Mönchengladbach - Marco Reus ist ein wenig nervös, Bastian Schweinsteiger kann es kaum erwarten: Wenn das Überraschungsteam Borussia Mönchengladbach und Herbstmeister Bayern München am Freitag (Freitag, ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) mit dem Klassiker die Rückrunde der Bundesliga eröffnen, wartet auf die beiden Hauptdarsteller ein Wechselbad der Gefühle. Während Shootingstar Reus im ersten Spiel nach Bekanntgabe seines Wechsels zur neuen Saison nach Dortmund auf Verständnis der Fans hofft, brennt Schweinsteiger auf sein Comeback nach zweieinhalb Monaten Verletzungspause.

"Die Freude auf den Start und die ganze Rückrunde ist riesig", sagt Schweinsteiger, der im ersten Spiel des Jahres gleich auf einen "Big Point" hofft. Mit einem Sieg im Borussia-Park würden die Bayern nicht nur einen direkten Verfolger abschütteln, sondern auch ein deutliches Signal an die Konkurrenz aus Dortmund und Schalke senden.

"Bastian braucht jetzt harte Wettkämpfe"

Schweinsteigers Rückkehr kommt da gerade recht: "Er ist der Spieler, bei dem unsere Fäden zusammenlaufen. Bastian braucht jetzt harte Wettkämpfe", äußert Trainer Jupp Heynckes über seinen Vizekapitän, der seit seinem Schlüsselbeinbruch im November zum Zuschauen verdammt war, am Donnerstag auf der Pressekonferenz.

Nun ist Schweinsteiger endlich zurück - und brennt nach der überraschenden Niederlage im Hinspiel (0:1) auf Revanche. "Gladbach hat Spieler mit großer Qualität, Juan Arango oder Mike Hanke - nicht nur Reus. Aber wir haben ganz klar die größere Qualität. Und wir haben noch eine Rechnung offen", sagt der Nationalspieler, der schon die Champions League im Hinterkopf hat: "Es wäre gut, vor den kräftezehrenden englischen Wochen schon viele Punkte zu holen. Wir wollen in Gladbach eine Serie starten."

Alle Augen auf Reus

Bei den Gastgebern richten sich derweil sämtliche Augen auf Reus. "Ich hoffe, dass Marco nicht überdreht, weil er es den Bayern unbedingt zeigen will", sagt Sportdirektor Max Eberl. Offen ist zudem die Reaktion der Gladbach-Fans auf den Abschied ihres bisherigen Lieblings. "Die Mannschaft wird hervorragend unterstützt werden. Als Teil dieser Mannschaft hoffe auch ich auf die Unterstützung", betont Reus.

Nur vier Punkte liegt das Überraschungsteam aus Gladbach nach der besten Hinrunde seit 35 Jahren hinter dem Tabellenführer aus München. "Borussia hat Großartiges geleistet. Ich freue mich, dass sie aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist", sagt auch Heynckes, der als gebürtiger Gladbacher um die Rivalität der beiden gegensätzlichen Clubs weiß: "Bayern München in Mönchengladbach, das war immer etwas ganz Besonderes. Das ist traditionsgemäß ein Spiel, in dem viel Zündstoff drin ist."

Schweres Programm für die Borussia

Ohne Reus in der Form der Hinrunde könnte es dennoch schwer werden für die Borussia: Nach dem Bayern-Spiel warten inklusive des Pokal-Viertelfinals drei Auswärtsaufgaben. "Danach wissen wir, wo wir stehen", sagt Abwehrspieler Martin Stranzl. Ein ähnlicher Coup wie im vergangenen August käme da gerade recht.

"Damals haben wir uns Selbstvertrauen für die gesamte Hinrunde geholt", sagt Trainer Favre: "Aber inzwischen sind die Bayern besser. Sie spielen intelligent und clever, besonders bei eigenem Ballbesitz. Es wird für uns schwer, da eine Lücke zu finden."

Allerdings: Von den vergangenen 21 Auftritten am Niederrhein gewann der Rekordmeister nur zwei, zuletzt gab es vier Mal ein Remis. Für die Bayern wäre ein Punkt diesmal zu wenig. "Wir wollen in Gladbach nicht Unentschieden spielen. Wir wollen gewinnen und eine Serie starten", sagt Rückkehrer Schweinsteiger. Nicht mithelfen kann auf Bayern-Seite der gelb-rot-gesperrte Franck Ribery; Gladbach muss auf auf Verteidiger Dante (Gelbsperre) verzichten.