Wenn eine Mannschaft im Fußball im übertragenen Sinne den Schönheitspreis zugesprochen bekommt, ist dies meist eine euphemistische Umschreibung dafür, dass ihre Spielweise in höchstem Maße erfreulich, allerdings gleichzeitig auch in höchstem Maße ineffizient ist.

Felix Magath ist nach Schalke gekommen, um möglichst viele Titel mit dem Traditionsverein zu holen - der Schönheitspreis gehört derzeit definitiv nicht dazu.

Defensive als Grundlage des Erfolgs

Der Coach hat den "Königsblauen" eine enorm effiziente Spielweise verpasst und mit 19 Punkten nach neun Spielen und Platz 3 in der Tabelle den besten Saisonstart seit 38 Jahren hingelegt.

"Wir spielen momentan keinen guten Ball, sind aber effektiv und erfolgreich", sagt Torwart Manuel Neuer. Auch Magath weiß, dass sein Team derzeit keine spielerischen Glanzpunkte setzt: "Wir arbeiten gut zusammen, wir kämpfen gut zusammen. Unsere Stärke und die derzeitige Grundlage für den Tabellenstand ist aus meiner Sicht die Defensive, die sehr gut steht."

Erst sechs Mal musste Neuer den Ball aus seinem eigenen Kasten holen, lediglich Tabellenführer Leverkusen kassierte weniger Gegentreffer (fünf). Das Zweikampfverhalten hat sich unter Magath ebenfalls wesentlich verbessert. Die "Knappen" bestritten bisher ligaweit die zweitmeisten Duelle am Ball (1.004). Das steht in scharfem Kontrast zur vergangenen Saison, als sie die wenigsten Zweikämpfe aller 18 Bundesliga-Teams führten.

Ist Schalke die neue Hertha?

Das Auftreten der Schalker erinnert manchen an die Leistungen von Hertha BSC - wohlgemerkt aus der vergangenen Saison: hinten gut stehen, den Gegner kommen lassen und dann bei den wenigen Kontermöglichkeiten eiskalt zuschlagen. Ist Schalke also die "neue Alte Dame"? Oder gar "Hertha reloaded"?

Ein Blick in die Datenbank bringt Klarheit. Das aktuelle Tabellenschlusslicht aus der Hauptstadt feierte in der abgelaufenen Spielzeit die meisten Siege mit nur einem Tor Differenz (14, wie damals auch der Hamburger SV), Schalke schaffte dieses Kunststück bislang schon vier Mal. Nur Mainz und Leverkusen haben aktuell ebensohäufig knapp gewonnen.

Auswärtsstärke und Chancenverwertung als Parallelen

Schalke fuhr in dieser Saison außerdem schon vier seiner sechs Siege auswärts ein, ist seit sechs Partien auf fremden Terrain ungeschlagen und weist damit die aktuell längste Serie dieser Art in der Bundesliga auf. In der abgelaufenen Spielzeit avancierte Hertha mit 24 Punkten auf des Gegners Platz zum fünftbesten Auswärtsteam.

Mit einer Ausbeute von 13 erzielten Treffern liegen die "Knappen" zwar ligaweit nur auf Platz 8. Doch die Chancenverwertung von 16,7 Prozent führte die "Knappen" nach Zählern auf Rang 3 - mit nur zwei Punkten Rückstand auf die punktgleichen Tabellenführer aus Leverkusen und Hamburg. Berlin hatte in der vergangenen Saison mit 15,4 Prozent die drittbeste Chancenverwertung und landete am Ende auf Platz 4.

Magath sieht "noch Luft nach oben"

Doch Magath, der zu seiner aktiven Zeit als Spielmacher auch die Ästhetik des Fußballspiels schätzte und förderte, verlangt mehr von seinem Team.

"Zu verbessern gibt es immer etwas. Uns fehlt es beispielsweise noch an spielerischen Momenten und gewissen Automatismen, die sich erst noch einspielen müssen. Da ist noch Luft nach oben. Aber daran arbeiten wir jeden Tag hart im Training", sagt der Meistertrainer, der in der vergangenen Saison den VfL Wolfsburg mit ansehnlichem und erfolgreichem Fußball zur Meisterschaft führte.

Die nächsten Gegner der Schalker heißen Hamburg, Leverkusen und Bayern München. In der vergangenen Saison holte die Hertha gegen diese Mannschaften insgesamt 13 von 18 möglichen Punkten. Insofern dürften Magath und Co. sicher gerne noch ein bisschen auf Berlins Spuren wandeln...

Denis Huber