Gdansk - Miroslav Klose durfte sich ausruhen und pflegen lassen. Mario Gomez dagegen musste bei strömendem Regen mit den Reservisten trainieren. Er sah anschließend aus wie ein begossener Pudel, doch das lag nicht nur an den Witterungsverhältnissen: Vielmehr hatte der Münchner Torjäger nach seiner glänzenden Vorrunde nicht mehr mit einer solchen Zusatzschicht gerechnet.

Nach seinen drei Treffern gegen Portugal (1:0) und die Niederlande (2:1) durfte sich Gomez (26) eigentlich sicher sein, dass er seinen langjährigen Rivalen Klose bei der EM aus der Startelf gedrängt hat. Doch Bundestrainer Joachim Löw hatte gegen Griechenland mal wieder einige Überraschungen parat. Eine davon: Anstelle des Anwärters auf die EM-Torjägerkrone spielte wieder Routinier Klose von Beginn an - und das ausgezeichnet.

"Lasst uns abwarten, wer dann spielt"



Mario Gomez ließ sich seinen Frust äußerlich nicht anmerken und machte sich vor dem Halbfinale gegen Italien am Donnerstag Mut. "Lasst uns abwarten, wer dann spielt", sagte er. Und ehe der vorübergehend außer Dienst gestellte Torjäger den freien Sonntag mit seiner Lebensgefährtin Silvia genoss, fügte er augenzwinkernd an: "Ich hoffe natürlich, dass ich spiele. Und ich glaube, die Chancen dafür stehen nicht so schlecht."

Doch darauf deutet eigentlich nichts hin, außer vielleicht die Unberechenbarkeit des Bundestrainers. Italien-Legionär Klose überzeugte gegen die Griechen, und das nicht nur wegen seines Treffers zum 3:1, bei dem es selbst Gomez nicht mehr auf der Bank gehalten hatte; für Klose war es der 64. Länderspieltreffer.

Wenige Stunden zuvor hatte Gomez die bittere Pille schlucken müssen. "Ich musste das akzeptieren, ich war darüber natürlich nicht erfreut", berichtete er mit einem gequälten Lächeln. Gegen die Griechen durfte er dann gerade mal 13 Minuten mitwirken. "Der Trainer hat mir erklärt, warum er einige Änderungen vornimmt, aber das bleibt unter uns", erzählte der Münchner weiter.

Gomez verhält sich fair



Gomez war sichtlich bemüht, seine riesige Enttäuschung einigermaßen zu verbergen. "Es ist eine schöne Situation für Joachim Löw. Er kann eigentlich bringen, wen er will. Es funktioniert", sagte er - sein persönlicher Höhenflug dagegen ist nach nur zwei Wochen möglicherweise schon wieder beendet.

Denn Klose, der in der ewigen Torjägerliste des DFB nur noch vier Treffer hinter Gerd Müller (68) liegt, gefiel in seinem 120. Länderspiel auch als Vorbereiter und spielstarker Mittelstürmer, der vor allem von Mesut Özil gesucht wurde.

Löw hat die Qual der Wahl



Als die Klose-Show nach 80 Minuten beendet war, erhob sich nicht nur Kanzlerin Angela Merkel von ihrem Platz. Die deutschen Fans feierten den Torjäger mit "Miro, Miro"-Sprechchören, und auch von den Zuschauern aus seinem Geburtsland gab es Applaus. Entsprechend gefragt war der in Oppeln geborene Goalgetter, der sich in der Vorrunde mit drei Kurzeinsätzen hatte begnügen müssen, auch bei den polnischen Journalisten.

"Es war schön, wieder von Beginn an zu spielen", sagte Klose. "Natürlich weiß ich, dass das für Mario nicht einfach ist. Aber wir wollen beide den Erfolg der Mannschaft - und der Trainer hat nun mal die Qual der Wahl."