Gelsenkirchen - Neuer Trainer, erster Auswärtspunkt - der VfB Stuttgart scheint mit dem 2:2 in Schalke in die Erfolgsspur zurückgekehrt zu sein. Optimistisch blickt auch Nationalspieler Christian Träsch wieder in die Zukunft.

Der Mittelfeldspieler war am Punktgewinn der Stuttgarter maßgeblich beteiligt, präsentierte sich lauf- und zweikampfstark und leitete beide Treffer mit zwei schönen Pässen ein. Nach der Partie sprach der 23-Jährige mit bundesliga.de über seine Rolle im Mittelfeld, den Schlüssel zum Erfolg und den neuen Cheftrainer Jens Keller.

bundesliga.de: Der VfB ist in Schalke sehr selbstbewusst aufgetreten. Es wirkte tatsächlich so, als sei nach dem Trainerwechsel ein Ruck durch die Mannschaft gegangen.

Christian Träsch: Auf dieser Leistung können wir sicher aufbauen, vor allem auf dem, was wir in den ersten 45 Minuten gezeigt haben. Da haben wir sehr gut mitgespielt und haben zugleich hinten sehr sicher gestanden. Wir waren aggressiver in den Zweikämpfen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Und das war ein klarer Schritt nach vorne.

bundesliga.de: Welchen Anteil hat Jens Keller an dieser Leistung? Wie haben Sie ihn erlebt in den letzten Tagen?

Träsch: Er ist hochmotiviert an seine Aufgabe herangegangen, direkt die ersten drei Punkte einzufahren. Das hat man gemerkt. Er war auch sehr angespannt vor der Partie, aber er hat die Mannschaft zugleich sehr gut motiviert. Er hat uns anders eingestimmt. Er hat versucht, die Aggressivität im Training wieder zurückzubringen. Aber in zwei Tagen kann man sicher noch nicht so viel machen und ändern.

bundesliga.de: Trotz zweimaliger Führung endete das Spiel 2:2-Unentschieden. Wie schätzen Sie das Ergebnis ein?

Träsch: Im Großen und Ganzen überwiegt doch die Enttäuschung. Wir hatten uns einen Sieg fest vorgenommen und der wäre auch möglich gewesen. Die Chancen hatten wir auf jeden Fall, aber wir haben sie leider nicht genutzt. Auf der anderen Seite gibt es dann einen Elfmeter für Schalke, uns wird ein Tor aberkannt - das ist bitter, aber es passt irgendwie zu der Situation, in der wir uns zurzeit befinden. Das sind Dinge, die zurzeit einfach gegen uns laufen.

bundesliga.de: In der ersten Halbzeit war der VfB die bessere Mannschaft, dann wurde der Druck durch Schalke größer.

Träsch: Ich denke, das ist ganz normal. Auf Schalke sind es gerade auch bei diesem Publikum immer schwere Spiele, das war in der Vergangenheit auch schon so. Uns war zur Pause klar, dass Schalke kommt. Wir haben aber dagegen gehalten und immer wieder Nadelstiche nach vorne gesucht und auch gesetzt. Am Ende musst du natürlich auch aufpassen, dass du nicht noch ein Tor kassierst und dann wieder mit null Punkten nach Hause fährst. Es war ein schmaler Grat zwischen Sieg und Niederlage.

bundesliga.de: Fast hätte Pavel Pogrebnyak in der Nachspielzeit nach Ihrem Pass noch für den Sieg gesorgt.

Träsch: Ich glaube, Pavel war selbst überrascht. Er hat zunächst wohl damit gerechnet, im Abseits zu stehen, hat ein bisschen gewartet und ist dann erst gestartet. Der Pass war vielleicht eine Idee zu lang. Manuel Neuer ist gut herausgekommen und hat klasse reagiert.

bundesliga.de: Sie selbst haben diesmal im zentralen Mittelfeld eine starke Leistung gezeigt. Liegt Ihnen diese Rolle noch mehr?

Träsch: Ich bin ganz froh, dass ich auf dieser Position spielen durfte. Im Mittelfeld ist man im Zentrum des Spiels, hat die meisten Bälle. Da kann man in der Regel auch mehr Einfluss auf das Spiel nehmen als als Außenverteidiger. Aber letztlich ist es zweitrangig, wo ich spiele. Hauptsache, wir sind wieder erfolgreicher! Wir müssen ganz schnell unten aus der Abstiegsregion herauskommen.

bundesliga.de: Der VfB ist zunächst am Donnerstag wieder in der Europa League gefordert, wo man bisher schon zweimal gewonnen hat. Geht es gegen Getafe so weiter?

Träsch: Natürlich wollen wir jetzt nachlegen. Getafe ist sicher noch einmal ein Stück besser als Odense, wo wir zuletzt gewonnen haben. Man darf die Spanier auf keinen Fall unterschätzen. Aber wenn wir dieses Spiel so bestreiten wie gegen Schalke, dann sehe ich uns auf einem guten Weg.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte