Köln - 999 Siege feierte der FC Bayern München bislang in seiner bald 51-jährigen Bundesliga-Geschichte. Am Samstag könnte nun ein Jubiläum anstehen, wenn die Münchener ihr Heimspiel gegen den 1. FC Köln gewinnen und damit den 1.000. Erfolg perfekt machen. Im Interview mit bundesliga.de spricht Bayern-Legende Klaus Augenthaler, der sieben Deutsche Meisterschaften mit den Münchnern feiern konnte, über das mögliche Jubiläum, seine heißesten Schlachten im Bayern-Trikot und die Dominanz der aktuellen Mannschaft.

bundesliga.de: Herr Augenthaler, nach gerade neu aufgestelltem Startrekord könnte der FC Bayern nun auch am Samstag als erster Bundesliga-Club den 1.000. Sieg in der Bundesliga feiern. Was bedeutet Ihnen so ein Jubiläum?

Klaus Augenthaler: Es ist eine stolze Zahl. Aber es werden sicher keine großen Feierlichkeiten stattfinden. Man nimmt diese Marke aber sicher auch gerne mit.

bundesliga.de: Sie selbst haben mit den Bayern etliche Spiele und Titel gewonnen. Was schätzen Sie, an welcher Stelle der Tabelle der Bayern-Spieler mit den meisten Siegen werden Sie geführt?

Augenthaler: Da habe ich keine Ahnung, ich bin mir aber sicher, dass ich öfter gewonnen als verloren habe. Es war eine erfolgreiche Zeit.

bundesliga.de: Sie stehen mit 228 Siegen im Bayern-Trikot auf Platz 4. Vor Ihnen rangieren nur Oliver Kahn (260), Sepp Maier (249) und Gerd Müller (232).

Augenthaler: Das freut mich, aber feiern werde ich es jetzt nicht.

"Der FC Bayern steht heute ganz anders da"

bundesliga.de: Was waren für Sie herausragende Spiele für die Bayern?

Augenthaler: Ich denke vor allem an die Saison 1985/86 zurück und unsere Duelle gegen Werder Bremen. Damals hatte Rudi Völler im Rückspiel kurz vor Schluss einen Elfmeter rausgeholt. Wenn der Bremer Michael Kutzop den verwandelt hätte, wäre Bremen Meister gewesen. Er traf nur den Pfosten, und wir gewannen am letzten Spieltag durch einen Sieg gegen Borussia Mönchengladbach doch noch den Titel.

bundesliga.de: Sie wurden selbst mit den Bayern zwischen 1985 und 1987 dreimal hintereinander Deutscher Meister. Die aktuelle Mannschaft hat das auch geschafft und kann sogar den vierten Titel folgen lassen. Wenn Sie die Mannschaft von heute mit Ihrer Truppe aus den achtziger Jahren vergleichen: Ist die Elf von Pep Guardiola noch dominanter als frühere Bayern-Mannschaften?

Augenthaler: Zu meiner Zeit gab es immer Zwei- oder Dreikämpfe um den Titel. Wir haben uns Duelle mit dem 1. FC Köln unter Christoph Daum geliefert oder mit Werder Bremen oder dem Hamburger SV. Im Moment ist Bayern so dominant, dass sie in den letzten Jahren schon im April Meister waren. Jetzt sprechen einige schon bei sieben Punkten Vorsprung für die Bayern von einer Vorentscheidung. Man kann diese Mannschaften aber nicht miteinander vergleichen. Der FC Bayern steht heute ganz anders da. Vielleicht haben wir mit unseren Erfolgen etwas dazu beigetragen. Heute hat Pep Guradiola einen Kader von 26 fast gleichwertigen Spielern zur Verfügung. In den achtziger Jahren waren vielleicht elf, zwölf gleichwertige Spieler plus einige Talente im Kader.

"Ein Ausrutscher der Bayern wäre schön"

bundesliga.de: Inzwischen haben die Profis auch mehr Spiele mit der gestiegenen Anzahl an Länderspielen und den Gruppenspielen der Champions League zu absolvieren.

Augenthaler: Aber wir hatten auch 50 oder 60 Spiele in einer Saison und keinen so breiten Kader. Allerdings gab es die Gruppenphase nicht, es ging sofort mit K.-o.-Spielen los. Da drohten sofort Hammerlose.

bundesliga.de: Warum ist die aktuelle Mannschaft aus Ihrer Sicht so überlegen?

Augenthaler Es spielen viele Faktoren eine Rolle. Die Bayern haben die wirtschaftlichen Möglichkeiten, das Gerüst steht. Seit Jahren gehören die Bayern zu den besten Vier in Europa. Der FC Bayern hat das alles durch kontinuierliche Arbeit und dank der richtigen Leute geschafft.

bundesliga.de: Jetzt kommt am Samstag der 1. FC Köln nach München. Trauen Sie dem FC eine Überraschung zu, müssen vielleicht die Jubiläumsfeierlichkeiten verschoben werden?

Augenthaler: Diese Überraschungen gibt es fast nicht mehr. Früher haben wir auch mal gegen Bochum oder Duisburg verloren. Schön wäre es schon, wenn sich die Bayern mal einen Ausrutscher leisten würden, damit auch die Bundesliga wieder spannender wird. Peter Stöger macht in Köln eine hervorragende Arbeit. Er ist aber realistisch genug, um einzuschätzen, was der FC kann. Er hat ja selbst gesagt, dass bei den Kölnern alles passen und der FC Bayern einen schwachen Tag erwischen müsste. Ich glaube nicht, dass der 1. FC Köln den Bayern ein Bein stellen wird.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski