Mailand - Kaum hatten Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm den Raum "Gran Canaria" im Hotel Melia Milano verlassen, da wurde es unter den einheimischen Medienvertretern hektisch. Hat Schweinsteiger das wirklich gesagt? Und warum haben die Kollegen aus Deutschland dann so gelacht?

Auslöser der regen Betriebsamkeit war eine falsche Übersetzung des Dolmetschers bei der Pressekonferenz vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League zwischen Inter Mailand und dem FC Bayern München (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker).

Van Gaal: "Inter ist der Favorit"

Ob ihm die Inter-Spieler Furcht einflößen würden, wie von deren Coach Leonardo kolportiert, wurde Schweinsteiger gefragt. Die Antwort hätte den "Nerazzurri" schmeicheln sollen. "Nein, vom Aussehen ist keiner furchteinflößend - da hat der AC Mailand schon mehr zu bieten", antwortete er als guter Gast. Übersetzt klang es jedoch so, als ob der Lokalrivale AC deutlich mehr Stars in seinem Kader aufweisen könne.

Trainer Louis van Gaal machte im Anschluss aber auch sehr deutlich, wie die Rollenverteilung im Giuseppe-Meazza-Stadion sein wird. "Inter ist der Favorit. Denn das ist der Titelverteidiger immer. Zudem spielen sie zuhause, das ist ein weiterer Vorteil", meinte der Niederländer.

Schließlich habe sich die Mannschaft im Vergleich zum letzten Aufeinandertreffen im vergangenen Champions-League-Finale auch nicht viel verändert. "Natürlich ist ein Diego Milito verletzt. Aber der Kader und das Spielsystem sind gleich geblieben", so van Gaal: "Nur der Trainer hat zwei Mal gewechselt. Das ist die Veränderung."

Schweinsteiger will positive Bilanz

Bei den Bayern hingegen gibt es sehr wohl eine gravierende Änderung. Franck Ribery, der im Mai 2010 in Madrid noch wegen einer Rotsperre fehlte, wird in Mailand gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Arjen Robben wirbeln.

"Mit diesen zwei Ausnahmekönnern sind wir natürlich stärker. Leider haben sie bislang noch nicht so oft zusammengespielt. Aber wir sind immer froh, wenn wir die beiden für diese harten Duelle in der 'Königsklasse' zur Verfügung haben", erklärte Kapitän Philipp Lahm.

Und wer dieses "harte Duell" gewinnt, daran ließ Schweinsteiger keinen Zweifel. "Ich habe hier bislang drei Mal gespielt. Einmal habe ich gewonnen, einmal verloren und einmal ging die Partie remis aus. Ich werde alles dafür tun, dass diese Bilanz mit dem Schlusspfiff positiv aussieht", sagte Schweinsteiger.

Kritik am defensiven Stil der Italiener

Wie die taktische Marschroute zu diesem Erfolg aussehen wird, dass wusste dann wiederum van Gaal: "Der FC Bayern spielt immer mit demselben System. Ich will immer attraktiven Fußball bieten, damit die Zuschauer zufrieden sind. Inter Mailand hat eine andere Wahl getroffen - die Defensive. Ich habe sie noch nie anders spielen sehen."

Das rief die italienischen Journalisten erneut auf den Plan. Doch dieses Mal gab es an der Aussage auch nach der Übersetzung nichts zu verbessern. Bleibt zu hoffen, dass Louis van Gaal und der FC Bayern das richtige Mittel dagegen finden.

Aus Mailand berichtet Michael Reis