Leverkusen - Der eine - Chicharito - hat die eingebaute Torgarantie, der andere - Stefan Kießling - litt zuletzt unter Ladehemmung. Was passiert, wenn beide Stürmer von Bayer 04 Leverkusen ihre Bestform abrufen, musste Borussia Mönchengladbach am 16. Spieltag erleben. Die Mannschaft von Andre Schubert ging im Torwirbel der Werkself mit 0:5 unter.

Stefan Kießling schoss die Tore eins und drei, Chicharito markierte die Treffer zwei, vier und fünf. Damit drehten die beiden alleine die Fohlen durch den Fleischwolf, zumal Kießling dem Sturmpartner dessen ersten beiden Tore auflegte. "Es war ein richtig gutes Spiel von uns", freute sich der Mexikaner, der mit bürgerlichem Namen ja eigentlich Javier Hernandez heißt. 

Chicharito hat in Leverkusen eingeschlagen wie schon lange kein Stürmer mehr vor ihm. In 20 Pflichtspielen dieser Saison traf "die kleine Erbse" bereits 17 Mal. Zehn Tore in der Bundesliga, davon neun in den letzten sieben Partien, fünf in der Champions League und zwei im Pokal gingen auf sein Konto. Seit der 27-Jährige Ende August von Manchester United zur Werkself stieß, lässt er Tore sprechen.

Schmidt erwägt Systemänderung

Im von Trainer Roger Schmidt favorisierten System mit einer Spitze war und ist er daher gesetzt. Bis zum Gladbach-Spiel zum Leidwesen von Kießling. Doch die Gala im rheinischen Derby könnte den Trainer umdenken lassen. "So, wie die beiden das heute gemacht haben, kann das eine große Zukunft haben", sagte der Coach. "Wenn ich geahnt hätte, dass Kießling so trifft, wenn er von Anfang an spielt, dann hätte man ihn auch schon früher bringen können." Doch das ist Spekulation (weitere Stimmen zum Spiel).

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Schmidt hatte Kießling am Tag vor dem Spiel über sein Comeback in der Startelf informiert. "Stefan hat sehr frei aufgespielt. Er wirkte total klar, ist sofort ins Spiel reingekommen und hat wie aus einem Guss gespielt", freute sich der Trainer. Als "Zielspieler" machte Kießling Bälle fest und fand dann in Chicharito einen gnadenlosen Abnehmer.

Dessen Werte sind überragend: Beim Mexikaner landete in der Bundesliga im Schnitt jeder vierte Torschuss im Kasten des Gegners, gegen Mönchengladbach saß jeder seiner drei Versuche. Als erster Ausländer im Bayer-Trikot seit Paulo Sergio 1996 traf er in der Hinrunde zweistellig (VIDEO: Chicharitos Wurzeln). Weniger als drei Monate benötigte Chicharito um zum erfolgreichsten Mexikaner der Bundesliga-Geschichte aufzusteigen: In Frankfurt schnürte er als erster Mexikaner in der Bundesliga einen Doppelpack, gegen Mönchengladbach ließ er den ersten Dreipack eines Mexikaners folgen. Mit jetzt zehn Toren (zur Torjäger-Tabelle) traf er schon öfter als seine vorherigen fünf Landsleute zusammen (sieben Tore). 

Chicharito auf Rekordjagd

Knipst er so weiter wie zuletzt, kann Chicharito sich ganz große Ziele setzen: Der Saisonrekord eines Ausländers im Bayer-Trikot liegt bei 21 Treffern und stammt von Dimitar Berbatov aus der Saison 2005/06. Selbst der ewige Saisonrekord von Leverkusen (Stefan Kießlings 25 Tore aus der Spielzeit 2012/13) scheint machbar. Zusammen mit dem dienstältesten Profi der Werkself hat es allerdings bis zum Gladbach-Spiel noch nicht so richtig gut funktioniert. 

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Erst zum vierten Mal in der Bundesliga durfte Stefan Kießling und Chicharito gegen Borussia gemeinsam von Beginn an spielen. Es war zwei Mal in Heimspielen der Fall, da gab es insgesamt neun Tore (gegen Stuttgart und Mönchengladbach)! Kießling kam in diesen zwei Heimspielen auf vier Scorer-Punkte, Chicharito ebenso. Auswärts klappte es dagegen weniger gut mit beiden in der Startelf: In Dortmund gab es ein 0:3, in Hamburg ein 0:0. Nur waren das zwei Spiele, die in einer Phase stattfanden, in denen sich Chicharito noch nicht voll akklimatisiert hatte. 

Stefan Kießling hat in den letzten Wochen oft betont, dass er keine Joker-Qualitäten besitzt. Er benötigt als sensibler Spieler das volle Vertrauen. Ob bei der Werkself mit dem Mexikaner und dem Deutschen langsam ein Traumduo heranreift, werden die nächsten Spiele zeigen. Die Messlatte liegt jetzt nach dem Schützenfest gegen die Elf vom Niederrhein allerdings sehr hoch. 

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski