München - Sieben Mal war Klaus Augenthaler mit dem FC Bayern als Spieler Deutscher Meister, drei Mal Pokalsieger. 1990 wurde er mit Deutschland Weltmeister. Nach seiner aktiven Karriere trainierte er in der Bundesliga den 1. FC Nürnberg, Bayer 04 Leverkusen und den VfL Wolfsburg. Sein Wort hat Gewicht im deutschen Fußball. Im Interview mit bundesliga.de zieht der 56-Jährige seine Saisonbilanz.

bundesliga.de: Herr Augenthaler, wie bewerten Sie die abgelaufene Bundesliga-Saison?

Klaus Augenthaler: Die Entscheidung um die Meisterschaft war nicht gerade spannend. Es war zu sehen, dass der Dampf ein bisschen heraus ist, wenn eine Mannschaft so früh Meister wird. Der Höhepunkt war dann am Ende die Relegation mit den Spielen Hamburg gegen Fürth.

bundesliga.de: Was bleibt hängen? Die vielen Rekorde der Bayern oder das Drama um den HSV?

Augenthaler: Bei mir bleibt vor allem die sehr frühe Meisterschaft des FC Bayern hängen (Meisterseite 2014). Die Dortmunder hatten leider sehr viele Verletzte und dadurch eine Phase, in der sie geschwächelt haben. Als sie wieder komplett waren, hat es wieder anders ausgesehen. Hängen bleibt bei mir, dass der 1. FC Nürnberg abgestiegen ist und der VfB Stuttgart lange Zeit im Abstiegskampf steckte. Genauso der HSV, der sogar in die Relegation musste und den Klassenerhalt nicht verdient hat, obwohl ich es ihm gönne. Das waren meine Highlights.

bundesliga.de: Wie hat die Bundesliga Ihrer Meinung nach international abgeschnitten?

Augenthaler: Die Bayern haben in der Champions League das Halbfinale erreicht, das ist immer ein Erfolg. Auch Dortmund hat sich sehr gut gegen Real Madrid verkauft. Dahinter geht die Kluft allerdings auseinander. Leverkusen und Schalke sind chancenlos im Achtelfinale ausgeschieden.

bundesliga.de: Die Bayern haben mit Robert Lewandowski ihrem härtesten Konkurrenten den besten Spieler abgeluchst. Besteht jetzt die Gefahr, dass die Bayern auf lange Sicht die Bundesliga dominieren werden?

Augenthaler: Ich hoffe, dass die Dortmunder durch den Abgang von Lewandowski nicht zu sehr geschwächt sind und auch sonst der eine oder andere Verein da ist, der den Bayern Paroli bieten kann. Ich denke da an den VfL Wolfsburg, der seinen Kader aufrüstet (Dieter Hecking im Interview). Immer nur einen Zweikampf zweier Vereine zu erleben, ist für die Zuschauer auch nicht so das Highlight. Besser wären drei, vier Mannschaften, die um den Titel spielen. Das wäre auch für die Bayern gut und international von Bedeutung.

bundesliga.de: Wer war für Sie die Überraschungsmannschaft der Saison?

Augenthaler: Der SC Freiburg nach dem Aderlass, den der Verein verkraften musste, und dem zusätzlichen Wettbewerb Europa League. Sie haben dann in der Rückrunde eine hervorragende Serie hingelegt.

bundesliga.de: Welcher Spieler hat Sie am meisten überzeugt?

Augenthaler: Lange Zeit war das für mich Franck Ribery, der allerdings in den letzten vier, fünf Spielen geschwächelt hat. Trotzdem bleibe ich bei Ribery zusammen mit Lewandowski. Auch Arjen Robben hat eine sehr gute Saison gespielt.

bundesliga.de: Sie haben den VfL Wolfsburg bereits angesprochen. Sind die Niedersachsen so etwas wie ein schlafender Riese?

Augenthaler: Es kommt darauf an, wie viel Wolfsburg investiert. Man darf sie nicht außer Acht lassen.

bundesliga.de: In knapp vier Wochen beginnt für die deutsche Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft in Brasilien. Viele Spieler sind angeschlagen (Start mit Sorgen). Die Erwartungen sind etwas gedämpft. Wie optimistisch sind Sie?

Augenthaler: Ich hoffe, dass wir einigermaßen gut abschneiden. Aber nachdem man sich selbst zum Mitfavoriten gemacht hat, muss man jetzt ein bisschen vorsichtig sein. Die lange Saison war schon sehr belastend, auch wenn andere Länder die auch hatten. Aber man darf die klimatischen Verhältnisse in Brasilien nicht unterschätzen.

bundesliga.de: Reicht die Zeit, damit die angeschlagenen Spieler wieder fit werden?

Augenthaler: Ich kann nicht beurteilen, wie schwer die Verletzungen sind. Aber von der Zeit her müsste es reichen.

bundesliga.de: Wie wird die deutsche Elf in Brasilien abschneiden?

Augenthaler: Ich bin vorsichtig und hoffe auf den Einzug ins Halbfinale.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

Saisonrückblick aller Bundesliga-Clubs