Köln - Viele Experten haben den 1. FC Köln als mögliche Überraschungs-Mannschaft der Saison auf der Rechnung. Die Eindrücke der ersten beiden Spiele der noch jungen Spielzeit bestätigen das. Beim 1:1-Unentschieden gegen den VfL Wolfsburg brachte die Geißbockelf den Vizemeister an den Rande einer Niederlage.

Nach dem Abpfiff schwankten die Profis des 1. FC Köln in ihrer Stimmung irgendwo zwischen Stolz und Enttäuschung. Stolz waren sie, weil sie den Vizemeister und DFB-Pokalsieger der vergangenen Saison 70 Minuten lang dominiert hatten, enttäuscht, weil die starke Leistung letztlich doch nicht zum Sieg gereicht hat.

"Eigentlich hätten wir gewinnen müssen"

"Eigentlich hätten wir das Spiel gewinnen müssen. Wir hatten die Wolfsburger da, wo wir sie haben wollten", haderte Innenverteidiger Dominique Heintz. "Wir waren die bessere Mannschaft und haben es super gemacht. Es ist bitter, dass wir in den letzten zehn Minuten so ein Ei fangen. Deshalb sind wir ein bisschen enttäuscht. Trotzdem bin ich richtig stolz auf die Mannschaft."

Die Kölner ließen die Wölfe über weite Strecken der Partie nicht zur Entfaltung kommen. Im Mittelfeld räumte die aus Matthias Lehmann und Kevin Vogt bestehende Doppelsechs alles weg, die Abwehr hielten Dominique Heintz und Frederik Sörensen zusammen. Es ist erstaunlich, wie gut und abgeklärt das neue Innenverteidiger-Pärchen bereits harmoniert und die gegnerischen Stürmer im Griff hat. Der nach Tottenham abgewanderte Kevin Wimmer wird nicht vermisst, der derzeit verletzte Routinier Dominic Maroh wird es schwer haben, seinen Stammplatz in der Innenverteidigung zurückzuerobern.

"Es macht einen Riesenspaß"

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Trotz des neuen Personals haben die Kölner nichts von ihrer Stabilität der Vorsaison verloren. "Es war ein Schritt nach vorne, wie stabil wir gegen Wolfsburg aufgetreten sind", fand Dominique Heintz nach seinem Heimdebüt. "In Stuttgart haben wir schon gut gestanden, heute aber haben wir es noch besser gemacht. Es macht einen Riesenspaß, sich in die Bälle reinzuschmeißen und richtig Gas zu geben und uns mit den Besten messen."

Die Kölner gaben defensiv alles und waren auch mit ungewöhnlichen Methoden erfolgreich. "Ich bin froh, dass ich den einen Schuss kurz vor Schluss noch mit der Arschbacke auf der Linie geklärt habe", lachte Matthias Lehmann, der damit seinen schweren Patzer in der Nachspielzeit, als er ein Luftloch trat und Kevin de Bruyne fast noch den Wolfsburger Siegtreffer ermöglicht hatte, wieder ausbügelte.

"Sind froh, dass wir Zoller haben"

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Defensiv stabil und offensiv enorm verbessert, so präsentieren sich die Rheinländer bei ihrem ersten Heimauftritt. Peter Stöger hatte mutig aufgestellt und mit Simon Zoller an der Seite von Anthony Modeste einen weiteren Stürmer gebracht. Zollers Startelfdebüt gelang, im dritten Pflichtspiel der Saison netzte der 24-Jährige zum dritten Mal ein. Aus dem Problemkind der Vorsaison ist ein Hoffnungsträger geworden.

"Wir sehen alle, dass Zoller einen Schritt nach vorne gemacht hat", lobte Keeper Timo Horn den Angreifer. "Er ist für mich wie ausgewechselt und auch im Training sehr aktiv. Da versucht er sich immer reinzuhauen. Er hat heute wieder seine Chance genutzt. Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben. In der Form hilft er uns sehr weiter."

Gleiche Ausbeute wie 2014/15

Im zweiten Anlauf scheint sich der Ex-Lauterer nun durchzusetzen. "Jörg Schmadtke und Peter Stöger waren sehr korrekt zu mir. Ich wollte zurückkommen und fühle mich nun bestätigt", sagt Zoller im Interview mit bundesliga.de selbst. "Ich habe im Sommer intensiv gearbeitet. Das kommt mir nun zugute. Ich habe in den letzten Spielen schon immer längere Einsatzzeiten bekommen. Das ist eine schöne Bestätigung für die letzten Wochen. Das gibt mir Selbstvertrauen."

Die ganze Mannschaft strotzt nach dem guten Start vor Selbstvertrauen. Doch zahlenmäßig haben die Kölner gegen Stuttgart und Wolfsburg exakt die gleiche Ausbeute geholt wie in der Vorsaison: vier Punkte und 4:2 Tore. Sollten die Domstädter allerdings am kommenden Samstag den Hamburger SV schlagen, hätten sie die Bilanz verbessert.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski