Kyriakos Papadopoulos will mit Schalke 04 erst das Revierderby bei Borussia Dortmund gewinnen - und sich mit den Knappen dann die Vizemeisterschaft sichern
Kyriakos Papadopoulos will mit Schalke 04 erst das Revierderby bei Borussia Dortmund gewinnen - und sich mit den Knappen dann die Vizemeisterschaft sichern
Bundesliga

Papadopoulos: "Können Vizemeister werden!"

Gelsenkirchen - Kyriakos Papadopoulos hat eine mehr als einjährige Auszeit hinter sich. Vor dem Revierderby bei Borussia Dortmund am Dienstag (ab 20 Uhr im Live-Ticker) spricht der Abwehrhüne von Schalke 04 bei bundesliga.de über seine Leidenszeit, die Aufholjagd der Knappen und das wichtigste Derby in seiner griechischen Heimat.

bundesliga.de: Herr Papadopoulos, sie mussten mehr als ein Jahr pausieren. Gegen den BVB können Sie wegen Oberschenkelproblemen nicht auflaufen.Wenn man so lange verletzt ist, denkt man dann schon einmal darüber nach, dass es vielleicht gar nicht mehr klappen könnte mit dem Fußball?

Kyriakos Papadopoulos: Nein, diesen Gedanken hatte ich nie. Selbstverständlich ist das keine leichte Zeit, wenn man über ein Jahr lang ausfällt. Mit dieser Situation muss ein Profi-Fußballer erst einmal fertig werden. Aber ich bin zum Glück kein Typ, der zum Grübeln neigt. Mir war von Anfang an klar, dass ich jeden Tag hart arbeiten muss, wenn ich zurückkommen will. Also habe ich das auch getan.

bundesliga.de: Sie gelten ohnehin als jemand, der immer positiv denkt. Wie aber erhält man sich diesen Optimismus, wenn eine voraussichtlich so lange Leidenszeit vor einem liegt?

Papadopoulos: Man weiß, dass man nicht der erste Fußballer ist, den es so oder ähnlich erwischt hat. Und fast alle kommen schließlich irgendwann zurück. Das macht einem Mut.

bundesliga.de: Sie sind gerade einmal 22 Jahre alt, dennoch wirken Sie weit abgeklärter als Ihr Alter vermuten lassen würde...

Papadopoulos: So bin ich erzogen worden. Meine Familie hat immer darauf geachtet, dass ich auf dem Teppich bleibe und die Dinge realistisch betrachte. Zudem hatte ich schon mit 15 Jahren meinen ersten Einsatz in der griechischen Super League für Olympiakos Piräus. Auch das hat mich geprägt.

bundesliga.de: Wir können dieses Interview auf Deutsch führen. Haben Sie die verletzungsbedingte Auszeit auch zum Vokabelpauken genutzt?

Papadopoulos: Nein, nein, dafür war in meinem Kopf kein Platz mehr (lacht)! Mein ganzes Denken war ausschließlich darauf ausgerichtet, dass ich jeden Tag alles dafür tun muss, schnell wieder fit zu werden, um zur Mannschaft zurückkehren zu können.

bundesliga.de: Ist es schwieriger, zuschauen zu müssen, wenn es nicht rund läuft und die Mannschaft Hilfe braucht, oder ist es schwerer zu ertragen, wenn das Team von Sieg zu Sieg eilt und man eigentlich gar nicht gebraucht wird?

Papadopoulos: Das macht für mich überhaupt keinen Unterschied, beides ist gleich bitter. Man will unbedingt dabei sein, will mitjubeln oder, wenn es mal nicht so gut läuft, dem Team helfen. Aber man kann eben nicht. Und das schmerzt sehr und ist für einen Profi-Fußballer das Schlimmste, das er erleben kann. Umso wichtiger ist es, dass man trotzdem immer positiv bleibt.

bundesliga.de: Am Dienstag kommt es in Dortmund zur Mutter aller Derbys. Brennen Sie grundsätzlich mehr auf ein Spiel gegen den BVB oder wiegt eine Partie in der Champions League, etwa gegen Real Madrid, doch schwerer?

Papadopoulos: Ich bin zwar kein gebürtiger Gelsenkirchener, aber ich glaube dennoch, dass ich in den vergangenen vier Jahren, seitdem ich für Schalke spiele, gezeigt habe, dass ich ein echter Schalker bin. Die Derbys gegen den BVB sind die Highlights der Saison, weil sie den Fans so viel bedeuten. Das Hinspiel haben wir bekanntlich leider verloren. Umso mehr brennen wir jetzt darauf, diese Scharte auszuwetzen.

bundesliga.de: Mit Olympiakos Piräus gegen Panathinaikos Athen kennen Sie aus Ihrer Zeit in der griechischen Liga ein anderes traditionsreiches Derby ebenfalls sehr gut; kann man diese beiden Paarungen vergleichen?

Papadopoulos: Schalke gegen Dortmund - das ist immer ein großartiges Erlebnis für uns Spieler und, wie schon erwähnt, gerade auch für die Fans. Aber die Mentalität der deutschen Fans ist zum Glück nicht ganz so hitzig wie die der griechischen. Wenn Olympiakos und Panathinaikos aufeinandertreffen, spricht man in meiner Heimat auch von der "Mutter aller Schlachten". Und leider erinnert manches Mal das, was sich abseits des Platzes abspielt, tatsächlich an eine Schlacht. Erst vor knapp drei Wochen gab es bei dieser Partie wieder schwere Ausschreitungen unter den Fans. Zum Glück kennt man das in dieser Form in Deutschland kaum.

bundesliga.de: Mit Felipe Santana ist ein Ex-Borusse heute Ihr Teamkollege. Wie nimmt man anfangs einen Spieler des Erzrivalen auf - noch dazu, wenn der dieselbe Position bekleidet, die man selbst auch spielt?

Papadopoulos: Das ist für mich überhaupt kein Problem. Und für uns spielt es auch keine Rolle, woher ein neuer Spieler kommt. Wir nehmen jeden Neuen herzlich auf, egal ob er aus Barcelona, aus Augsburg oder vielleicht sogar aus Dortmund kommt. Jeder soll von Beginn an das Gefühl haben, dass er jetzt einer von uns ist.

bundesliga.de: Könnten Sie sich umgekehrt vorstellen, irgendwann einmal zum BVB zu wechseln?

Papadopoulos: Haha! Vorstellen kann ich mir alles! Aber deshalb tue ich das noch lange nicht (lacht)!

bundesliga.de: Zwischenzeitlich sah es so aus, als sei Dortmund den Schalkern weit enteilt, mittlerweile ist man aber wieder auf Augenhöhe...

Papadopoulos: Keiner kann bestreiten, dass wir einen eher mäßigen Saisonstart hatten. Aber wir haben hart gearbeitet, haben unseren Rhythmus gefunden und können mittlerweile auch zwischenzeitliche Rückschläge immer sehr schnell wegstecken. Jetzt haben wir alle Chancen auf die direkte Champions-League-Qualifikation. Das haben uns viele Kritiker nicht nur wegen des schwachen Saisonstarts kaum zugetraut. Tatsächlich aber können wir sogar noch Vizemeister werden!

bundesliga.de: Was angesichts der schieren Überlegenheit der Münchner Bayern in dieser Saison fast einer Art Meistertitel der 17er-Liga gleichkäme...

Papadopoulos: Ich würde zwar nicht gleich sagen, dass die Bayern in einer anderen Liga spielen als der Rest der Teams. Aber niemand kann bestreiten, dass die Münchner in einer herausragenden Verfassung und ein würdiger Meister sind. Die Bayern haben offensichtlich sehr, sehr hart gearbeitet und sich den Titel wirklich verdient!

bundesliga.de: Verdient haben sollte sich Ihr Trainer Jens Keller längst auch die Anerkennung, die ihm einige Medien lange verweigert haben...

Papadopoulos: Ich lese zwar keine deutschen Zeitungen, aber natürlich habe auch ich mitbekommen, dass Jens Keller von einigen Kritikern nicht immer ganz fair behandelt worden ist. Das hat mich schon ein wenig geärgert, weil der Trainer sehr gute Arbeit macht. Aber jetzt ist zum Glück alles gut. Und ich bin überzeugt, dass das bis zum Saisonende so bleibt.

Das Gespräch führte Andreas Kötter