München - "Der Begriff Derby bezeichnet ein spezielles Ereignis im Mannschaftssport, bei dem zwei meist rivalisierende Sportvereine einer Region aufeinander treffen", heißt es in einem bekannten Internet-Lexikon. Und weiter: "Für die Fans der betroffenen Vereine haben solche Ereignisse eine hohe symbolische Bedeutung und starke Emotionen werden hervorgerufen."

Der 21. Spieltag startet am Freitag mit dem wahrscheinlich brisantesten Derby in Deutschland - dem Revierderby: Borussia Dortmund gegen FC Schalke 04, "Schwarz-Gelb" gegen "Königsblau", Lüdenscheid-Nord gegen Herne-West.

Gegensätzlicher Saisonverlauf

Da wird es alle Beteiligten - Spieler, Trainer und Fans - im Vorfeld auch herzlich wenig stören, dass die Saison für die beiden Rivalen bislang so gegensätzlich verläuft. Die Borussia hat mit 50 Zählern doppelt so viele auf ihrem Konto wie S04 und thront souverän auf dem Platz an der Sonne. Die "Knappen" belegen nach 20 Partien in der Liga nur Platz 11. Während für Dortmund der Gewinn der Deutschen Meisterschaft nur noch wie eine Formsache erscheint, wird das Erreichen des internationalen Geschäfts für das Team aus Gelsenkirchen zur Herkulesaufgabe.

Ungeachtet der aktuellen nennt BVB-Trainer Jürgen Klopp das Duell "in Deutschland die Mutter aller Fußballspiele". Ein Sieg in einem der beiden "Spiele der Saison" kann zwar nicht gänzlich den Verlauf der Spielzeit auf den Kopf stellen, er sorgt aber zumindest kurzfristig für Hochstimmung. Die war eine klare Angelegenheit zugunsten des BVB. Die "Schwarz-Gelben" triumphierten auf Schalke mit 3:1 - Senkrechtstarter Shinji Kagawa, der jetzt wegen eines Mittelfußbruchs lange ausfällt, machte sich mit einem "Doppelpack" unsterblich.

Der BVB hat die wenigsten Tore kassiert und die meisten geschossen - in jedem Mannschaftsteil agieren überragende Einzelkönner, die noch dazu im Kollektiv harmonieren. Sollten sich die Schalker womöglich am Freitag zum Selbstschutz den Weg in den Signal Iduna Park sparen? Vor dem zweiten Kräftemessen blickt bundesliga.de in die Datenbank und vergleicht die aktuellen Schlüsselspieler beider Teams.

Roman Weidenfeller vs. Manuel Neuer

- Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller konnte 78,6 Prozent der Bälle auf sein Tor abwehren - Liga-Bestwert!
- Manuel Neuer, Torhüter vom Lokalrivalen Schalke 04, konnte nur 70,5 Prozent der Schüsse abwehren und belegt in dieser Wertung nur Platz 7.
- Neuer (26) hat mehr als doppelt soviele Gegentore kassiert wie Weidenfeller (12).
- Der Schalker Nationaltorwart konnte 59 Hereingaben abfangen oder wegfausten. Sein Kontrahent aus Dortmund kommt auf einen Wert von 49.
- Weidenfeller konnte in neun Spielen seinen Kasten sauberhalten, während Neuer sieben Spiele mit weißer Weste beendete - kein anderer Keeper kommt auf diese Werte.

Mats Hummels vs. Christoph Metzelder

- Der Borusse Mats Hummels konnte 59,5 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnen, während Christoph Metzelder von Schalke 60,2 Prozent der Duelle für sich entscheiden konnte.
- Beide Abwehrspieler schalten sich rege ins Offensivgeschehen ihrer Teams ein. Hummels erzielte schon drei Saisontore (zuletzt beim 3:0-Sieg in Wolfsburg). Der Schalker Metzelder erzielte ein Saisontor und bereitete einen weiteren Treffer vor.
- Hummels konnte 90 Mal in der laufenden Saison den Ball aus der Gefahrenzone klären - Metzelder kommt auf 68 klärende Aktionen. Die Werte der beiden Innenverteidiger sind mannschaftsintern jeweils Bestwert.

Nuri Sahin vs. Peer Kluge

- Nuri Sahin konnte 52 Prozent seiner Duelle mit den Gegenspielern gewinnen. Der Schalker Peer Kluge hat einen Zweikampfwert von 50 Prozent. Der Dortmunder (269) bestritt mehr als doppelt soviele Zweikämpfe wie Kluge (131).
- Während Kluge noch an keinem Schalker Bundesliga-Tor beteiligt war, kommt Sahin auf fünf Treffer und sieben Assists (Dortmunder Bestwert). Der türkische Nationalspieler ist der beste Scorer seiner Mannschaft (Platz 6 in der Liga).
- Nuri Sahin brachte 77,6 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler, sein Kontrahent aus Gelsenkirchen hat eine Passquote von 78,3 Prozent,
- Dortmunds Ballverteiler hat mit 1800 Ballkontakten die meisten ligaweit, sein Schalker Pendant kommt nur auf 657.

Mario Götze vs. Julian Draxler

- Julian Draxler bestritt erst drei Bundesliga-Partien für die Schalker (1 Mal Startelf), während Mario Götze in 19 der 20 Ligaspiele in der laufenden Spielzeit zum Einsatz kam.
- Götze brachte 81 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler - der Schalker Draxler hat eine Passquote von 80 Prozent.
- Während Draxler noch an keinem Schalker Bundesliga-Tor direkt beteiligt war, konnte sich Götze als vierfacher Torschütze und durch sieben Torvorlagen auszeichnen.

Lucas Barrios vs. Raul

- Der Dortmunder Barrios erzielte neun Tore (plus 1 Assist) in dieser Spielzeit, Raul markierte zehn Treffer (plus 1 Assist) für die Königsblauen.
- Sowohl Raul als auch Barrios erzielten je drei Mal die 1:0-Führung für Schalke bzw. Dortmund.
- Während Barrios sowohl vor heimischer Kulisse (5 Tore) als auch in der Fremde (4 Tore) trifft, markierte Raul hauptsächlich in Heimspielen seine Tore - neun seiner zehn Tore schoss er auf Schalke.
- Raul erzielte nicht nur mehr Tore als Barrios, sondern brauchte auch weniger Chancen als Dortmunds Torjäger. Barrios gab 58 Schüsse (davon 28 aufs gegnerische Tor) ab - Raul nur 41 (21 aufs Tor).



Zusammengestellt von Tim Tonner