Wolfsburg - 1:0 gegen 1. FC Nürnberg, der siebte Heimsieg in Folge (Vereinsrekord) Anfang April über den Europapokal-Aspiranten katapultierte den 1. FC Köln mit 35 Punkten auf Rang 11 der Tabelle. Sieben Punkte lagen sie vor dem VfL Wolfsburg auf Relegationsplatz 16. Nach schwachem Saisonstart schien der Abstieg kein Thema mehr für die Rheinländer zu sein.

Nur drei Wochen und drei Niederlagen später "stecken wir wieder mittendrin", warnt ein völlig konsternierter Kölner Trainer Frank Schaefer nach dem 1:4 in Wolfsburg: "Die Situation ist sehr gefährlich. Das muss jedem klar sein."

Nur noch drei Punkte trennen die mit nur sechs Punkten schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga vom Relegationsplatz. Die Pleite bei den Niedersachsen war bereits die zwölfte Niederlage bei 16 Auftritten in der Fremde.

"Das macht keinen Spaß mehr"

"Das macht langsam keinen Spaß mehr. Egal wohin wir fahren, wir kriegen eine Klatsche", sagte Michael Rensing genervt. Allein in den letzten drei Auswärtspartien beim Hamburger SV (2:6), im rheinischen Derby bei Borussia Mönchengladbach (1:5) und nun in Wolfsburg musste der Torwart 15 Mal hinter sich greifen - und war dabei immer bester Kölner.

"Ein Punkt wäre heute so wichtig gewesen. Jetzt spüren wir wieder den Druck", warnt der Ex-Bayer und versucht, die Mannschaft wachzurütteln: "Jetzt hilft nur eines: Wir müssen uns den Arsch aufreißen und an unsere glorreiche Heimserie anknüpfen. Ich habe keine Lust, im nächsten Jahr in der 2. Bundesliga auf dem Dorf zu dümpeln."

Daum lauert

Wird nicht einfach, denn am kommenden Wochenende kommt Bayer Leverkusen zum Derby nach Müngersdorf - und die "Werkself" will den Kampf um die Meisterschaft mit einem Sieg über den Rivalen von der anderen Rheinseite weiter offen halten.

"Für das Derby gegen Leverkusen muss ich die Mannschaft nicht extra motivieren", hofft Schaefer, aber dem Coach ist auch klar, wie wichtig ein "Dreier" wäre, denn eine Woche drauf geht es zu Ex-Trainer Christoph Daum, der mit seiner Frankfurter Eintracht derzeit einen Punkt hinter den Kölnern auf Rang 15 lauert. Zum Saisonabschluss kommt dann Pokalfinalist Schalke 04 ins RheinEnergieStadion.

Fühlte sich Köln zu sicher?

Wie aber konnte Köln, das seit Amtsantritt von Schaefer in 24 Spielen 30 Punkte holte, noch einmal in Abstiegsgefahr kommen. Fühlte man sich nach dem Sieg über Nürnberg eventuell schon zu sicher?

"Im Nachhinein würde ich das mit Ja beantworten", gestand der 47-Jährige auf entsprechende Nachfrage von bundesliga.de: "Ich habe das nie gedacht und immer gewarnt, aber bei den Spielern hat die Spannung offensichtlich tatsächlich ein wenig nachgelassen."

"Machen zu viele Fehler"

"Wir machen auswärts zu viele Fehler", analysiert Schaefer, der der Niederlage in Wolfsburg aber auch etwas Gutes abgewinnen kann: "Nach dem 0:1 sind wir auswärts zuletzt immer regelrecht auseinandergefallen. Aber anders als in Hamburg und Mönchengladbach war heute selbst nach dem 1:3 das Bemühen, dem Spiel noch eine Wende zu geben, zu erkennen. Das macht Mut."

Mut, den die Kölner in den kommenden entscheidenden Wochen im Kampf gegen den Abstieg dringend benötigen.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs