Washington - Miroslav Klose nahm die Kollegen im Fairmont Hotel in Washington freudig in Empfang. Lange ist es her, dass der 34-Jährige zum Kreis der Nationalmannschaft gehörte. Vor über sieben Monaten absolvierte er beim 4:4 gegen Schweden sein letztes Länderspiel - und gleich bei seiner Rückkehr kann Klose Historisches leisten.

Nur noch ein Tor fehlt dem Italien-Legionär von Lazio Rom, um die legendäre Bestmarke des großen Gerd Müller zu knacken. Am Sonntag (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) beim Länderspiel gegen die USA im JFK-Stadium könnte er den bisherigen Rekord von 68 Treffern für die DFB-Auswahl einstellen oder gar übertreffen - und damit der neue "Bomber der Nation" werden.

Müller: "Das hat er verdient"



Für Müller stellt dies kein Problem dar - im Gegenteil. "Das ist doch schon länger nur noch eine Frage der Zeit, bis er meinen Rekord bricht. Ich freue mich sehr für ihn", sagte der 67-Jährige im Vorfeld der USA-Reise dem SID und fügte gewohnt bescheiden an: "Miro ist ein großartiger Stürmer und ein toller Bursche, den ich in seiner Zeit beim FC Bayern kennengelernt habe. Das hat er verdient."

Es ist ein Kompliment, das Klose gefallen wird, gilt er doch als ganz großer Bewunderer des früheren Mittelstürmers von Bayern München. Deshalb ist es dem kopfballstarken Angreifer bisher immer ein bisschen peinlich gewesen, überhaupt auf eine Stufe mit Müller gestellt zu werden.

"Das ist ein absoluter Witz, mich mit ihm zu vergleichen", hatte Klose in der Vergangenheit immer wieder fast demütig erklärt. "Ihn darf man mit niemandem vergleichen. Was er geleistet hat, die Anzahl der Spiele und der Tore, ist einmalig. Das habe ich ihm auch schon persönlich gesagt."

WM 2014 als großes Ziel



Doch verschließen kann sich Miroslav Klose der Diskussion natürlich nicht. Er, der neue "Bomber der Nation"? "Vielleicht irgendwann, wenn ich mal meine Schuhe an den Nagel hänge, würde es mich stolz machen. Aber mein Weg ist noch lange nicht zu Ende", sagte er zuletzt. Die WM 2014 in Brasilien ist sein großes Ziel.

67 Tore hat Klose seit seinem Debüt am 24. März 2001, als er gegen Albanien das 2:1-Siegtor schoss, in 126 Länderspielen erzielt. Müller war in 62 Spielen auf jene 68 Treffer gekommen, sein letztes Tor für die Nationalmannschaft erzielte er am 7. Juli 1974 zum 2:1-Endstand im WM-Finale gegen die Niederlande.

Danach beendete der Bayern-Profi, zu Beginn von seinem Coach Tschik Cajkovski wenig charmant als "kleines dickes Müller" bezeichnet, bereits im Alter von 28 Jahren seine großartige DFB-Karriere. Was blieb, war eine unglaubliche Torbilanz, ein Rekord, der nun schon 39 Jahre Bestand hat. Vielleicht nur noch bis Sonntag.

Erstes Länderspiel seit Oktober



Für Klose wird das Duell gegen die USA mit Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann das erste Länderspiel seit dem 16. Oktober 2012 sein. Seitdem fehlte der Routinier wegen zahlreicher Blessuren, beim ersten Spiel der USA-Reise gegen Ecuador am Mittwoch in Boca Raton (4:2) kam das italienische Pokalfinale dazwischen.

Das gewann er mit Lazio 1:0 gegen AS Rom, weshalb er "sehr glücklich ist", wie Bundestrainer Joachim Löw nach einem Telefonat mit seinem Stürmer zu berichten wusste. Klose reiste am Donnerstag nach Washington und traf deshalb in der US-Hauptstadt einen Tag früher als der Rest des DFB-Teams ein, das am Freitag von Miami aus eingeflogen war. Am Abend (Ortszeit) trainierte Klose auf dem Gelände der American University dann erstmals mit der Mannschaft.

Zeichen stehen nicht auf Abschied



Und Klose kam nicht nur glücklich in den USA und bei der Mannschaft an, sondern nach seinem ersten Titel in Italien auch mit großem Selbstbewusstsein und der nötigen Sicherheit über seine sportliche Zukunft. "Natürlich bleibe ich, wir müssen alle zusammen weitermachen", hatte der bald 35-Jährige nach dem Prestige-Erfolg gegen den Lokalrivalen erklärt. Zuletzt hatte es immer wieder Spekulationen über einen möglichen Abschied von Klose gegeben, der bei den Römern noch bis 2014 unter Vertrag steht.

Noch stehen die Zeichen bei Klose, der bei drei Weltmeisterschaften 15 Tore erzielt hat, auch in der Nationalmannschaft nicht auf Abschied. Solange ihn seine "alten Knochen" tragen, sagt er, "stelle ich mich dem Konkurrenzkampf". Noch ist er im Angriff die Nummer eins vor Mario Gomez oder auch Debütant Max Kruse. Bald ist er wohl auch die Nummer eins in der "ewigen" Torjägerliste des Deutschen Fußball-Bundes - vor dem großen Gerd Müller.