Dortmund - Entschlossen stellt sich Jürgen Klopp am Mittwochnachmittag den Fragen der Journalisten im gefüllten Presseraum des Signal Iduna Parks. Wieder muss sich der Trainer von Borussia Dortmund vor dem Mikrofon erklären, wieder sucht der 47-Jährige nach Ursachen und Antworten für die jüngsten Ereignisse.

Der BVB ist und ist auf der Suche nach alter Stärke und Punkten. Punkten im Kampf gegen den Abstieg. Gänzlich in Trauerstimmung will Klopp deshalb aber nicht verfallen. "So voll war es schon lange nicht mehr. Gibt es irgendein Gerücht, von dem ich nichts weiß“, scherzt Klopp zum Auftakt.

Abstiegskampf angenommen

Am kommenden Freitag erwartet der BVB den Tabellensiebten, die TSG 1899 Hoffenheim. Die Mannschaft von Markus Gisdol will den Anschluss an die Europapokal-Plätze halten. Regionen, von denen die Borussia momentan weit entfernt ist.

Die Situation hat in Dortmund mittlerweile jeder realisiert. Es geht darum, den Schalter umzulegen. Mit acht Niederlagen haben die Dortmunder in dieser Saison so oft wie kein anderer Club verloren. "Es ist völlig normal, dass wenn ein Ergebnis nicht passt und das Spiel nicht zu 100 Prozent funktioniert, der Eindruck entstehen könnte, wir hätten das mit dem Abstiegskampf noch nicht verinnerlicht. Dem kann ich leider nicht zustimmen. Es ist bereits etwas länger der Fall, dass wir das für uns verstanden haben", stellt Klopp klar.

Klopp als Stehaufmännchen

Enttäuschend und frustrierend ist die aktuelle Situation beim Tabellenschlusslicht. Das Team hängt sich rein, konnte zuletzt allerdings nichts Zählbares mitnehmen. Die katastrophale Chancenauswertung, fatale Defensivfehler und miserable Passquoten lassen in Dortmund den erfolgreichen Fußball aus der Vergangenheit vermissen.

Klopp macht seine mit Abstand schwierigste Phase beim BVB durch und doch beweist er immer wieder eine Art Stehaufmännchen-Mentalität: "In der Krise hilft ausschließlich Arbeit und maximale Konzentration darauf, den Weg, wenn man davon überzeugt ist - und das bin ich -, weiterzugehen." So kennen und lieben die Fans Klopp: Ein schwarz-gelbes Stehaufmännchen. Ein Trainer mit der Gier nach Erfolg

"Sind nicht auf einmal doof geworden"

Das Team steht jetzt in der Pflicht, die Leistung wieder auf dem Platz abzurufen und am Ende Punkte einzufahren. Zwar schmerzen die verletzungsbedingten Ausfälle wie beispielsweise das Fehlen von Marco Reus, doch genau aus diesem Grund müssen Spieler wie Henrikh Mkhitaryan oder Shinji Kagawa nun Verantwortung übernehmen, um die Dortmunder Offensive wieder aufblühen zu lassen. Mkhitaryan wirkte zuletzt verunsichert und wartet in dieser Saison noch auf seinen ersten Treffer. Und auch Kagawa läuft seiner Form hinterher.

An Chancen vor dem Tor hapert es nicht, die Verwertung ist das Problem: "Die Jungs haben weder das Toreschießen verlernt, noch verschiedene andere Dinge. In den Abläufen funktionieren sie aber nicht so, dass es dann tatsächlich auch mal zum Ergebnis führt", merkt Klopp an. Nur jeder 17. Schuss landet im gegnerischen Netz. Dennoch weiß der 47-Jährige: „Wir sind ganz sicher nicht von gestern auf heute  auf einmal ein bisschen doof geworden.“

Rückkehrer Hummels?

Erstmals hat der BVB in dieser Woche, die ohne Champions League oder Länderspiel auskommt, die Möglichkeit, sich ein wenig zu sammeln. "Das eine ist Training, das andere ist das Gespräch. Ein Trainer hat aber noch eine weitere Möglichkeit: In der Trainingswoche herauszufinden, wer dieser Situation standhalten kann und danach aufzustellen. Ich werde in den nächsten Tagen versuchen festzustellen, wer am robustesten wirkt. In der Situation ist das sicher wichtig", weiß Klopp. Hoffnung macht die mögliche Rückkehr von Abwehrchef Mats Hummels, der die Viererkette stabilisieren könnte.

Mit der TSG 1899 Hoffenheim kommt nun am Freitagabend (ab 20:00 Uhr im Liveticker) ein Gegner, der sich zuletzt mit dem 4:3-Erfolg gegen Hannover 96 zurückmeldete. Wie auch beim starken Auftritt gegen Borussia Mönchengladbach, könnte dem BVB eine offensiv agierende Mannschaft möglicherweise besser liegen: "Das Gute ist, dass Hoffenheim eine fußballspielende Mannschaft ist, wodurch es viele Zweikämpfe geben wird, in denen man um den Ball kämpfen kann. Das tut uns bestimmt gut", glaubt Klopp. Dem BVB bleibt also nicht viel außer: Mund abputzen, weitermachen.

Aus Dortmund berichtet Patrick Eckholt