Wenn der FC Bayern München heute (20.30 Uhr/live im ZDF) im Spiel um den Franz-Beckenbauer-Cup auf Inter Mailand und dessen exzentrischen Coach Jose Mourinho trifft, freut sich vor allem Jürgen Klinsmann auf ein ganz besonderes Spiel.

Für den Neu-Coach der Bayern bedeutet es die Heimpremiere und ein Wiedersehen mit seiner glorreichen Vergangenheit. Und zugleich stellt es für den FCB den Höhepunkt der Vorbereitung und den letzten Härtetest vor dem Saison-Auftakt dar.

Einer von ihnen

"Es gibt in Italien ein Sprichwort: Einmal Interista, immer Interista. Inter Mailand hat einen Platz in meinem Herzen", sagte der 44-Jährige, der von 1989 bis 1992 auf seiner ersten Auslandsstation das Inter-Trikot trug. Noch heute sei er für die Inter-Fans "einer von ihnen, und du wirst ein Leben lang einer von ihnen bleiben. Das ist schon phänomenal".

Doch unabhängig von der persönlichen Komponente hat die Partie gegen den italienischen Meister auch sportlich für Klinsmann und seinen FC Bayern "eine sehr große Bedeutung".

Letzter Härtetest

Fünf Tage vor dem DFB-Pokal-Spiel beim Drittligisten Rot-Weiß Erfurt am Sonntag und anderthalb Wochen vor dem Bundesliga-Start gegen den Hamburger SV am 15. August können die international ambitionierten Münchner zeigen, ob sie gegen ein europäisches Topteam bestehen können.

Zumal Inter unter dem neuen Coach Jose Mourinho ebenfalls hohe Ziele verfolgt. Wie die Bayern wollen auch die "Nerazzurri" am 27. Mai 2009 im Finale der Champions League stehen. Bisher ist dies den Mailändern noch nicht gelungen, auch deshalb wurde Mourinho verpflichtet. "Das ist eine große Herausforderung", sagte der Portugiese, um gewohnt großspurig anzufügen: "Ich habe große Ideen und weiß, dass ich ein guter Trainer bin."

Mourinho erwartet schweres Spiel

Vor dem Duell mit den Bayern ist Mourinho aber etwas kleinlauter. Zum einen sei man noch in einer Phase, "in der ich die Spieler und sie mich kennenlernen". Die Münchner, "eine der besten Mannschaften der Welt", seien in der Vorbereitung "schon weiter als wir, die Serie A startet ja erst Ende August".

Und vor allem würden in Walter Samuel, Ivan Cordoba, Marco Materazzi, Nelson Rivas, Christian Chivu und vor allem Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic einige wichtige Spieler ausfallen. Deshalb erwartet der frühere Coach von Porto und Chelsea "ein schwieriges Spiel. Aber ich habe es lieber jetzt schwieriger, dann wird es später einfacher".

Offensiv, aggressiv, dominierend

Trotz der Probleme bei seinem Ex-Club erwartet Klinsmann bei seinem ersten Auftritt in der Münchner Allianz Arena einen echten "Knaller". Inter sei ein Verein "mit großer Ausstrahlung, einer der Topclubs in der Welt, der jetzt auch noch einen faszinierenden Trainer mit viel Charisma hat." Mourinho habe "einem eigenen Kopf und eigene Vorstellungen".

Eigene Vorstellungen hat auch Klinsmann. Offensiv, aggressiv und dominierend soll die Spielweise der "neuen" Bayern künftig sein. Beim 4:2 im Test bei den Urawa Red Diamonds hat dies phasenweise schon gut geklappt. Jetzt erhofft sich der Coach gegen Inter den nächsten Schritt.

Personalsorgen beim FCB

Große Personalauswahl hat Klinsmann allerdings nicht. Vor allem die Ausfälle von Luca Toni (Wadenprobleme), Tim Borowski (Innenbanddehnung im Knie) und Franck Ribery, der sich nach seiner Syndesmoseband-Operation im Aufbautraining befindet und frühestens Ende August wieder einsatzfähig ist, wiegen schwer.

Toni und Borowski werden auch im DFB-Pokal nicht dabei sein. Zudem fehlen Ersatzkeeper Jörg Butt und die Olympia-Teilnehmer Jose Sosa und Breno.