Die Minimalisten der Bundesliga zeigten sich am letzten Vorrunden-Spieltag in Spendierlaune und bescherten ihren Fans einen versöhnlichen Jahresausklang. Der 1. FC Köln besiegte den 1. FC Nürnberg mit 3:0 und schoss damit in seinem finalen Heimspiel 2009 so viele Tore wie in den acht vorangegangenen Begegnungen im RheinEnergieStadion zusammen.

Auf der Habenseite der Domstädter stehen jetzt ein 12. Platz, 18 Punkte sowie 10:15 Tore. Damit liegen die Kölner einigermaßen im grünen Bereich dessen, was sie sich vor der Saison vorgenommen haben.

"Wir hatten einige Probleme"

"Ich habe schon mit ein paar Punkten mehr gerechnet", bekannte FC-Trainer Zvonimir Soldo selbstkritisch. Eigentlich war der 42-Jährige in Köln angetreten, um mehr als die 39 Punkte seines Vorgängers Christoph Daum zu holen.

"Aber wir hatten in der Vorrunde auch einige Probleme", so der Coach weiter. "Einige Spieler waren verletzt, einige hatten Fitnessprobleme, wir hatten ein schweres Auftaktprogramm. Wir haben 18 Punkte, damit können wir nicht zufrieden sein. Wir sind nur zwei Punkte vor einem Relegationsplatz. Aber wir haben die Qualität, um aus dieser Situation herauszukommen. Und man darf auch nicht vergessen, dass wir im Viertelfinale des DFB-Pokals stehen."

Die Defensive steht

Mit gerade einmal zehn erzielten Toren haben die Rheinländer immerhin 18 Punkte erkämpft. Das nennt man wohl effizient. Die Abwehr mit dem eingespielten Innenverteidigerpaar Pedro Geromel, dem Torschützen des wichtigen Kölner Führungstreffers, und Youssef Mohamad ist zweifellos das Prunkstück der Mannschaft.

Sogar für "reif für die Champions-League" befindet der Kölner Manager Michael Meier die Defensive. Und überhaupt überraschte ein aufgeräumter Meier mit ungewöhnlichen Fragen und Vergleichen. "Wie hat Livorno heute gespielt?", antwortete der 60-Jährige auf die Frage nach dem Kölner Minimalismus mit einer Gegenfrage.

Damit hatte der Manager die Journalisten auf dem falschen Fuß erwischt. Bahnt sich da etwa eine neue Kooperation oder Fan-Freundschaft an? Nichts dergleichen ist der Fall. "Es gibt eine zweite Mannschaft im bezahlten Fußball, in Italien, die heißt Livorno", referierte Meier genüsslich: "Livorno hat die selbe Punktzahl und die gleiche Anzahl geschossener Tore wie wir. Gucken Sie mal nach."

FC punktet gegen die direkten Konkurrenten

Okay, machen wir. Livorno hat also 3:1 gegen Sampdoria Genua gewonnen und bleibt mit dem FC im Takt. Allerdings stehen die Italiener nur auf Platz 15. Ende der Parallelen. Die Kölner haben sich mit einer kleiner Serie von vier Spielen ohne Niederlage und Gegentreffer in der Tabelle etwas nach oben geklettert, allerdings noch keinen nennenswerten Vorsprung auf die Abstiegsregionen erarbeitet, da auch Bochum und Stuttgart einen "Dreier" landeten.

Aber die Tendenz des 1. FC Köln zeigt nach oben. In den vier direkten Vergleichen mit den härtesten Konkurrenten Hertha, Nürnberg, Bochum und Stuttgart haben die "Geißböcke" zehn von zwölf möglichen Punkten geholt und dabei nur gegen den "Club" Heimrecht genossen. Gegen die vielzitierten Gegner auf Augenhöhe hat der FC passabel gepunktet.

Rückendeckung für den Trainer"

Das macht für die Rückrunde optimistisch. Allerdings könnten angesichts des erneut schweren Auftaktprogramms dann wieder Geduld und Nervenstärke gefragt sein. Mit der Arbeit des Trainers sei man im Übrigen zufrieden, ließ FC-Präsident Wolfgang Overath im Kölner "Express" verlauten.

"Eine Diskussion um den Trainer war für mich nie ein Thema", sagt Overath: "Zvonimir ist ein anständiger Kerl, der viel vom Fußball versteht. Woran er noch arbeiten muss, ist: Da muss mehr Leben rein in so eine Mannschaft! Dabei muss man ihm helfen. Da muss er aber auch mitarbeiten. Alles andere an ihm war so stark, dass seine Zukunft nie ein Thema war."

So feiert der 1. FC Köln in seinem zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg relativ entspannt Weihnachten. Der Verein steht auf Platz 12, die Abwehr hält dicht und selbst Sorgenkind Milivoje Novakovic trifft wieder. Jetzt fehlen nur noch Tore von Lukas Podolski. Die hat er sich hoffentlich für 2010 aufgehoben...

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski