Michael Frontzeck ist Realist. "Ich bin kein Tagträumer, der von irgendwelchen Dingen wie Meisterschaften und Titeln träumt", sagt er im Interview mit bundesliga.de. In Bielefeld geht es um den Klassenerhalt, jedes Jahr aufs Neue.

Frontzeck rechnet damit, dass sein Team bis zum Schluss um den Verbleib in der Bundesliga kämpfen muss.

Im bundesliga.de-Interview spricht der Arminen-Coach über die Aussichten der Bielefelder Mitglied des erlesenen 18er-Kreises zu bleiben und die "Lebensversicherung" Artur Wichniarek.

bundesliga.de: Michael Frontzeck, was macht Sie optimistisch, mit Arminia Bielefeld auch in dieser Saison den Klassenerhalt in der Bundesliga feiern zu können?

Michael Frontzeck: Wir sind in einer Situation, in der wir es aus eigener Kraft schaffen können, wir stehen überm Strich. Auch wenn wir wissen, dass wir auf "dünnem Eis" gehen, dass bis zum Schluss alles sehr, sehr eng ist, haben wir es selbst in der Hand.

bundesliga.de: Was macht für Sie als jungen Trainer die Arbeit bei einem Club wie Arminia Bielefeld so reizvoll?

Frontzeck: Ich denke, dass es mit unseren vorhandenen Mitteln in der Bundesliga immer wieder eine Herausforderung ist. Das "Oberhaus" ist das Nonplusultra hier in Deutschland. Es macht mir hier große Freude, das betone ich immer wieder, und deshalb habe ich auch meinen Vertrag verlängert.

bundesliga.de: Ihr größter Erfolg in der Bundesliga war der Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart 1992. Woran erinnern sie sich als erstes, wenn Sie die Bilder vom damaligen Saisonfinale sehen?

Frontzeck: In erster Linie sehe ich da Fritz Walter, der ist in dem Jahr auch Torschützenkönig geworden. Er hat die Schale ja kaum hergegeben - jeder andere durfte sie nur mal kurz berühren. Es war insgesamt ein tolles Jahr für jeden einzelnen Spieler.

bundesliga.de: Mit Bielefeld spielen sie allein auf Grund der finanziellen Voraussetzungen gegen den Abstieg? Passt das zu ihrer Fußball-Philosophie als Trainer oder würden Sie lieber mit offensivem Fußball um den Titel mitspielen?

Frontzeck: Ich bin zumindest kein Tagträumer, der von irgendwelchen Dingen wie Meisterschaften und Titeln träumt. Es wäre toll, wenn man das schaffen würde. Ich denke, die Deutsche Meisterschaft für Bielefeld ist utopisch, aber ich verbeiße mich hier in die Aufgabe, die wir in Bielefeld haben. Wenn wir die Klasse halten ist das für uns in etwa wie eine Meisterschaft.

bundesliga.de: Wie wichtig ist ein Spieler wie Artur Wichniarek für die Arminia? Der Pole schießt ja allein rund ein Drittel aller Tore?

Frontzeck: Er ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Er hat ja auch in der Vergangenheit immer so um die zehn Tore in der Saison gemacht. Und dieses Jahr klappt es sehr gut bei ihm. Ich rechne Artur sehr hoch an, dass er nicht nur auf diese Tore lauert, sondern ganz hart auch für die Mannschaft arbeitet, dass er auch verinnerlicht hat, dass wir das nur im Kollektiv schaffen können.

bundesliga.de: Wäre es für Sie einfacher oder schwieriger, wenn noch der eine oder andere Star dazu kommen würde?

Frontzeck: Darum brauche ich mir nun gar keine Gedanken zu machen. Das wird in absehbarer Zeit hier in Bielefeld nicht möglich sein.

bundesliga.de: Wie finden Sie im Privatleben Abstand vom Stress auf der Trainerbank?

Frontzeck: So wirklich abschalten kannst du als Trainer eigentlich nicht, weil es ein ständiger Kreislauf ist. Selbst im Urlaub ist immer eine Planung für die neue Saison dabei. So ganz raus bist du eigentlich nie.