecke bestätigt fühlte: "Wir sind ruhig damit umgegangen und werden das auch so beibehalten."

Ruhe und Geduld zahlen sich aus

Dennoch wird sich der 48-Jährige gefreut haben, dass Claudio Pizarro nach seinem entscheidenden Treffer in der 81. Minute schnurstracks zur Trainerbank lief und den Fußballlehrer nach Leibeskräften herzte. Ein symbolischer Dank im Namen des gesamten Teams, wie Nationalspieler Clemens Fritz erläuterte: "In einer schweren Zeit ist der Trainer immer ruhig und geduldig geblieben. Schön, dass sich das ausgezahlt hat."

Ähnliche Beobachtungen hatte man auch in der Vereinsspitze gemacht. "Thomas Schaaf ist es gelungen, die Mannschaft neu einzustellen", sagte der frühere Manager und heutige Aufsichtsrats-Boss Willi Lemke. Und indirekt räumte Pizarro ein, woran es beim deutschen Pokalsieger in den vergangenen Wochen gehapert hatte: "Nur mit Fußball allein gewinnt man manchmal nicht."

Gekas' Ausgleich reicht nicht

Nur mit Kampf allein aber werden die Gäste den immer näher rückenden Abstieg kaum vermeiden können. Von einer bis zum Führungstor von Marko Marin (66.) verunsicherten und nervösen Bremer Mannschaft ließen sich die Berliner mehr und mehr in die Defensive zurückdrängen.

Dass sie überhaupt in die Nähe eines Punktgewinns kamen, hatten sie einer Nachlässigkeit von Werder-Torhüter Tim Wiese zu verdanken, die Theofanis Gekas in der 68. Minute den Ausgleichstreffer ermöglichte.

"Wir haben lange Paroli geboten, aber das war schon das einzig Positive. Ich wiederhole mich, aber uns helfen nur noch Siege weiter", sagte Mannschaftskapitän Arne Friedrich, dessen Körpersprache aber verriet, dass seine Hoffnungen auf den Klassenerhalt von Woche zu Woche schwinden.

Funkel: "Meine Mannschaft ist weiter intakt"

Mehr Optimismus strahlte da schon Coach Friedhelm Funkel aus, der gezielt auf Entwicklungen hinwies, die Hoffnung machen könnten: "Wir haben uns sehr gut verkauft, die Niederlage war unglücklich. Meine Mannschaft hat das Spiel zwar verloren, aber sie ist weiter intakt und hat sich stabilisiert. Unter dem Strich liegen wir nur zwei Punkte hinter meinem ganz persönlichen Plan."

Aber eben auch immer noch deutlich hinter den Abstiegskonkurrenten aus Nürnberg, Hannover und Freiburg...