In manchen Spielzeiten fallen im April bereits die ersten Entscheidungen. In dieser außergewöhnlich spannenden Saison nicht. Ende des Monats haben nach dem 29. Spieltag sogar noch fünf Teams realistische Meisterschaftschancen.

Nur drei Punkte trennen den Tabellen-Fünften (Hamburger SV) vom Platz an der Sonne, auf dem sich zur allgemeinen Überraschung der VfL Wolfsburg festgesetzt hat. Doch der Reihe nach.

Neue Zeitrechnung am 26. Spieltag

Die neue Zeitrechnung mit dem Tabellenführer VfL Wolfsburg beginnt am 26. Spieltag. Nach der 1:3-Niederlage von Hertha BSC gegen Borussia Dortmund steht fest, dass der Sieger des Topspiels Wolfsburg gegen Bayern die Spitze übernimmt. Wolfsburg hat die letzten sechs Bundesliga-Spiele gewonnen, der FC Bayern seine letzten vier Pflichtspiele.

Statt eines offenen Schlagabtauschs wird die Partie eine einseitige Kiste und später sogar zu einer Demütigung des Rekordmeisters. Mit 5:1 nehmen die "Wölfe" die "Klinsmänner" auseinander. Gentner trifft, Dzeko und Grafite gelingen "Doppelpacks". Beim letzten Tor tanzt Grafite in Weltklasse-Manier die ganze Bayern-Abwehr aus und vollstreckt per Hackentrick. Das schönste Tor der Saison.

Felix Magath krönt die Demontage seines früheren Arbeitsgebers, der ihn zweieinhalb Jahre zuvor trotz des Gewinns zweier Doubles entlassen hatte, mit der Einwechslung seines Reservetorhüters kurz vor Schluss. "Respektlos" findet Bayern-Kapitän Mark van Bommel diese Aktion. Magath ist es egal. Seine Truppe baut die Erfolgsserie auf später sogar zehn Siege am Stück aus.

Karl-Heinz Rummenigge: "Eine Schande"

Die Bayern erholen sich von der Schmach nicht. Im Gegenteil. Vier Tage später kommt es in Barcelona noch schlimmer. Im Viertelfinal-Hinspiel gehen die Münchner mit 0:4 unter. Alle Tore fallen vor der Halbzeit, die Bayern sind am Ende ergebnismäßig sogar noch gut bedient. "Ich wollte gegen Barcelona treten. Aber manchmal kommt man einfach nicht ran an den Mann, weil der Gegner viel besser und schneller ist. Da kann man machen, was man will", gesteht van Bommel die Hilflosigkeit ein, die Karl-Heinz Rummenigge eine "Schande" nennt.

Von nun an ist Jürgen Klinsmann nur noch ein Trainer auf Abruf. Seine Aktionen, wie die Installation von Jörg Butt als neue Nummer Eins, verpuffen. Bei der nächsten Niederlage würde es sehr schwer für ihn werden, deutet Uli Hoeneß an.

Drei Spiele übersteht Klinsmann noch unbeschadet, nach der kläglichen Vorstellung bei der 0:1-Heimniederlage gegen Schalke 04 ist seine Mission am 29. Spieltag gescheitert. Als Nachfolger präsentiert Hoeneß den erfahrenen Jupp Heynckes, der nun retten soll, was noch zu retten ist: zumindest die direkte Qualifikation zur Champions League.

Hoffenheim stürzt ab

Und was machen die anderen? Die Hertha verliert drei Spiele am Stück, fängt sich aber wieder. Der HSV wahrt seine Titelchancen, macht aber nicht den entscheidenden Schritt. Stuttgart holt mächtig auf. Von Hoffenheim redet kaum noch jemand. Der Herbstmeister ist seit dem 18. Spieltag sieglos.

Mike Büskens startet mit Schalke 04 die Aufholjagd, die trotz vier Siegen in Folge aussichtslos zu bleiben scheint. Auch Borussia Dortmund helfen fünf "Dreier" in Serie nicht wirklich weiter.

Fünf Kandidaten in der Abstiegslotterie

Im Abstiegskampf deutet alles auf eine Lotterie nach dem Motto "Drei aus Fünf" hin. Karlsruhe, Cottbus, Mönchengladbach, Bielefeld und Bochum sind in der Verlosung, drei wird es wohl erwischen.

Energie schöpft nach dem sensationellen 2:0-Heimerfolg gegen Wolfsburg fünf Runden vor Schluss Hoffnung. Auch der KSC kommt durch das vielleicht kurioseste Tor der Saison noch einmal ran. Beim Gastspiel in Leverkusen versucht Sebastian Langkamp am Mittelkreis, einen Ball zu klären und auf die Tribüne zu jagen. Dort kommt die Kugel aber nicht an. Stattdessen landet sie aus nachgemessenen 46,5 Meter Entfernung in hohem Bogen geschossen im Kasten von Rene Adler.

Vier Nordderbys in drei Wochen

Die Leverkusener scheren sich nicht mehr darum, sie hatten vier Tage vorher das Pokalfinale erreicht. Dort treffen sie auf Werder Bremen, das zu Beginn der Nordderby-Festwochen (mit vier Duellen in drei Wettbewerben innerhalb von 19 Tagen) in Hamburg per Elfmeterschießen siegt. Tim Wiese ist der Held des Abends.

In der 2. Bundesliga setzt sich der SC Freiburg ab, gefolgt von Mainz. Der Kampf um Platz 3 spitzt sich zu. Mal hat Nürnberg die Nase vorn, mal Fürth. Im Tabellenkeller legt Andreas Zachhuber mit Hansa Rostock, das bereits die Trainer Pagelsdorf und Eilts verschlissen hat, eine erstaunliche Erfolgsserie im Abstiegskampf hin. Hansas Klassenerhalt rückt näher.

Kuriosität des Monats

Ein irres Spiel mit acht Toren erleben die Zuschauer an der Stamford Bridge in London. Nach dem 3:1-Auswärtssieg des gastgebenden FC Chelsea gegen den FC Liverpool scheint die Begegnung nur noch die Erfüllung einer lästigen Pflicht zu werden. Doch es wird das beste Spiel der gesamten Champions League.

Nach einer halben Stunde liegt Liverpool nach Toren von Fabio Aurelio und Xabi 2:0 in Führung, dann schlägt Chelsea nach der Pause zurück. Drogba, Alex und Lampard schießen den Ballack-Verein 3:2 in Führung. Doch ein Doppelschlag von Lucas und Kuijt in der 82. Minute dreht das Spiel erneut. Wieder fehlt Liverpool nur ein Tor zur Sensation. Kurz vor Schluss erlöst Frank Lampard dann die Chelsea-Fans mit dem 4:4. Chelsea steht im Halbfinale und fordert dort den FC Barcelona heraus.

Tobias Gonscherowski

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