Zusammenfassung

  • Durch den ersten Sieg dieser Bundesliga-Saison schöpft der 1. FC Köln neue Hoffnung

  • Stefan Ruthenbeck: "Wir haben nun 17 Endspiele vor uns in der Rückrunde"

  • Neun Punkte Rückstand hat der FC auf Hamburg und Bremen

Köln - Als endlich der erlösende Schlusspfiff ertönte, stürmte Stefan Ruthenbeck jubelnd aufs Feld, fiel Torhüter Timo Horn lachend um den Hals und feierte mit den Spielern des 1. FC Köln ausgelassen den ersten Saisonsieg. Die Erleichterung und Freude über das 1:0 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg, dem ersten Erfolg des Tabellenletzten der Bundesliga im letzten Spiel der Hinrunde, waren spürbar und riesengroß.

>>> Bundesliga-Endspurt: Das große Herbstfinale

"Der Sieg ist hoch verdient", sagte der eigentlich nur als Interimstrainer bis zur Winterpause eingeplante Ruthenbeck über das Spiel, das Christian Clemens (67.) entschieden hatte: "Trotzdem ist es erst der erste Dreier. Jetzt nicht durchdrehen! Die Mannschaft hat sich belohnt für die Arbeit - nicht mehr und nicht weniger. Wir haben nun 17 Endspiele vor uns in der Rückrunde. Wir wollen konsequent arbeiten - und dann abliefern."

Sieg dank Fans und dem lieben Gott

Torhüter Timo Horn, der den Sieg in der Schlussphase mit einigen starken Paraden festhielt, war nahezu sprachlos nach dem erlösenden Erfolg: "Man traut sich gar nicht auszusprechen, dass das der erste Sieg der Hinrunde war. Das war eine Riesenerlösung, als der Schlusspfiff ertönte", gestand der 24-jährige Schlussmann: "Wenn man nur 1:0 führt, ist es klar, dass irgendwann das Nervenflattern losgeht. Die Wolfsburger haben natürlich noch mal angezogen. Wir mussten die Führung über die Zeit bringen, das haben wir heute gemeinsam mit dem lieben Gott geschafft“, so Horn, der auch die eigenen Fans an Bord holte: "Ein Dank gilt auch den Zuschauern, die uns trotz allem immer noch unterstützen."

© imago

Die angesprochenen Fans feierten zu diesem Zeitpunkt im strömenden Regen noch immer den ersten Sieg der Saison. "Keiner wird es wagen, keiner wird es wagen, uns, den 1. FC Köln, zu schlagen", sangen sie mit kölschem Humor. Für die Rheinländer kam der erste Dreier der Spielzeit zum richtigen Zeitpunkt. Die "Geißböcke" verhinderten nicht nur eine komplett sieglose Hinrunde (ein Negativrekord, der dem 1. FC Nürnberg gehört), sie schöpften durch das 1:0 gegen schwache Wolfsburger auch wieder leichte Hoffnung im Abstiegskampf. Eine Halbserie zum Vergessen liegt hinter den Kölnern: Formkrisen, Verletzungsprobleme und interne Streitigkeiten machten die sportliche Talfahrt perfekt – nach dem Sieg beim Schlussakkord geht der FC nun mit neun Punkten Rückstand auf die Tabellennachbarn Hamburg und Bremen in die Winterpause.

Video: Köln schlägt sich achtbar in München

"Die Hinrunde war einfach zum Vergessen. Das haben wir uns alle ganz anders vorgestellt. Von Verletzungen zu katastrophalen Spielen, die wir teilweise gezeigt haben", gab Marco Höger, der gegen Wolfsburg nach einer Muskelblessur sein Comeback gab, schonungslos zu Protokoll: "Ich hoffe, dass in der Winterpause jetzt einige wieder zurückkommen und wir mit einer guten Mannschaft in der Rückrunde noch den ein oder anderen Punkt holen", erklärte der Kölner Mittelfeldmann. Ob der FC dafür dann noch auf Ruthenbeck setzt oder anstelle des eigentlichen U19-Coachs auf eine externe Lösung setzt, ist aktuell noch offen. Der erlösende Erfolg zum Hinrundenabschluss inklusive des stabilen Auftretens in den letzten Partien gibt dem 45-Jährigen allerdings gute Argumente an die Hand.

Quiz: Zeig dein Wissen rund um den 1. FC Köln

Ruthenbeck gab sich derweil angesichts der Diskussionen tiefenentspannt: "Ich muss das nicht. Ich definiere mich nicht über Champions League oder irgendetwas. Ich möchte gerne Arbeit machen, nach der ich am Abend nach Hause komme, in den Spiegel schaue und sagen kann, ich hab heute einen guten Job gemacht", betonte der gebürtige Kölner, der allerdings auch klar unterstrich: "Sollte mir der Verein das Vertrauen schenken und wir in Gesprächen zu dem Ergebnis kommen, dass wir das Ding zusammen machen wollen, dann werden wir das tun", sagte Ruthenbeck.

Ruthenbeck: "Der Sieg heute tut uns allen gut"

Sein Fokus ging sowieso weniger auf sein eigenes Schicksal denn auf die anstehende Pokalpartie auf Schalke sowie das Seelenleben seiner Schützlinge: "Die Mannschaft hat so viel investiert und wir haben so viel in die Fresse bekommen in den vergangenen Wochen, teilweise nicht zu Unrecht. Aber in den vergangenen Wochen war schon zu sehen, dass es wieder vorangeht, schon mit dem letzten Spiel von Peter Stöger. Das hier war gut und tut uns allen gut", ist sich Ruthenbeck über die Wirkung des ersten Saisonerfolgs im Klaren.

© gettyimages / Dean Mouhtaropoulos/Bongarts

Das lag auch an der Frischzellenkur, die der Trainer seinem Team auch durch die Verletzungsprobleme verordnet hat: Der FC begann gegen Wolfsburg mit der jüngsten Startelf seit 1967, Ruthenbeck schenkte Birk Risa und Chris Führich (beide 19 Jahre jung) von Beginn an das Vertrauen. Das Experiment der Kölner ging auf – die Youngster spielten befreit auf und setzten offensiv wichtige Impulse. Am Ende waren es dann allerdings die etablierten Profis, di den Sieg unter Dach und Fach brachte: Der eingewechselte Christian Clemens schoss auf Vorlage des starken Milos Jojic den Siegtreffer für die kriselnden "Geißböcke", denen nach dem Abpfiff die Erleichterung deutlich anzumerken war.