Kaiserslautern - Die Angst vor Carsten Jancker ist der Hoffnung auf den Rekord von Bomber Gerd Müller gewichen: Als Miroslav Klose vor zehn Jahren seinen Dienst in der Nationalmannschaft aufgenommen hat, musste sich der Angreifer noch vor den gefürchteten Bodychecks seines Sturmpartners Jancker in Acht nehmen.

Nach seinen beiden Treffern beim 4:0 (3:0) in der EM-Qualifikation gegen Kasachstan hat der mittlerweile 32-Jährige den Torrekord von Gerd Müller (68 Treffer) als neues Ziel ausgegeben.

"Ich habe schon mit Gerd gesprochen..."

"Ich bin jetzt so weit gekommen, jetzt will ich natürlich ganz nach vorne. Das ist doch normal", erklärte Klose, den nach seinen Treffern Nummer 60 und 61 (3. und 88.) nur noch sieben Tore von Müller trennen.

"Ich habe schon mit Gerd gesprochen. Er ist nicht böse, wenn ich ihn überhole. Er würde sich sogar für mich freuen. Er ist und bleibt der 'Bomber', der unerreichbar ist und das immer bleiben wird", sagte der frühere Torjäger des 1. FC Kaiserslautern, der bei seiner Rückkehr auf den heimischen Betzenberg in Erinnerungen an seine Zeit im deutschen Trikot schwelgte.

"Die zehn Jahre waren wunderschön. Es waren viele tolle Momente dabei. Ich denke dabei vor allem an meine Mitspieler", sagte Klose, der den ein oder anderen Treffer mit schmerzhaften Erinnerungen verbindet: "Bei einigen Toren, die ich geschossen habe und bei denen ich mit Carsten Jancker im Sturm gespielt habe, musste ich mich immer gleich umdrehen, um zu schauen, von welcher Seite er kommt. Das war oft schwieriger, als das Tor zu machen."

Viel Lob von Löw und den Mitspielern

Seit seinen Anfängen im Nationalteam hat sich der gebürtige Pole verändert. Aus dem schüchternen Jung-Profi aus der Pfalz ist ein Führungsspieler geworden. "Er hat viele, viele Tore erzielt. Er genießt mit seiner Persönlichkeit einen hohen Stellenwert in der Mannschaft. Und was er bei den großen Turnieren auf dem Platz gezeigt hat, spricht für ihn", sagte Bundestrainer Joachim Löw über seinen Schützling, der in seinen letzten sechs Länderspielen jeweils mindestens einmal erfolgreich war. Letztmals war dies in der DFB-Auswahl Klaus Fischer vor 30 Jahren gelungen.

Auch Kloses Teamkollegen sind voll des Lobes über den Stürmer von Bayern München, der beim Rekordmeister derzeit nicht über die Reservistenrolle hinauskommt. "Er trifft wie am Fließband und ist so natürlich sehr wertvoll für uns. Wir sind es in der Nationalmannschaft aber ja nicht anders von ihm gewohnt", erklärte Kapitän Philipp Lahm. Auch Torwart Manuel Neuer kann sich die deutsche Auswahl ohne Klose gar nicht vorstellen: "Er passt einfach zur Nationalmannschaft und zu unserem Spiel."

Wie lange er noch für Deutschland stürmen wird, weiß Klose selbst nicht so genau. "Ich bin froh, dass ich ab und zu noch mithalten kann", sagte er mit Blick auf seine meist wesentlich jüngeren Teamkollegen. Obwohl Klose mit 107 Länderspielen nur noch einen Einsatz hinter Jürgen Klinsmann liegt, scheint Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus (150 Spiele) unerreichbar: "Ich werde im Sommer 33 Jahre alt. Ich hoffe, dass mich die Beine noch ein bisschen tragen. Aber um die 150 zu knacken, da müsste ich noch lange gesund bleiben."