Mailand - Noch weit nach Spielschluss waren rund um das Giuseppe-Meazza-Stadion die "Samuel Eto'o"-Sprechchöre der Fans von Inter Mailand zu hören. Sie feierten ihren Top-Star aus Kamerun, der Werder Bremen beim 4:0 mit drei Treffern fast im Alleingang abschoss.

Bis in die Katakomben der ehrwürdigen Spielstätte waren die Gesänge zu hören - Salz in die frische Wunde bei den "Grün-Weißen". "Wir haben zu viele Eins-gegen-Eins-Situationen zugelassen, die gegen solch herausragende Spieler einfach fatal sein können", erklärte Per Mertesacker, der Werder für den verletzten Torsten Frings als Kapitän aufs Feld führte, das kollektive Fehlverhalten am Abend.

Dabei war es nicht nur Eto'o, der den Norddeutschen einen Klassenunterschied aufzeigte. Die gesamte Mailänder Mannschaft bewies fast über 90 Minuten, dass der Gewinn der Champions League im Finale gegen den FC Bayern kein Zufall war.

"Immer einen Schritt zu spät"

"Wir waren kein Gegner. Wir haben es Inter in allen Bereichen viel zu einfach gemacht. Wir waren nicht in der Lage, dem Gegner weh zu tun. Ein einziger Pass reichte, um uns auszuspielen", sagte Trainer Thomas Schaaf auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.

Warum sich die Bremer von den Mailänder jedoch derart haben vorführen lassen, dafür fanden die Spieler nur schwer eine Erklärung. Mertesackers Nebenmann in der Innenverteidigung, Sebastian Prödl, versuchte es dennoch im bundesliga.de-Interview: "Wir haben leider nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir waren immer einen Schritt zu spät und das hat Inter Mailand konsequent ausgenutzt. Und dann geht das 0:4, so wie es zustande gekommen ist, auch in Ordnung", analysierte der österreichische Nationalspieler.

Schnell das Debakel vergessen

Geschäftsführer Klaus Allofs machte die desolate Leistung auch am Fehlen der vielen Leistungsträger wie Frings, Clemens Fritz, Claudio Pizarro und Naldo fest: "Heute hätten wir unsere erfahrenen Spieler gut gebrauchen können. Auf diesem Niveau ist es schwer auszugleichen, wenn man solche Spieler nicht dabei hat", meinte er.

Ob und wie viele der verletzten Stammspieler am Sonntag in Leverkusen wieder dabei sind, steht noch nicht fest. Deshalb freut sich Marko Marin schon auf die anschließende Länderspielpause. "Das kann die Mannschaft gebrauchen. Dadurch haben die verletzten Spieler Zeit, wieder fit zu werden und wir haben anschließend wieder mehr Möglichkeiten", so der Mittelfeldspieler.

Entscheidend wird jedoch erst einmal sein, dass die Bremer das Debakel von Mailand und die Sondervorstellung von Samuel Eto'o so schnell wie möglich vergessen. "Wir müssen jetzt schnell wieder die Köpfe frei bekommen und uns auf die nächsten Spiele konzentrieren, ganz egal in welchem Wettbewerb", gibt Mertesacker die Marschroute für die nächsten Tage vor.

Aus Mailand berichtet Michael Reis