Für "König" Otto Rehhagel ist der WM-Traum im Alter von 71 Jahren in Erfüllung gegangen - und auch Frankreich, Portugal, Slowenien und Algerien haben zum Abschluss des Qualifikations-Marathons das Ticket nach Südafrika gelöst.

Damit stehen 31 von 32 WM-Teilnehmer fest. In der Nacht zum Donnerstag kämpften noch Uruguay und Costa Rica (Hinspiel: 1:0) um das letzte WM-Ticket.

Griechenland machte im 100. Länderspiel unter Rehhagel durch ein 1: 0 (0:0) im Play-off-Rückspiel gegen die Ukraine in Donezk die zweite Endrunden-Teilnahme nach 1994 perfekt. Das Hinspiel endete vier Tagen zuvor 0:0.

Frankreich, Portugal, Slowenien und Algerien dabei

Lange zittern musste Frankreich. Erst in der Verlängerung war beim 1:1 (1:0, 0:0) gegen Irland das Weiterkommen perfekt. Dabei bedurfte es aber eines irregulären Treffers. Vor dem Ausgleichstreffer von William Gallas hatte Thierry Henry ein klares Handspiel gemacht (103.). Die Iren, die das Hinspiel 0:1 verloren hatten, waren durch Robbie Keane in Führung gegangen (33.).

Ebenfalls qualifiziert ist Portugal. Ohne seinen verletzten Superstar Cristiano Ronaldo erkämpfte sich der WM-Vierte von 2006 ein 1:0 (0:0) in Bosnien-Herzegowina und ist damit zum fünften Mal bei einer Endrunde dabei.

Letzter Endrunden-Platz in Afrika vergeben

Slowenien eliminierte unterdessen den Favoriten Russland. Das Team von Trainer Matjaz Kek gewann das Rückspiel 1:0 (1:0) in Maribor und machte damit das 1:2 im Hinspiel wett.

Den letzten Endrunden-Platz in Afrika sicherte sich Algerien. Die Nordafrikaner gewannen durch einen Treffer des Bochumer Abwehrspielers Anthar Yahia im Entscheidungsspiel in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum gegen Ägypten mit 1:0 (1:0). Für Algerien ist es die dritte WM-Teilnahme nach 1982 und 1986.

Dimitrios Salpingidis der Matchwinner

Obwohl die Griechen nach dem 0:0 im Hinspiel unter Zugzwang waren, hatte Rehhagel wie erwartet auf seine bewährte Maurer-Taktik und eine Fünfer-Abwehrreihe gesetzt. Im Sturm vertraute der 71-Jährige bei seinem Jubiläum auf den Nürnberger Angelos Charisteas, der beim sensationellen EM-Triumph 2004 den Siegtreffer erzielt hatte, als einzige Spitze. Der Leverkusener Theofanis Gekas, der mit sechs Toren in den letzten drei Gruppenspielen sein Team erst in die Play-offs geschossen hatte, kam erst im zweiten Durchgang zum Einsatz.

Dafür avancierte Dimitrios Salpingidis zum Matchwinner. Der Mittelfeldspieler von Panathinaikos Athen vollendete nach einem Traumpass von Giorgios Samaras eiskalt. Damit muss die Ukraine auf ihre zweite WM verzichten und kann sich nun bereits auf die gemeinsam mit Polen ausgetragene EM 2012 konzentrieren. Vor der WM 2002 in Japan und Südkorea hatte die Ukraine in den Play-offs gegen Deutschland (1:1 und 1:4) den Kürzeren gezogen, insgesamt scheiterten sie zum vierten Mal in den Entscheidungsspielen.

Zum fünften Mal bei der WM dabei

Durch den portugiesischen Erfolg ist das Szenario einer WM ohne den Weltfußballer gerade nochmal abgewendet, auch wenn Ronaldo beim letzten Schritt nach Südafrika gar nicht mithelfen konnte. Wie schon im Hinspiel fiel der Ballzauberer von Real Madrid wegen einer hartnäckigen Knöchelverletzung aus. Stattdessen ließ Raul Meireles die Portugiesen mit seinem Treffer jubeln (56.).

Portugal ist damit nach 1966, 1986, 2002 und 2006 zum fünften Mal bei der WM dabei. Für Bosnien-Herzegowina, das erst seit 1992 eigenständig ist, ist der Traum von der ersten WM-Teilnahme geplatzt. Bei den Bosniern sah auch noch Sejad Salihovic die Gelb-Rote Karte (76.).

Fulminanter Schuss unter die Latte

Im Sudan traf Yahia in dem brisanten Duell, das nach den skandalösen Vorfällen aus dem Gruppenspiel zwischen beiden Teams am vergangenen Samstag von 15.000 Polizisten gesichert wurde, in der 40. Minute mit einem fulminanten Schuss aus spitzem Winkel unter die Latte. Über Krawalle wurde zunächst nichts bekannt, im Stadion hatten die Sicherheitskräfte die Lage unter Kontrolle.

Das Entscheidungsspiel war nötig geworden, nachdem beide Teams durch den 2:0-Sieg Ägyptens am vergangenen Samstag in Kairo in der Abschlusstabelle der Qualifikationsgruppe dieselbe Punktzahl und Tordifferenz aufgewiesen hatten.

Dedic schießt Slowenien zur WM

Wie in Khartoum stand auch in Slowenien ein Bochumer Mittelpunkt. Zlatko Dedic, seit Saisonbeginn beim VfL, erzielte in der 44. Minute das goldene Tor für die Slowenen. Damit verpassten die Russen, bei denen auch noch Alexander Kerschakow wegen groben Foulspiels die Rote Karte (66.) und Juri Schirkow in der Nachspielzeit Gelb-Rot gesehen hatten (66.), wie schon 2006 die WM-Teilnahme.

In der Gruppenphase waren die Russen an Deutschland gescheitert. In Dortmund hatte es eine 1:2-Niederlage gegeben, das entscheidende Rückspiel in Moskau verloren die Russen 0:1. Slowenien war in seiner Gruppe hinter der Slowakei Zweiter geworden.