Nach der Tristesse der Hinrunde halten beim VfL Wolfsburg wieder mehr und mehr der Optimismus und die Spielfreude der Meistersaison Einzug.

Gut sechs Wochen nach der Trennung von Cheftrainer Armin Veh zeigt die Formkurve bei den "Wölfen" eindeutig nach oben. Die jüngsten drei Bundesligaspiele gegen Schalke, Hannover und Bochum konnte der amtierende Deutsche Meister allesamt gewinnen und auch im Achtelfinale der Europa League ist der Club noch vertreten. Der Gegner dort heißt Rubin Kasan, das Hinspiel steigt am Donnerstag in Russland (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker).

Köstners Jubiläum gegen Bochum

Dass der VfL zurück in die Erfolgsspur gefunden hat, ist nicht zuletzt ein Verdienst von Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner, der seit dem 25. Januar das Zepter beim VfL schwingt und zuvor für die zweite Mannschaft der Niedersachsen verantwortlich war.

Beim 4:1-Heimsieg gegen den VfL Bochum am vergangenen Spieltag saß der 58-Jährige zum 100. Mal bei einem Bundesligaspiel auf der Trainerbank. Vor der Partie hatte der Wolfsburger Übungsleiter die Bedeutung der Partie herunter gespielt. "Das Jubiläum bedeutet für mich eigentlich nichts, weil vor jedem Spiel die Aufregung gleich ist, damals genauso wie heute. Dass ich in meinem 100. Spiel aber den Deutschen Meister trainieren darf, ist dann schon etwas Besonderes", sagte Köstner.

Seine größten Erfolge als Trainer waren bisher der Aufstieg mit der SpVgg Unterhaching in die Bundesliga und der 10. Platz mit den Hachingern in der Saison 1999/2000. Außerdem trainierte er bereits den 1. FC Köln in der höchsten deutschen Spielklasse. 1992 feierte Köstner als Co-Trainer unter Christoph Daum mit dem VfB Stuttgart die Deutsche Meisterschaft.

Lob vom Team

Der Sieg gegen Bochum war für Köstner der 31. als Bundesligatrainer. "Kompliment an die Mannschaft, dass sie so geduldig war. Sie hat die Klasse, aus einem 0:1 ein 2:1 zu machen", lobte Köstner seine Mannschaft.

Die Mannschaft gab das Lob artig an den Jubilar zurück. "Wir haben wieder Erfolg. Das liegt auch am Trainer. Wir stehen kompakter und spielen besser", sagte Top-Torjäger Edin Dzeko. Der Bosnier hatte das Spiel mit seinen Saisontoren Nummer 11 und 12 nahezu im Alleingang entschieden. Manager Dieter Hoeneß machte dem Coach ebenfalls Komplimente: "Er hat der Mannschaft wieder die gewünschte Stabilität gegeben. Damit hat er seinen Auftrag erfüllt."

Setzen die "Wölfe" in den nächsten Wochen ihren Lauf fort, könnten sie schon bald wieder an den internationalen "Fleischtöpfen" schnuppern. Dzeko hält das nicht mehr für undenkbar. "Im Fußball ist alles möglich, auch der 5. Platz für uns", sagte der Bosnier kämpferisch.

"Wir haben eindeutige Absprachen getroffen"

Wo die Reise für den VfL am Ende der Saison endet, ist also noch offen. Die Zukunft von Trainer Köstner dagegen ist geklärt, daran ändert auch die aktuelle Erfolgsserie nichts.

"Wir haben eindeutige Absprachen getroffen. Daran halte ich mich", sagte Köstner und wies Spekulationen zurück, wonach er auch in der neuen Saison im Amt bleiben soll.

Der Manager stößt ins gleiche Horn. Es bleibt dabei: Der Club sucht einen neuen Trainer mit internationaler Erfahrung, der möglichst im April präsentiert werden soll. "Wir wollen keine neue Diskussion beginnen. Die Sache ist geklärt", so Hoeneß.

Sven Becker