München - Keine Herausforderung ist derzeit zu groß für Kingsley Coman. Sogar ans Schuhplattln, dem typisch bayrischen Trachtentanz, wagte sich der Franzose im Rahmen der traditionellen Fanclub-Besuche des FC Bayern München. Seine Talente kommen dann aber doch besser in Fußballschuhen zur Geltung. Als Mann für die Zukunft verpflichtet, spielte sich der 19-Jährige zuletzt dank glänzender Leistungen immer mehr in den Vordergrund.

Der rasante Aufstieg des Flügelspielers kommt für einige überraschend - nur nicht für ihn selbst. "Ich bin der Spieler, der den Unterschied machen kann - in jeder Minute des Spiels", sagte ein vor Selbstvertrauen strotzender Coman bei seiner Vorstellung Anfang September. Dass diese großen Worte nicht von ungefähr kamen, hat der Offensivspieler in den letzten Wochen eindrucksvoll bewiesen.

Torjäger mit Geschwindigkeitsrekord

Bislang spielte Coman in der Bundesliga acht Mal und sammelte fünf Scorer-Punkte (drei Tore, zwei Torvorlagen). Beim 2:0-Sieg gegen Hertha BSC gelang dem jüngsten Torschützen der laufenden Saison unlängst sein erstes Heimtor in der Bundesliga. Bereits in der Vorwoche feierte er in der Champions League gegen Olympiacos Piräus seine Torpremiere in der Champions League. "Er hat von Anfang an super gespielt und das zieht er durch", lobte ihn Thomas Müller anschließend.

Neben seinen Qualitäten als Vollstrecker schätzt Trainer Pep Guardiola vor allem Comans Schnelligkeit und die Fähigkeit, Lücken zu reißen. Die Außenbahn verwandelt er in eine Überholspur: Mit 34,4 km/h hält er in dieser Spielzeit den Geschwindigkeitsrekord bei den Bayern. In Abwesenheit des Langzeitverletzten Franck Ribery und der leicht angeschlagenen Arjen Robben und Douglas Costa war Coman gegen Hertha daher besonders wertvoll. "Wir hatten viele Verletzte und nur Coman für das Eins gegen Eins", sagte Guardiola.

Dass der Youngster in den vergangenen Wochen immer besser in Fahrt kommt, hängt auch damit zusammen, dass er zuletzt vorwiegend auf seiner Lieblingsposition ran durfte. Bei Juventus Turin agierte Coman in der vergangenen Saison meist zentral als hängende Spitze, bei den Bayern begann er zunächst als Rechtsaußen, gegen Hertha beackerte er bevorzugt die linke Seite. Als Rechtsfuß kann er so nach innen ziehen und mit seinem starken Fuß abschließen - so wie es Arjen Robben auf rechts gerne macht.

"Coman ist Wahnsinn!"

Gegen die Berliner war Coman der herausragende Offensivspieler auf dem Platz: Seine Sprint- (24) und Flankenwerte (fünf) übertraf keiner. Zudem entschied er starke 63 Prozent seiner Zweikämpfe für sich. "Er ist unglaublich schnell und weiß immer, wo ich stehe", lobte Robert Lewandowski das Spielverständnis seines Offensivkollegen. Und Sport-Vorstand Matthias Sammer geriet angesichts der jüngsten Glanzleistungen Comans ins Schwärmen: "Coman ist Wahnsinn!"

Bis Sommer 2017 haben die Münchner den talentierten Offensivspieler von Juventus Turin ausgeliehen. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zog schon jetzt ein zufriedenes Zwischenfazit. "Wir sind sehr glücklich mit ihm, er ist ein sehr netter Junge und ein guter Spieler."

Mit dem Schritt nach München hat der Franzose bislang alles richtig gemacht. Seine im Sommer genannte Begründung bewahrheitet sich immer mehr: "Der FC Bayern ist ein Club, der zu meinem Spielstil passt." Und was den passenden Tanzstil angeht, hat Coman ja noch genügend Zeit zum Üben.

Aus München berichtet Maximilian Lotz