Köln - Nach der durchwachsenen Leistung unter der Woche bei der 0:2-Niederlage in Mainz hat der 1. FC Köln die von Trainer Zvonimir Soldo geforderte Reaktion gezeigt. Die Rheinländer überzeugten beim 1:1 gegen 1899 Hoffenheim nicht nur kämpferisch, sondern zeigten auch ihre spielerisch beste Saisonleistung.

Speziell in den ersten 45 Minuten trumpften die Kölner auf wie wohl noch in keinem Heimspiel im Jahr 2010. Laufstark, zweikampfstark, aggressiv und mit feinen Kombinationen nahm der FC die Gäste aus dem Kraichgau nach Belieben auseinander. Besonders der in vorderster Front agierende Lukas Podolski präsentierte sich in einer überragenden Verfassung.

Führungsspieler sollen vorangehen

"Ich habe in den letzten Wochen eine gute Form", freute sich das kölsche Idol. "Gegen Hoffenheim hat man gesehen, wozu wir in der Lage sind, wenn jeder 100 Prozent gibt. Dann können wir auch mit Mannschaften wie Hoffenheim, die oben stehen, mithalten. Wenn sich jeder auf seine Aufgabe konzentriert, wir uns auf die Spiele heiß machen, und solche Leistungen zeigen, dann kommen wir ganz schnell da unten wieder raus."

Keine Frage, der 1. FC Köln hat sich nach den zwei happigen Auftaktniederlagen gegen Kaiserslautern (1:3) und in Bremen (2:4) stabilisiert. Die personellen Umstellungen von Zvonimir Soldo fruchten. Seit dem Verzicht auf den etatmäßigen Torjäger Milivoje Novakovic blüht vor allem Lukas Podolski, der mit allen Freiheiten ausgestattete Alleinunterhalter im Sturm, auf. Gegen Hoffenheim erzielte er das sehenswerte Tor mit einem fulminanten 126 km/h schnellen Linksschuss.

"Lukas ist Führungsspieler. Ich erwarte von allen meinen Führungsspielern, dass sie in der Mannschaft vorangehen", meint der Kölner Coach. "Das hat nichts damit zu tun, ob wir mit einer oder zwei Spitzen spielen. Wichtig ist, dass die Spieler zum Abschluss kommen. Wir waren spielbestimmend, haben gut kombiniert. Wir waren aggressiv und hatten einige gute Möglichkeiten."

Heimspiele sollen die Fans mitreißen

In den beiden Heimspielen gegen St. Pauli (1:0) und jetzt gegen Hoffenheim boten die Kölner jeweils eine Spielhälfte lang sehr ansehnlichen Fußball. Im Gegensatz zu den Auswärtspartien, in denen Soldo taktisch doch vor allem Beton anrührte und sehr defensiv agieren ließ. Doch im RheinEnergieStadion wurden die Zuschauer mit Spektakel unterhalten, wenn auch bislang nur über 45 Minuten.

"Unser Ziel ist, bessere Heimspiele abzuliefern als in der letzten Saison", verrät Kölns Mittelfeldspieler Adam Matuschyk. "Was wir den Zuschauern letztes Jahr angetan haben, wollen wir nicht wiederholen. Wir wollen sie mitreißen, dann verleihen sie uns auch Flügel." Der FC ist auf einem guten Weg, doch für ein komplett überzeugendes Spiel von der ersten bis zur letzten Minute reicht es noch nicht.

"Wir sind noch keine Spitzenmannschaft und in der Lage, 90 Minuten so zu spielen", sagt Soldo. "Wir haben einige junge Spieler in der Mannschaft. Solche Schwankungen sind normal. Für uns ist in unserer Situation wichtig, dass wir stabiler werden. Das haben wir teilweise geschafft."

Köln braucht mehr Durchschlagskraft

In den vergangenen vier Bundesliga-Spielen haben die Kölner fünf Punkte gesammelt und nur bei Spitzenreiter Mainz verloren. Damit hat sich der Traditionsverein einigermaßen stabilisiert, sich aber noch lange nicht aus den Abstiegsregionen frei geschwommen. Dazu braucht es noch ein paar "Dreier". Doch dafür ist auch mehr Durchschlagskraft in der Offensive gefragt.

"Auf der Leistung gegen Hoffenheim können wir aufbauen. Man hat gesehen, dass wir es können. Jetzt müssen es nur Woche für Woche abliefern", fordert Lukas Podolski. Am kommenden Wochenende gastiert der 1. FC Köln bei den gut gestarteten Freiburgern. Der Sportclub hat aber bereits zwei seiner drei Heimspiele verloren. Die Chance für den FC.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski