Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen überrollt auch im vierten Pflichtspiel der Saison seinen Gegner mit spektakulärem Offensivfußball inklusive Blitzstart. Zwei frühe Tore in den ersten sechseinhalb Minuten ebneten den Weg zu einem nie gefährdeten 4:0-Heimsieg gegen den FC Kopenhagen. Damit zieht die Werkself wie schon im Vorjahr erneut in die Gruppenphase der Champions League ein. Mit zwei Toren und einem Assist war einmal mehr Stefan Kießling der Matchwinner (zum Spielbericht).

"Unser Spiel ist gekennzeichnet von frühem Stören, frühem Pressen und den Gegner zu Fehlern zwingen. Und Richtung Tor geht die Post ab", beschreibt Bayer-Sportchef Rudi Völler knackig den neuen Spielstil der Rheinländer, den der ebenfalls neue Trainer Roger Schmidt der Truppe verordnet und beinahe in Rekordzeit perfektioniert hat. Nutznießer dieser laufintensiven, kollektiven Dauerattacke sind vor allem die Offensivspieler von Bayer 04 und allen voran Stefan Kießling.

Neun Tore in vier Pflichtspielen

Der 30 Jahre alte Mittelstürmer klassischer Prägung profitiert enorm vom Powerfußball der Marke Schmidt und trifft momentan, wie er will. Neun Tore in vier Pflichtspielen gelangen dem Blondschopf bereits, in allen Partien der noch jungen Saison traf er. Gegen die Amateure von Waldalgesheim (fünf Tore) genauso wie gegen die Abwehrreihe von Kopenhagen (drei Treffer in zwei Begegnungen) und einem Topteam wie Borussia Dortmund (ein Tor).

"Das System tut mir gut. Wenn wir vorne die Bälle erobern, haben wir keinen langen Weg zum Tor. Das hat gut geklappt. Ich bin zufrieden und werde weiter Gas geben", versprach Kießling. "Wir freuen uns, dass wir in der Königsklasse sind (Details zur Auslosung). Und vor allem, dass wir unser Spiel umsetzen. Wir wollen dort auch einen guten Fußball zeigen. Das wird schwer genug, weil dann auch andere Kaliber kommen. Ich hoffe, wir haben aus der letzten Saison gelernt."

Calhanoglu in der Schaltzentrale

Im Vorjahr überstand Leverkusen zwar die Gruppenphase, blieb dann aber gegen Paris SG ebenso chancenlos auf der Strecke, wie während der Gruppenspiele gegen Manchester United. 15 Gegentore schluckte die Werkself in diesen vier Partien, was heftig schmerzte und dem Image nicht gut tat. Das soll jetzt endgültig vergessen gemacht werden. Mit einer leicht veränderten Mannschaft, einem starken Hakan Calhanoglu in der Schaltzentrale und vor allem mit dem neuen System.

"Wir hatten eine lange Vorbereitung, in der wir die Einzelheiten trainieren konnten", erzählte Stefan Kießling nach der Gala gegen die Dänen. "Es ist sehr kraftraubend. Man sieht aber, dass jeder Spieler versucht, den anderen zu unterstützen. Jeder bügelt Fehler des anderen aus. Jeder hat die Bereitschaft und die Mentalität, Spiele gewinnen zu wollen."

Kießling liefert starke Werte

Mit dieser Einstellung kann Bayer Leverkusen in dieser Spielzeit viel erreichen. Stefan Kießling ging wie immer mit gutem Beispiel voran. Zwei seiner drei Torschüsse landeten im Netz, zwölf seiner 14 Pässe erreichten den Mitspieler, darunter auch das Zuspiel zu Heung-Min Son, der nach 69 Sekunden die 1:0-Führung besorgt hatte. Kießling hatte den drittbesten Zweikampfwert aller Werkskicker und immerhin 37 Ballkontakte bei seinem 73-minütigem Auftritt.

Am kommenden Samstag stellt sich nun Hertha BSC in der BayArena vor. Die Berliner sind gewarnt und werden die Leverkusener Torfabrik (15 Treffer in den ersten vier Pflichtspielen) schließen wollen. Die Frage bleibt, ob sie dafür auch die Mittel haben und wie sie einen Stefan Kießling in Topverfassung aus dem Spiel nehmen wollen. Man darf gespannt sein.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski