Es wäre wohl zu viel verlangt, dass sich Hans-Jörg Butt bei Thierry Henry bedankt.

Dabei war es das üble Foul des Franzosen im Camp Nou am vergangenen Mittwoch, das im Endeffekt für das Bundesliga-Debüt des Torhüters im Trikot des FC Bayern gesorgt hat.

"So lasse ich Jörg nicht dastehen"

"Jörg war in Barcelona der einzige Spieler, der seinen Kopf wortwörtlich hingehalten hat und nach einem bitterbösen Foul von Thierry Henry und dann mit vier Dingern im Netz vom Platz schleichen musste. Da habe ich gesagt: So lasse ich Jörg nicht dastehen", begründete Jürgen Klinsmann seine Entscheidung.

Der Torhüter vertrat beim 4:0 gegen Eintracht Frankfurt - wie schon beim 0:4 in Barcelona - Michael Rensing. Was zunächst kurzfristig angedacht war, wird wohl eine Dauerlösung - zumindest bis zum Ende der Saison. Denn Klinsmann kündigte bereits an, dass es bei dieser Besetzung im Tor bleibt.

Butts Vorteil: Seine Erfahrung

Gerade in dieser Phase der Saison, in der es um das Erreichen der Saisonziele geht und diese aufgrund der letzten Ergebnisse gefährdet sind, zählt Klinsmann auf die Erfahrung des früheren Leverkuseners. "Im Moment ist es am besten, wenn Butt mit seiner Ruhe und Gelassenheit unsere Hintermannschaft führt", so Klinsmann.

Fast genau auf den Tag trennen Butt und Rensing zehn Jahre Lebensalter - und damit Erfahrung. In Butt sieht Trainer Klinsmann "einen der Leader" im Team des FC Bayern, der vor allem in der Kabine eine ganz wichtige Person ist, so der Bayern-Coach. Erinnerungen kommen hoch an Oliver Kahns Rolle bei der FIFA WM 2006 in Deutschland in der Ära Klinsmann.

Erinnerungen an Kahn

Der "Titan" saß als Ersatz von Jens Lehmann auf der Bank und wurde vom damaligen Bundestrainer ebenfalls als wichtige Figur innerhalb der Mannschaft gelobt. Butt soll seine Rolle nun auch auf dem Platz einnehmen. Richtig auszeichnen konnte sich der Ex-Nationalspieler bislang nicht. Gegen Barcelona ließ ihn die Abwehr im Stich, gegen Frankfurt gab es kaum etwas zu halten.

Dennoch war die Aufgabe gegen die Hessen nicht einfach für Butt. Die Bayern-Fans stellten sich hinter Eigengewächs Rensing, unterstützten den 24-Jährigen immer wieder mit lautstarken Sprechchören. Butt ließ sich davon nicht beeinflussen und absolvierte souverän seine Pflicht. Die wenigen Frankfurter Angriffe ließ er im Keim ersticken. Als Belohnung gab es dann auch schnell die berühmten "Buttbuttbutt"-Rufe.

Van Bommel lobt beide Torhüter

"Ich habe im Training immer Gas gegeben und auch versucht, der Mannschaft in anderen Bereichen zu helfen", sagt Butt selbst. Vertrauen erfährt er dabei nicht nur vom Trainer, sondern auch von den Mannschaftskollegen. Wobei Mark van Bommel in seiner Rolle als Kapitän beide Torhüter lobt. "Das sind beide hervorragende Torhüter. Der Trainer muss entscheiden, wer spielt”, so der Niederländer bei bundesliga.de.

Die Entscheidung steht und Hans-Jörg Butt trifft am Dienstag wieder auf den Mann, dem er seinen Aufstieg zur Nummer 1 vielleicht zu verdanken hat…

Fatih Demireli