Kaiserslautern - "Aber es ist ja noch nicht amtlich", sagte der Trainer des 1. FC Nürnberg immer wieder. Dieter Hecking schmunzelte dabei wie einer, der selbst nicht glaubt, dass irgendein Reporter seine Worte ernst nimmt.

Wie auch? Er tat es ja selbst nicht wirklich. Seine Mannschaft hatte am Samstag gerade gewonnen und damit die Punkte 36, 37 und 38 eingefahren. Direkt absteigen können die Franken nicht mehr und nur unheilbare Pessimisten glauben noch, dass der "Club" noch auf Relegationsplatz 16 abrutschen kann.

Hecking zufrieden



Und weil der 1. FC Köln am Sonntag sein Spiel in Mönchengladbach verloren hat, sind neun Punkte und ein weitaus besseres Torverhältnis Vorsprung auf den FC auf Tabellenplatz 16 für den 1. FC Nürnberg praktisch gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt. Nein, der 1. FC Nürnberg hat sich mit den drei Zählern in der Pfalz ein weiteres Jahr in der Bundesliga drei Spieltage vor Saisonende klar gemacht. Das wusste natürlich auch Hecking schon am Samstag nach dem Spiel, er sagte: "Ich bin unheimlich stolz auf diese Mannschaft."

Am Ende dieser englischen Woche ließen die Nürnberger eine Serie von vier Niederlagen so vergessen, als sei sie nie passiert: Einem umkämpften 2:2 in Freiburg folgte ein berauschendes 4:1 gegen den FC Schalke 04 und am Samstag krönte ein glanzloses 2:0 auf dem Betzenberg den Kraftakt zum Klassenerhalt. Immer wieder haben es die Nürnberger verhindern können, Niederlagenserien und Verletzungen in existenzielle Krisen münden zu lassen.

Umbruch geglückt



"Wenn du Überzeugungstäter bist, steckst du Rückschläge weg", sagte Manager Martin Bader und fügte stolz hinzu: "Wenn man sieht, was für eine Qualität wir im Trainerstab haben, dann ist das schon stark." Trainer Hecking hat den erneuten Umbruch glänzend moderiert. Nach den Weggängen von Gündogan, Ekici und Schieber schrieben viele vor der Saison den FCN zum Absteiger Nummer eins.

"Aber es waren ja nicht nur die drei Spieler weg. Andi Wolf war Kapitän und Marek Mintal wichtig für die Kabine. Für mich hört eine Mannschaft ja nicht mit den ersten Elf auf", erklärte Hecking. Der Trainer wusste, dass der Klassenerhalt diesmal nur über eine "überragende Fitness" und einen "starken Teamspirit" zu erreichen sein werde. Und wie abgesprochen, erklärte Kapitän und Torwart Raphael Schäfer: "Es war zu keinem Zeitpunkt ein Quertreiber in der Kabine. Diese Mannschaft ist an ihren Aufgaben gewachsen."

Didavi in Topform



Auch derzeit fehlen ja in Adam Hlousek und Alexander Esswein wichtige Spieler. Dafür zeigte Daniel Didavi, welch großes Talent er ist. Auch auf dem Betzenberg traf der 22-Jährige mit einem tollen Schuss aus 20 Metern (43.) und bereitete mit einem Solo das 2:0 durch Tomas Pekhart vor (73.). Didavi hat in den letzten sieben Spielen sechs Tore erzielt und zwei Vorlagen gegeben.

Schade für Nürnberg nur, dass der Junge vom VfB Stuttgart nur bis Saisonende ausgeliehen ist. Nürnberg würde ihn gerne behalten, aber auch der VfB zeigt Interesse. Klar ist, dass Trainer Hecking den erneuten Umbruch im Kader so klein wie möglich halten möchte.

Bisher stehen nur die Weggänge von Wollscheid und Hegeler nach Leverkusen fest. Hecking sagt: "Ich will nicht bei null anfangen. Es ist wichtig, dass wir die richtigen Typen für unser laufintensives und aggressives Spiel dazukriegen." Zunächst aber, so Hecking, freue er sich auf das Spiel gegen den Hamburger SV am kommenden Wochenende "vor unseren tollen Fans".

Tobias Schächter