Am Freitagabend kommt es zur Neuauflage eines Traditionsduells: Rekordmeister Bayern München empfängt Borussia Mönchengladbach (Fr., ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio). Es ist das Duell zweier Clubs, die die Bundesligageschichte prägten, wie wenig andere.

Unvergessen sind die Duelle in den 70er Jahren, als Bayern und Gladbach die Bundesliga fast nach Belieben dominierten. Günter Netzer, Jupp Heynckes und Berti Vogts auf Seiten der "Fohlen", Sepp Maier, Gerd Müller oder Franz Beckenbauer auf Seiten der Bayern sind nur einige der klangvollen Namen, die diesem Jahrzehnt ihren Stempel aufdrückten.

Bonhof: "In Ruhe Weihnachten feiern"

Gladbachs heutiger Vizepräsident, Rainer Bonhof, feierte damals ebenfalls seine größten Erfolge als Aktiver. Von Tabellenregionen wie zu Bonhofs Zeiten ist Gladbach derzeit allerdings weit entfernt. Auf Rang 11 liegt das Team von Michael Frontzeck. Doch die Ansprüche sind heute auch andere: "Wir haben gesagt, dass wir in diesem Jahr mal in Ruhe Weihnachten feiern wollen", sagt Bonhof, "und da sind wir auf einem guten Weg." Wie gut - das spiegelt die Formtabelle der vergangenen fünf Spiele wieder.

Spitzenreiter der Formtabelle

Zwei Remis' und drei Siege, darunter zwei gegen die Topteams HSV und Schalke 04, katapultierten Gladbach an die Spitze des Trendbarometers. Stolze elf Punkte sind das unter dem Strich - zwei mehr als die Titelanwärter Leverkusen und Bremen im gleichen Zeitraum holten.

Das Erstaunliche an der Sache: Sechs magere Törchen reichten den Gladbachern zu dieser eindrucksvollen Bilanz. Die Minimalisten vom Niederrhein hamstern nach schwachem Saisonbeginn plötzlich Punkte am laufenden Band.

"Es stimmt nicht, wenn man sagt, wir hätten nichts zu verlieren gegen Bayern", betont Trainer Frontzeck deshalb. "Wir haben drei Punkte zu verlieren und wir werden alles dafür tun, uns unsere Serie zu erhalten."

Ein Erfolg in München wäre gleichzeitig das Ende einer schwarzen Serie. Der Rekordmeister ist so etwas wie der Angstgegner der Gladbacher: In 41 Auswärtsspielen gelang der Borussia nur ein einziger Sieg bei den Süddeutschen. Am 14. Oktober 1995 gewannen die "Fohlen" das einzige Mal ein Bundesligaspiel beim FC Bayern.

Frontzeck stand damals noch für Gladbach auf dem Rasen. "Ein bisschen zu viel Wind", werde um diese Begegnung für seinen Geschmack gemacht, sagt der Trainer.

"Jean ist ein wichtiger Bestandteil"

Er richtet den Blick lieber auf die Gegenwart. Für ihn stellt sich die Frage, wen er der bayerischen "personellen Qualität, die seinesgleichen sucht", entgegenstellt. Filip Daems, Gal Alberman, Paul Stalteri, Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Christian Dorda fehlen weiterhin verletzt. Möglich sei, dass die gleiche Elf wie beim 1:0-Sieg am vergangenen Samstag gegen den FC Schalke 04 auflaufe.

Gegen die "Knappen" hatten insbesondere das Innenverteidigerduo Dante/Roel Brouwers und Youngster Marco Reus für Positivschlagzeilen gesorgt.

Einer wurde beim Lob der vergangenen Wochen nach Ansicht Frontzecks zu wenig berücksichtigt: Jean-Sébastien Jaurès, der wohl auch gegen Bayern hinten links verteidigen wird. "Jean ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft geworden", sagt Frontzeck: "Er gehört zu den Spielern, deren Leistung in der Berichtserstattung vielleicht etwas untergeht."

Robben in der "Joker"-Rolle

Auf den französischen Defensivmann könnte eine große Herausforderung zukommen. Beim FC Bayern kehrt Arjen Robben nach seiner Verletzungspause in den Kader zurück. Zwar wird der Niederländer zu Beginn nur auf der Bank Platz nehmen, doch Trainer Louis van Gaal kündigte bereits an: "Ich denke, dass Arjen Robben gegen Mönchengladbach vielleicht einige Minuten spielen kann."

Für einen weiteren Superstar der Bayern kommt das Spiel hingegen noch zu früh: Franck Ribery hat zwar nach seiner Verletzung an der Patellasehne das Training mit Ball wieder aufgenommen, fällt aber weiterhin aus - wohl auch im entscheidenden Spiel in der Champions League gegen Juventus Turin in der kommenden Woche.

"Er trainiert sehr gut und hart, hat überhaupt keine Schmerzen. Ich denke, dass es gut geht mit ihm - aber Juventus kommt zu früh", sagte van Gaal. Auf Hamit Altintop muss der Coach gegen Gladbach ebenfalls verzichten. Ob Miroslav Klose nach seiner Ellbogen-Verletzung zurückkehrt, ist offen.

Gleiche Startelf wie zuletzt

In der Startformation wird van Gaal voraussichtlich den gleichen elf Spielern vertrauen, wie bei den Siegen gegen Haifa und Hannover. "Diese Mannschaft hat zwei Mal gewonnen, hat zwei Mal guten Fußball gespielt, gegen Hannover hat sie sich auch gesteigert", so der Trainer.

Van Gaal geht davon aus, dass seine Akteure das Spiel gegen Juve nicht schon im Hinterkopf haben. "Das erste Ziel ist es, gegen Gladbach zu gewinnen, dann kommt erst das nächste Spiel", warnte er, "das muss das Kennzeichen eines guten Profis sein, dass er sich auf das nächste Spiel fokussieren kann." Der Coach tut gut daran, seine Mannen zu mahnen. Denn auf der Gegenseite wartet ein topmotivierter Gegner.

"Sicherlich nicht als Favorit", fahre man nach München, meint Borussias Außenverteidiger Tobias Levels, "aber mit breiter Brust und einer Menge Selbstbewusstsein."

Andreas Messmer




Bilder legendärer Duelle