Wolfsburg - Auch wenn die Meisterfrage nach wie vor tabu ist beim resoluten Tabellenführer Borussia Dortmund, einer ihrer Stars im tollkühn-modernen Modell-Fußball der "Schwarz-Gelben", der Türke Nuri Sahin, kokettierte nach dem souveränen 3:0-Sieg beim VfL Wolfsburg frech: "Das war auswärts unser zehnter Sieg, das ist Weltklasse."

"Schwarz und Gelb, olé", hallte es schon eine halbe Stunde vor Spielbeginn von Weitem aus der VW-Arena am Wolfsburger Mittelland-Kanal. Würde sich die Überlegenheit des Auswärtsteams aus Westfalen auch auf dem Platz ausdrücken? Ja!

Gedanken- und handlungsschneller

Zwar verfehlte Wolfsburgs Regisseur Diego in einer lebhaften Partie bereits in der ersten Spielminute das Tor knapp mit einem Freistoß. Doch der BVB machte eine Minute später deutlich, wie es geht. Schnelle Raumöffnung über die rechte Flanke, Mario Götze auf Stoßstürmer Lucas Barrios, zack, 1:0 für die Dortmunder.

Die Hausherren arbeiteten zunächst fleißig mit Diego als Fixpunkt dagegen, doch Dortmund brillierte einmal mehr mit knallhart effektivem Konzeptfußball. Der Tabellenführer dominierte die Räume. Der VfL war individuell zwar relativ auf Augenhöhe, aber der BVB - wie gegen fast jeden Gegner in dieser Serie - immer einen Tick gedanken- und handlungsschneller.

In Minute zehn zeigte Jakub Blaszczykowski in einer vermeintlich banalen Aktion, warum schon so früh in der Saison die Meisterschaft entschieden scheint. Zwei Mal ging er in eigener Hälfte bei Ballbesitz Wolfsburg einem Ball nach, eroberte ihn und beförderte das Spielgerät blitzschnell in die andere Hälfte. Das 2:0 dann fast eine Doublette des Führungtreffers. Wieder öffnete ein Dortmunder, diesmal Innenverteidiger Mats Hummels, mit einem langen Pass den Raum. Götze hatte mehrere Meter Platz auf rechts, abermals lauerte Barrios im Strafraum. VfL-Verteidiger Alexander Madlung konnte zwar klären, der Ball sprang aber direkt vor die Füße von Sahin, der Mittelfeldstratege finalisierte (40.).

"Hochkonzentriert und zielstrebig"

Die Elf von Jürgen Klopp konnte in Hälfte zwei clever verwalten - und tat dies. Trocken spulte der Spitzenreiter sein attraktives Tempo-Konzept auf Champions-League-Niveau herunter. "Wir sind in allen Mannschaftsteilen hochkonzentriert und zielstrebig gewesen", lobte Klopp, "haben in keiner Phase des Spiels nachgelassen". Was banal klingt, zeigt die momentane Resolutheit und Klasse des BVB. Klopp: "Wir waren der verdiente Sieger und fahren dementsprechend zufrieden nach Hause." Innenverteidiger Mats Hummels sorgte noch per Abstauber für den 3:0-Endstand (71.).

Die Ego-befreite Kampfzone der Klopp-Jungs zeigt sich auch darin, dass der schmerzhafte Ausfall des so wichtigen Japaners Shinji Kagawa (Mittelfußbruch) nicht weiter aufgefallen war. "Wir haben zu viele Fehler im Aufbauspiel gemacht", relativierte Wolfsburgs Marcel Schäfer zwar nach der Pleite seines VfL, musste aber neidlos anerkennen: "Dortmund ist die beste Mannschaft der Liga." Die Niedersachsen kassierten nach sieben Spielen ohne Niederlage, davon allerdings sechs Remis, mal wieder eine. Wolfsburg lahmt, in der Tabelle sieht es kritisch aus. Während VfL-Coach Steve McClaren auf der Pressekonferenz auch auf die zahlreichen Verletzten verwies, gab sich Nationalverteidiger Arne Friedrich kämpferisch: "Wir müssen den Karren wieder aus dem Dreck ziehen."

"Uns haben nicht Leverkusen und Bayern zu interessieren"

Dortmund muss hingegen nur noch sich selber fürchten. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke insistierte zweideutig: "Uns haben nicht Leverkusen und Bayern zu interessieren." Man könnte die Aussage des reservierten Medienprofis auch wie folgt deuten: Wenn wir so weiterspielen, werden wir Meister.

Die Euphorie beim BVB ist allemal groß, es wartet das Derby gegen den Lokalrivalen Schalke 04. "Ganz Dortmund freut sich darauf", sprach Sahin auch für sein Kollektiv, das beharrlich auf dem Platz an der Sonne residiert. Noch Stunden später hallten durch sämtliche Anschlussbahnhöfe Niedersachsens die Fan-Gesänge der "Schwarz-Gelben".

Aus Wolfsburg berichtet Martin Sonnleitner