"Alles ist in Bewegung" ruft Jürgen Klinsmann immer wieder energisch über den Trainingsplatz des königlichen Sportgeländes in Dubai.

Stillstand ist dem Coach von Bayern München zuwider. Mit entsprechendem Elan und Tempo ist der 44-Jährige auch in seine erste Station als Vereinstrainer gestartet. Nach Anlaufschwierigkeiten ist Klinsmann beim deutschen Meister angekommen.

"Die Mannschaft hat begriffen"

"Am Anfang gab es noch viele Fragezeichen. Das hat alles Zeit gebraucht und hat sich alles erst finden müssen", erzählt der frühere Bundestrainer in Dubai. Nun sei alles zusammengewachsen: "Die intensive Arbeit hat sich ausgezahlt. Die Mannschaft hat begriffen, wie wir arbeiten."

Auch Manager Uli Hoeneß lehnt sich inzwischen entspannt zurück, wenn es um die Personalie Klinsmann geht. "Der Anpassungsprozess ist beendet", betonte er erst in dieser Woche: "Wenn man am Anfang in das neue Leistungszentrum gekommen ist, war das wie in einem Bienenschwarm. Jetzt ist das eine Oase der Ruhe und Zufriedenheit."

Bis zum Oktober dauerte die Eingewöhnungsphase, seitdem läuft es besser und besser. Spätestens der 1:0-Erfolg in Karlsruhe brachte die nötige Ruhe und schließlich die Wende. Seit nunmehr 16 Pflichtspielen sind die Bayern ungeschlagen und alle mit der Arbeit des Trainers zufrieden.

Lob an die Mannschaft

Klinsmann weiß aber, dass gerade beim Rekordmeister weiterhin viel von den Ergebnissen abhängen wird. Zumal Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erst kürzlich erklärt hatte, dass am Saisonende schon der eine oder andere Titel stehen sollte.

Entsprechend akribisch bereitete Klinsmann in den vergangenen Tagen im Emirat am persischen Golf sein Starensemble auf die am 27. Januar mit dem Pokal-Achtelfinale in Stuttgart beginnende Rückrunde vor.

"Wir haben die Grundlagen für eine hoffentlich erfolgreiche Rückrunde geschaffen. Die erste Trainingswoche ist bestens abgelaufen", zog der 44-Jährige ein zufriedenes Fazit. Die Mannschaft habe sehr gut mitgezogen, "auch in den Einheiten, in denen es weh getan hat".

Erste Tests

Zur Belohnung gab der Coach seinen Profis am Freitagnachmittag (9. Januar) noch einmal frei, bevor es am Samstag erstmals wieder ernst wird. In Abu Dhabi steht um 14 Uhr (MEZ/live im DSF) der erste Härtetest des Jahres gegen Al Jazeera an. Am Montag 18:15 Uhr (MEZ/live im DSF) steht zudem zum Abschluss des Trainingslagers eine Partie in Jeddah (Saudi Arabien) gegen Al Wheda auf dem Programm.

Klinsmann erhofft sich davon schon erste Erkenntnisse. Neugierig sei er vor allem, "wie sich Landon Donovan präsentiert". Der zunächst bis 15. März ausgeliehene US-Amerikaner soll gegen Al Jazeera von Beginn an spielen, um sich für eine Vertragsverlängerung beim FC Bayern empfehlen zu können.

Nicht zur Verfügung stehen derzeit Lukas Podolski, der wegen eines grippalen Infekts in München geblieben ist, und Toni Kroos, der nach einem Bänderriss im Sprunggelenk im Aufbautraining steht.

Lahm "der beste Linksverteidiger in Europa"

Ansonsten schürt Klinsmann den Konkurrenzkampf: "Es geht um die Plätze", sagte er und nannte das Beispiel Hamit Altintop, der in der Vorrunde noch verletzt ausgefallen war: "Er drückt aufs Gas und will unbedingt in die Mannschaft."

Konkurrent von Altintop auf der rechten Mittelfeldseite ist Bastian Schweinsteiger. Doch den lobte Klinsmann genauso wie Philipp Lahm in Dubai ausdrücklich. Schweinsteiger und Lahm "haben die nächsten Schritte in ihrer Karriere gemacht.

Sie übernehmen Verantwortung und sind in der Hierarchie gestiegen. Sie sollen noch mehr in die Leaderrolle hineinwachsen." Insbesondere Lahm sei weltklasse: "Er ist der beste Linksverteidiger in Europa."

Vom Titel überzeugt

Überhaupt sei der Kader im Moment "gut aufgestellt und wettbewerbsfähig", so ein optimistischer Klinsmann, der seinem Team in dieser Saison einiges zutraut.

In der Champions League brauche man sich vor keiner Mannschaft zu verstecken, hatte er schon zu Beginn des Trainingslagers erklärt.

Und auch in Bezug auf die Meisterschaft unterstrich Klinsmann einmal mehr das bajuwarische Selbstvertrauen: "Wenn wir konzentriert unseren Job machen, dann werden wir auch Meister."