Hamburg - Sogar im fernen New York grassiert das Derby-Fieber. Wenn am Sonntag der Hamburger SV und der FC St. Pauli (ab 15 Uhr im Live-Ticker) um Punkte und Prestige kämpfen, treffen sich im "Nevada Smith" an der Third Avenue zwei rivalisierende Fanclubs zum gemeinsamen Frühstück vor dem Fernseher.

Aber auch in 186 anderen Ländern kann die Fußball-Welt via TV auf Hamburg schauen - und damit auf das globalste Duell der beiden Traditionsvereine, das es je gegeben hat.

"Wir sind nicht in einer Bringschuld"

Mit aktuell acht Punkten mehr auf dem Konto und der heimischen Kulisse im Rücken kann und will der HSV seine Favoritenrolle gar nicht kleinreden. "Natürlich brauchen wir Männer auf dem Platz, aber der Druck liegt schon mehr auf uns. Für mich haben die HSV-Einzelspieler einfach mehr Qualität", sagt Trainer Armin Veh. Er hat am Sonntag drei Punkte fest eingeplant, um weiter Kontakt zu den internationalen Qualifikationsplätzen zu halten.

Folgerichtig genießt es Vehs Kollege Holger Stanislawski, dass der HSV erstmal agieren muss und sein Team reagieren kann: "Wir sind da jetzt nicht in einer Bringschuld. Der HSV hat zweifellos eine hohe individuelle Qualität, aber manchmal entscheidet ja auch das bessere Kollektiv." Für die Millerntortruppe bedeutet schon ein Remis beim großen Nachbarn einen weiteren Schritt Richtung Klassenerhalt.

Natürlich grassiert an Alster und Elbe auch das Wettfieber. Thomas Collien, Intendant des St. Pauli-Theaters, will den frisch ausgerollten Rasen im HSV-Stadion mähen, wenn den "Kiezkickern" nicht wenigstens ein Treffer gelingt. Stadionsprecher Lotto King Karl hat sogar zugesagt, mit dem Hund von Stanislawski Gassi zu gehen, wenn "sein" HSV gegen den Erzrivalen nicht gewinnen sollte.

HSV-Lazarett lichtet sich - "Stani" mit Problemen

Immerhin sind beim HSV keine neuen Ausfälle dazugekommen. Heiko Westermann (Magenverstimmung) steht ebenso zur Verfügung wie Joris Mathijsen und Guy Demel, hinter deren Einsatz ebenfalls noch ein kleines Fragezeichen stand. "Joris ist so fit, dass er uns weiterhelfen kann. Ansonsten würde ich ihn nicht aufstellen", bestätigte Veh. Ist die Personaldecke in der Defensive eher schmal besetzt, kann in der Offensive aus dem Vollen geschöpft werden. Drei Positionen sind laut Veh noch offen. Bei einer Personalie hat er sich allerdings schon festgelegt: "Mladen Petric fängt auf jeden Fall an. Es war ein Fehler, dass er im Hinspiel erst so spät in die Partie gekommen ist", lächelte der Trainer und spielte dabei auf sein Traumtor zum 1:1-Endstand an.

Holger Stanislawski treibt es beim Gedanken ans Personal eher Schweiß auf die Stirn. Nach den sicheren Ausfällen von Fabio Morena, Florian Lechner, Carsten Rothenbach und Marius Ebbers wackelt vor allem auch Bastian Oczipka. Bei ihm sieht es nach seinen Problemen am Sprunggelenk nicht danach aus, dass er rechtzeitig fit wird. Auch bei Florian Bruns (muskuläre Probleme) und Timo Schultz (Kapsel-/Bandreizung) soll ein letzter Härtetest über einen Einsatz entscheiden.