Auf dem Weg aus der persönlichen Krise waren für Nationalstürmer Kevin Kuranyi die Ratschläge des größten Schalker Stürmer-Idols Gold wert.

"Ich habe lange mit Klaus Fischer geredet, und er konnte mir auch ein paar Tipps geben", sagte der 26 Jahre alte Nationalspieler nach seinem erlösenden Doppelpack beim 2:2 (1:0) gegen den VfL Wolfsburg.

Fischer fühlt mit

Kuranyi hatte zunächst nach 735 Minuten seine Torflaute beendet (20.) und dann in letzter Sekunde mit seinem zweiten Treffer auf Zuspiel des nach vorne geeilten Torwarts Manuel Neuer die erste Schalker Heimniederlage seit sieben Monaten verhindert. Fischers Empfehlungen hat er dabei immer beherzigt.

"Ich kenne das Gefühl, wenn du nicht triffst und die Fans die Tore erwarten", sagte Fischer, der Kuranyi mit auf dem Weg gegeben hatte: "Du darfst nie aufhören zu arbeiten. Das ist das Entscheidende." Der Schalker Rekord-Torjäger ist mit dieser Maxime immer gut gefahren. Zwischen 1970 und 1981 erzielte Fallrückzieher-Spezialist Fischer für die "Königsblauen" in 295 Liga-Spielen 182 Tore.

Harte Arbeit

Die Fischer-Quote von 0,62 Toren pro Spiel wird Kuranyi, der nach seiner 103. Ligapartie für Schalke 44 Treffer (0,43) auf dem Konto hat, wohl nicht mehr erreichen. Glücklich war er trotzdem. "Ich habe schwierige Wochen hinter mir. Das ist eine große Erleichterung für mich", sagte Kuranyi.

Wie von Fischer prophezeit, sei "alles durch harte Arbeit zurückgekommen", erläuterte Kuranyi. Und spätestens nach dem sehenswerten 1:0 war auch das Selbstvertrauen wieder da. "Ich habe mich einfach gut gefühlt, da nimmt man so einen Ball in der Nachspielzeit auch mal an", beschrieb er die Sekunden vor dem Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit.

Nicht wach genug

Torwart Neuer kam nach einer Ecke an den Ball, sein verunglückter Schuss ("Ich habe versucht, aufs Tor zu schießen") landete am Fünfmeterraum bei Kuranyi, der den Ball an Wolfsburgs Torwart Diego Benaglio vorbei ins Tor stocherte. Neuer gelang damit im 63. Bundesligaspiel bereits der vierte Assist, so weit vorne war der U21-Nationaltorwart aber noch nie aufgetaucht.

Dennoch: Nach einer vielversprechenden ersten Halbzeit war Schalke wieder in den gemächlichen Trott der vergangenen Wochen gefallen. Die Gäste-Treffer durch Edin Dzeko (51. ) und des Sekunden zuvor eingewechselten Brasilianers Caiuby (73.) waren die Folge. "Da waren wir nicht wach", sagte Trainer Fred Rutten.

Optimismus

Nach dem Platzverweis gegen Ricardo Costa, der in der 71. Minute wegen einer Notbremse gegen Heiko Westermann die Rote Karte gesehen hatte, verschoss Rafinha zunächst den fälligen Foulelfmeter. Danach rannten die Schalker gegen die Wolfsburger Abwehrmauer an. "So, wie der Ausgleich zustande gekommen ist, war er natürlich glücklich", gab auch Passgeber Neuer zu.

Trainer Rutten warb bei den Fans weiter um Geduld. Der Niederländer sprach von einem "Prozess", an deren Ende "anderer Fußball" gespielt werden solle. Er sei überzeugt, dass die Arbeit der Mannschaft in die richtige Richtung gehe. Auch Kuranyi blickt voller Optimismus in die Zukunft: "Wir habe in der Liga den Anschluss nach oben nicht verloren, haben im Pokal bei Carl Zeiss Jena gute Chancen - ich denke, wir stehen ganz gut da."