Berlin - "König Otto" hat einen Plan. Otto Rehhagel will am Samstag gegen die derzeit bestechend aufspielenden Stars des FC Bayern mit "Mut, Leidenschaft und Begeisterung" ein kleines Fußball-Wunder schaffen. Die Torfabrik aus München tritt mit der Empfehlung von 14 Treffern aus den letzten zwei Pflichtspielen in der Hauptstadt an (ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio). Dennoch will die Hertha nicht "in Ehrfurcht erstarren", sondern eine der letzten Chancen im Existenzkampf nutzen.

"Alle haben gesehen, in welcher Verfassung die Bayern derzeit sind. Wir müssen alle über uns hinauswachsen, dann haben wir vielleicht eine geringe Chance. Wir brauchen Mut, Leidenschaft und Begeisterung", sagte Rehhagel. Sein Team dürfe sich vom scheinbar übermächtigen Gegner nicht abschlachten lassen. "Wenn wir uns wie das Kaninchen vor der Schlange bewegen, haben wir keine Chance", sagte der 73-Jährige.

Totale Defensive bei der Hertha?



Rehhagel setzt ganz auf den Heimvorteil im ausverkauften Olympiastadion. "Die Komödie am Kurfürstendamm wäre glücklich, wenn sie mal vor 70.000 Zuschauern spielen könnte", witzelte der Coach. Ob der frühere Meistertrainer - wie von Bayern-Manager Christian Nerlinger prophezeit - auf totale Defensive setzen wird, ließ er offen. "Wichtig ist, dass unsere Leute möglichst viele Fragen beantworten können, die während des Spiels gestellt werden."

Rehhagel kann nicht damit rechnen, dass die Bayern nach dem 7:1 gegen 1899 Hoffenheim und dem 7:0 gegen den FC Basel am Samstag den Schongang einlegen. Die Heynckes-Elf ist zum Siegen verdammt, wenn sie ihre Chance auf den Titel nutzen und den Fünf-Punkte-Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund verkürzen will.

Wiedersehen mit dem Ex-Verein



Geheimtraining, Videoschulung, Fahrradausflug - Rehhagel ließ in den vergangenen Tagen nichts unversucht, um das "Wunder" gegen den Rekordmeister doch zu schaffen. Der Trainer-Dino, 1995 und 1996 selbst Coach der Bayern, landete mit 18 Siegen so viele Erfolge wie kein anderer Bundesliga-Trainer gegen München. "Das ist lange her. Davon möchte ich nichts mehr hören", sagte Rehhagel.

In Berlin konnte er seine Magie bislang nicht entfalten. In drei Spielen gab es nur einen Sieg, dazu Niederlagen gegen die Tabellennachbarn aus Köln und Augsburg. Vor allem die Offensiv-Abteilung büßte unter dem Trainer-Oldie weitere Durchschlagskraft ein. "Ich weiß, dass wir zuletzt nicht so viele Tore erzielt haben", sagte Rehhagel. Nur ein Treffer glückte bislang unter seiner Regie. Die Stürmer Adrian Ramos und Pierre-Michel Lasogga enttäuschten zuletzt.

Schweinsteiger fällt aus



Nicht sonderlich stabilisieren konnte Rehhagel auch die Abwehr. Alle Experimente - mit oder ohne den etatmäßigen Kapitän Andre Mijatovic - brachten nicht den erhofften Effekt. Man darf gespannt sein, wie die Innenverteidiger Roman Hubnik und Christoph Janker mit Bayern-Torjäger Mario Gomez klarkommen. Gomez hat mit seinen 21 Liga-Toren häufiger als die komplette Hertha-Offensive (19) getroffen.

Zu allem Überfluss muss Rehhagel am Samstag auf Führungsspieler Levan Kobiashvili verzichten, der in Köln Gelb-Rot sah. Dafür darf Ex-Bayern-Profi Andreas Ottl nach abgesessener Rotsperre wieder mitwirken. Allerdings ist fraglich, ob Rehhagel ihn einsetzt. Ottl konnte bei seinen letzten Einsätzen genauso wenig überzeugen wie Christian Lell, der zweite ehemalige Feldspieler der Bayern. Dennoch sagt Ottl: "Ich bin der Meinung, dass ich dem Team mit meiner Art zu spielen helfen kann." Beim FC Bayern fällt Bastian Schweinsteiger aufgrund einer Reizung im Fuß aus. Am Sonntag soll der Nationalspieler wieder ins Lauftraining einsteigen. Auch Ivica Olic, den Rückenprobleme plagen, wird in Berlin fehlen.



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