Gelsenkirchen - Mit seinem Tor hat Klaas-Jan Huntelaar den FC Schalke 04 beim souveränen 3:0-Erfolg über den VfL Wolfsburg auf die Siegerstraße gebracht. Dass er damit zugleich zur Nummer zwei der besten Schalker Torschützen aller Zeiten aufgerückt ist, hatte der Niederländer dabei nicht auf dem Schirm – er erfuhr es erst im Interview nach der Partie.

Frage: Klaas-Jan Huntelaar, täuscht der Eindruck, oder hat Ihnen dieses Spiel so richtig Spaß gemacht?

Klaas-Jan Huntelaar: Wir waren von Anfang an sehr gut drauf, haben aggressiv gespielt. Die Laufbereitschaft war sehr gut – eigentlich wie schon in der ganzen Saison, aber in diesem Spiel hat man es extrem gesehen. Und dann am Ende ein klarer 3:0-Erfolg gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um die Champions League, das ist dann ein super Sieg.

Frage: Hat dieses direkte Duell den Schalkern im wahrsten Sinne des Wortes Beine gemacht? Oder wie erklären Sie sich diese hohe Laufbereitschaft?

Huntelaar: Wie schon gesagt, ich finde unsere Laufleistung in der ganzen Saison schon gut. In diesem Spiel hat man aber ganz besonders gesehen, dass wir diesen Sieg unbedingt holen wollten. Es war für uns eine große Chance, und die haben wir genutzt.

"Da hab ich einfach geschossen"

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Frage: Sie hatten bei Ihrem Treffer auf einmal sehr viel Platz. Waren sie selbst überrascht?

Huntelaar: Wolfsburgs Verteidiger Robin Knoche hat gesehen, dass Leroy Sané frei war. Ich wollte erst einen Doppelpass mit ihm spielen, damit er zum Tor ziehen kann. Da Knoche diesen Weg aber abgeschnitten hat, musste ich nach einer neuen Lösung suchen. Vor mir war kein Mitspieler mehr anspielbar, Naldo stand zugleich ein Stück von mir entfernt - da hab ich einfach geschossen.

Frage: Wissen Sie eigentlich, Ihr wievieltes Tor für Schalke dieser Treffer war?

Huntelaar: Nein, das weiß ich nicht. Überhaupt keine Ahnung. Warum?

Frage: Es war Ihr 74. Tor, damit sind Sie hinter Klaus Fischer der zweitbeste Schalker Torschütze aller Zeiten.

Huntelaar: Okay, das ist natürlich schön. Aber ich versuche einfach immer, das Beste aus allem zu machen. Ich wusste ja auch gar nichts von dieser Marke. Das beschäftigt mich nicht so viel.

"Du musst dann die richtige Entscheidung treffen"

Frage: Überholen werden Sie die Schalker Legende wohl nicht mehr – Fischer hat 182 Mal getroffen.

Huntelaar: (lacht) Oh, Ihr dürft mich nicht unterschätzen…

Frage: Alle drei Schalker Treffer sind dieses Mal aus der Distanz gefallen, das war zuvor in dieser Saison fast nie der Fall. Hat die Mannschaft das extra trainiert?

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Huntelaar: Wir waren einfach in diesem Spiel öfter in Situationen, in denen wir ein Stück weiter weg waren vom gegnerischen Tor. Dafür gab es keine taktische Vorgabe oder so etwas, das passiert im Spiel einfach und du musst dann eben die richtige Entscheidung treffen. Und generell gilt natürlich: Wenn du nicht schießt, dann kannst du auch nicht treffen. Aber wir haben das nicht extra geübt. Wir trainieren immer alles, die ganze Woche lang – aber wir machen noch kein 50-Meter-Schießen.

Frage: Schalke ist mit dem Sieg auf Rang vier vorgerückt. Bleibt das jetzt so bis zum Saisonende?

Huntelaar: Das ist eine schöne Momentaufnahme für uns und unsere Fans, aber mehr auch nicht. Für uns ist wichtig, dass wir diese starke Leistung gegen Wolfsburg in den nächsten Spielen bestätigen, Woche für Woche. Wir müssen uns weiter viele Chancen herausspielen. Dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte