Köln - Nach zwei Jahren beim 1. FC Köln ist Kevin Vogt im Sommer zur TSG Hoffenheim gewechselt. Dort will sich der defensive Mittelfeldspieler mit der Erfahrung von 111 Bundesliga-Spielen wieder seinen Stammplatz erkämpfen, den er in Köln zuletzt verloren hatte. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 24-Jährige über seine Erwartungen und das etwas andere Training von TSG-Coach Julian Nagelsmann.

bundesliga.de: Kevin Vogt, Sie stecken mit der TSG Hoffenheim mitten in der Saisonvorbereitung. Wo liegen aktuell die Schwerpunkte im Training? Liegt die Konditionsbolzerei schon hinter Ihnen?

Kevin Vogt: Wir haben keine ausschließlichen Konditionseinheiten. Das Trainerteam bringt gerne eine spannende Mischung aus Konditions- und Taktikeinheiten auf den Platz.

bundesliga.de: Wie sehr unterscheidet sich das Training von dem, das Sie in Köln gewohnt waren?

Vogt: Es ist definitiv eine Umstellung. Vieles ist neu für mich. Aber ich habe jetzt schon einige Zeit gehabt, um mich einzufinden, und denke, dass ich auf einem guten Weg bin. Der Trainer hat eine klare Herangehensweise an die Dinge, die er von der Mannschaft verlangt. Das finde ich gut so.

bundesliga.de: Wie gut haben Sie sich schon im Kraichgau eingelebt?

Vogt: Ich bin heute morgen bei der Wohnungssuche fündig geworden. Die Lage in Heidelberg ist sehr gefragt. Dementsprechend hat sich das ein wenig verzögert. Aber ich fühle mich schon sehr wohl, weil es einem definitiv sehr einfach gemacht wird und ich von der Mannschaft auch sehr gut aufgenommen wurde.

bundesliga.de: In Köln war der Konkurrenzkampf um die Plätze im Mittelfeld groß, sie haben in der Rückrunde nicht mehr so häufig gespielt wie zuvor. Dann wechselte Yannick Gerhardt, einer Ihrer Konkurrenten, nach Wolfsburg. Warum haben Sie sich für Hoffenheim entschieden?

Vogt: Für mich stand das unabhängig vom Wechsel von Yannick schon vorher fest. Seine Entscheidung war für mich kein Thema. Für mich waren die Gespräche mit Alexander Rosen und Julian Nagelsmann ausschlaggebend. Ich habe mich in ihrer Zielsetzung und in ihren Plänen wiedergefunden. Das hat mich sehr angesprochen. Deshalb habe ich den Schritt nach Hoffenheim getan.

"Es ist mehr möglich als in der letzten Saison"

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bundesliga.de: Vielleicht noch kurz zurück zu Ihrer Kölner Zeit. Inwieweit hat es eine Rolle gespielt, dass Sie bei Teilen des Kölner Anhangs besonders kritisch gesehen wurden. Der Kölner Trainer Peter Stöger hatte sich seinerzeit vehement für Sie und Ihren Teamkollegen Yuya Osako eingesetzt, da sie beide bei den Fans einen schweren Stand hatten.

Vogt: Daran kann ich mich eigentlich gar nicht erinnern, das kam vielleicht bei einem Spiel mal vor. Die Fans in Köln haben eben ein spezielles Anspruchsdenken. Ich habe eineinhalb Jahre immer gespielt. Für meine Entscheidung, nach Hoffenheim zu wechseln, hat das in keinster Weise eine Rolle gespielt.

bundesliga.de: In Hoffenheim spielen Sie nun bei einer Mannschaft, die vor zwei Jahren Achter wurde und in der Vorsaison beinahe abgestiegen ist. Wie sehen die Ziele in dieser Spielzeit aus?

Vogt: Die Ziele werden erst intern formuliert werden. Deswegen werde ich mich jetzt auch noch nicht positionieren. Fakt ist, dass wir viel Qualität in der Mannschaft haben und definitiv mehr möglich ist als der Tabellenplatz in der letzten Saison.

bundesliga.de: Der Hoffenheimer Kader ist momentan noch sehr groß, im Mittelfeld kämpfen mehr als ein Dutzend Profis um die Plätze. Wo sehen Sie Ihren Platz?

Vogt: Auf der Sechs. Das ist meine Position, das ist ja kein Geheimnis und das sehen auch die Verantwortlichen im Verein so. Dafür wurde ich geholt. Aber ich habe in der Bundesliga auch schon auf anderen Postionen gespielt. Ich bin sehr positiv getimmt und freue mich, hier zu sein.

bundesliga.de: In fünf Wochen geht es dann mit dem Spiel gegen RB Leipzig los. Wie sehr fiebern Sie dem Start gegen den "großen Unbekannten" entgegen?

Vogt: Sie bringen es gut auf den Punkt. Leipzig ist ein Aufsteiger, der ganz sicher nicht zu unterschätzen ist. Das wird hier auch keiner machen. Ich freue mich darauf, dass es dann los geht und in der Woche vorher auch schon im Pokal. Dann werden wir sehen, wo wir stehen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski