Neapel - Der Regen fiel unaufhörlich vom italienischen Nachthimmel. Zeljko Buvac schien das aber nicht weiter zu stören. Borussia Dortmunds Co-Trainer stand im schwarzen T-Shirt gut eine Stunde in der Coaching-Zone vor der BVB-Bank und versuchte, die Schwarz-Gelben mit Anweisungen doch noch zum Teilerfolg zu führen.

Sein "Chef" Jürgen Klopp hatte es sich währenddessen im Stadion San Paolo im Büro des Hausmeisters bequem gemacht. Klopp wurde vom Portugiesen Pedro Proenca nach dem frühen Rückstand (30.) für sein aufbrausendes Verhalten gegen den Vierten Offiziellen auf die Tribüne verwiesen, wo es der Trainer aber auch nicht lange aushielt.

Klopp nimmt die Niederlage auf seine Kappe



"Da oben saßen einfach zu viele Neapel-Fans, die sich gefreut haben, dass es mir gerade nicht so gut geht", erklärte Klopp nach dem Spiel. Sein Fehlverhalten sah er ein und nahm die 1:2-Niederlage gegen den heimischen SSC auf seine Kappe.

"Ich habe mich direkt nach dem Spiel beim Vierten Offiziellen, beim Schiedsrichter und bei meiner Mannschaft entschuldigt. Meine Emotionalität hat viele positive Effekte, manchmal negative. Das fühlt sich nicht gut an. An guten Tagen, wenn der Trainer seine Nerven im Griff hat, können wir was mitnehmen", so Klopp.

Auch für den Platzverweis für Roman Weidenfeller, der kurz vor dem Pausenpfiff nach einem Handspiel außerhalb des Strafraums den Roten Karton sah, übernahm Klopp die Verantwortung. "Das ist mein Ding. Wenn wir Ruhe im Spiel haben, passiert das nicht."

Angriffsmaschine kam nicht ins Rollen



So verlief eine Partie, die bei gleicher Personalstärke wohl keinen Sieger verdient gehabt hätte, zu Ungunsten der Borussia. "Wenn wir mit elf Mann weitergespielt hätten, hätten wir sicherlich den Ausgleich erzielt und vielleicht sogar gewonnen. Aber so ist der Fußball", meinte Pierre-Emerick Aubameyang im bundesliga.de-Interview.

Aubameyang saß zu Beginn des Spiels nur auf der Bank, hatte nach seiner Einwechslung aber mit einem Lattentreffer die beste Chance der Dortmunder im gesamten Spiel. Insgesamt stotterte die Angriffsmaschine, die Tage zuvor beim 6:2 gegen den Hamburger SV noch brilliert hatte, doch gehörig.

"Wir haben in der vergangenen Saison einen hervorragenden und erfolgreichen Fußball gespielt. Da ist es natürlich klar, dass manche Gegner gegen uns besonders motiviert sind", versuchte Jakub Blaszczykowski gegenüber bundesliga.de einen Erklärungsansatz.

Sahin: "Es ist noch nicht viel passiert"



Nach dem Auftakt in die neue Champions-League-Saison steht der Deutsche Vizemeister nun gleich unter Zugzwang, da der FC Arsenal 2:1 in Marseille gewonnen hat. Nuri Sahin sieht die Ausgangslage jedoch entspannt. "Es ist noch nicht viel passiert. Aber ein Punkt wäre dennoch schön gewesen. Das Gute ist, dass wir noch fünf Spiele haben", sagte der Mittelfeldstratege zu bundesliga.de.

Dass der BVB nach der erfolgreichen Vorsaison neben Titelträger FC Bayern das gejagte Team sein könnte, hört Sahin nicht gern: "Wir sind nicht die Gejagten. Wenn wir uns so fühlen würden, wäre das der Anfang vom Ende. Wir fühlen uns weiterhin als Herausforderer, wollen aber in jedem Spiel auftreten wie ein Favorit. Das ist unsere Mentalität."

Bleibt für die Dortmunder zu hoffen, dass sich die Personalsituation - vor allem im defensiven Mittelfeld mit den Verletzten Ilkay Gündogan und Sebastian Kehl - nicht weiter verschlimmert. Auch wenn Blaszczykowski das nicht als Entschuldigung gelten lassen will.

Klopp gegen Nürnberg wieder im Einsatz



"Das ist auch immer die Chance für andere Spieler, sich zu beweisen und Einsatz zu zeigen. Und das ist wichtig für das Selbstbewusstsein aller, dass wir auch in diesen Phasen, mit vielen englischen Wochen, zu jeder Zeit eine schlagkräftige Mannschaft haben, egal wie viele Spieler gerade ausfallen", meinte der polnische Nationalmannschaftskapitän.

Am Samstag in Nürnberg werden auf jeden Fall wieder einige Stars fehlen. Jürgen Klopp muss sich aber keine Gedanken über seinen Einsatz machen. Die Verbannung auf die Tribüne in einem UEFA-Wettbewerb hat für die Bundesliga keinerlei Auswirkungen. Zeljko Buvac würde seinen Platz bei möglichen Regenfällen dann wieder unter der trockenen Trainerbank haben.

Aus Neapel berichtet Michael Reis