Stuttgart - Nationalspieler Sami Khedira (27/Real Madrid) hat in Stuttgart sein neues soziales Projekt (www.sami-khedira-stiftung.de) vorgestellt, das sich in Baden-Württemberg um benachteiligte Kinder kümmert.

Mit bundesliga.de sprach er über den Stellenwert der Bundesliga, die anstehende Wahl zum "Weltfußballer" und den VfB Stuttgart.

bundesliga.de: Die Bundesliga führt zur Saison 2015/16 die Torlinientechnologie ein. Wie stehen Sie zur neuen Technik?

Sami Khedira: Ich finde es okay, obwohl ich das Emotionale des Fußballs sehr mag.

bundesliga.de: In Deutschland wird sehr viel über die Dominanz des FC Bayern München gesprochen.

Khedira: An den Bayern führt diese Saison in Sachen Meisterschaft kein Weg vorbei. Für mich ist das praktisch beschlossene Sache. Sie haben sich das auch verdient. Sie sind mit einer beeindruckenden Ernsthaftigkeit bei der Sache. Sie sind für jede Mannschaft der Welt ein sehr ernstzunehmender Gegner.

"Ich würde zwei Goldene Bälle vergeben"

bundesliga.de: Das heißt in der Champions League auch für die großen Clubs wie ihren Verein Real Madrid?

Khedira: Jeder tut gut daran, in einem solchen Duell alles zu geben.

bundesliga.de: Und, was wünschen sie den Bayern in der Königsklasse?

Khedira (lacht): Etwas weniger Glück als in der Meisterschaft.

bundesliga.de: Bei der Wahl zum "Weltfußballer" kommt es zum Duell von Bayerns Torwart Manuel Neuer und ihrem Clubkollegen Cristiano Ronaldo. Wen würden Sie aus dem Trio, zum dem auch Lionel Messi gehört, wählen?

Khedira: Alle drei sind Weltklasse. Jeder auf seine Art. Ich bin froh, dass ich nicht wählen muss, weil ich mich nicht entscheiden könnte. Sowohl Manuel Neuer als auch Cristiano Ronaldo haben auf ihrer Position neue Maßstäbe gesetzt. Ich würde vielleicht zwei Goldene Bälle vergeben. Das wäre ein guter Kompromiss.

"Enormer Aufwand bei der Nachwuchsförderung"

bundesliga.de: Wo sehen Sie die Bundesliga im internationalen Vergleich – etwa zur Primera Division?

Khedira: Der deutsche Fußball hat sich in den vergangenen Jahren unheimlich gut entwickelt. Nicht nur, weil die Bayern und Dortmund international eine gewichtige Rolle spielen. Die Bundesliga ist auf einem guten Weg. Dass das Niveau so gestiegen ist, hat sicher mit dem enormen Aufwand zu tun, den die Clubs in Sachen Nachwuchsförderung betreiben.

bundesliga.de: Und der Vergleich mit der Primera Division?

Khedira: Den muss die Bundesliga nicht scheuen. Die Primera Division, die Bundesliga und die englische Premier League gehören zu den Top drei der Welt.

bundesliga.de: Sie haben in Stuttgart bei ihrem ehemaligen Club VfB Stuttgart ein soziales Projekt "Das Spiel des Jahres" und ihre Stiftung, die "Sami-Khedira-Stiftung", die sich um benachteiligte Kinder in ihrem Heimatbundesland Baden-Württemberg kümmert, vorgestellt. Verfolgen Sie denn die Bundesliga und vor allem den VfB Stuttgart noch intensiv?     

Khedira: Beides sehr genau. Natürlich liegt mir der VfB besonders am Herzen. Hier konnte ich zu dem werden, der ich geworden bin. Meine Familie lebt vor den Toren Stuttgarts, und ich bin dort geboren. Deshalb gibt es eine enge emotionale Bindung an Stuttgart.

"Ich leide sehr mit dem VfB"

bundesliga.de: Und der VfB, der in der Bundesliga eine schwere Zeit durchzustehen hat?

Khedira: Ich leide sehr mit dem VfB, es tut weh, den Club im Abstiegskampf zu sehen. Ein Verein mit einer derartigen Tradition muss nach oben in der Bundesliga. Ich bin sicher, der Verein ist auf dem richtigen Weg und wird wieder bessere Zeiten erleben. Im letzten Spiel hat der VfB einen ersten wichtigen Schritt gemacht.    

bundesliga.de: Zurück zu Ihrer Stiftung. Sie machen nicht nur ein Benefizspiel, sondern setzen auf Nachhaltigkeit, die die gesamte Region einschließt. 

Khedira: Ich hatte viel Glück im Leben und wollte etwas zurück geben – vor allem der Region Stuttgart. Nach der WM hat mein erster Verein, der TV Oeffingen, sein Stadion nach mir benannt, das hat mich emotional absolut umgehauen.

bundesliga.de: Um sozialen Einrichtungen (zum Beispiel Kinder-Heimen oder einem Kinder-Hospiz) zu helfen, gehen Sie mit Ihrem Projekt (www.sami-khedira-stiftung.de) weit über Benefizspiel und Spendengala hinaus?

Khedira: Alles steht unter dem Motto "Chancen bekommen und Chancen nutzten". Neben dem Benefizspiel am 14. Juni 2015, zu dem aktuelle und ehemalige Stars wie zum Beispiel Julian Draxler, Benedikt Höwedes, Jerome Boateng, Luka Modric, Andrea Pirlo, Bundestrainer Joachim Löw, Oliver Bierhoff und viele Kinder kommen werden, haben wir unser Projekt über viele Monate angelegt. Sieben- bis zwölf-jährigen Kindern aus Heimen bieten wir ein regelmäßiges Fußball-Training an, das mein Vater Lazhar leitet. Dazu können sich B-Jugendmannschaften für ein Fußball-Turnier qualifizieren. Für die Kinder besteht die Chance, für das "Team Khedira" bei dem Benefizspiel nominiert zu werden. Das gesammelte Geld kommt sozialen Einrichtungen für Kinder zu Gute.

Das Gespräch führte Oliver Trust