Berlin - Nach dem großen Triumph stellte er sich ganz ruhig und zurückhaltend, fast schon schüchtern den Fragen. Auf dem Platz aber hatte Kevin De Bruyne zuvor seine überragende Saison mit einem ebenso auffälligen wie starken Auftritt und einem Tor im DFB-Pokalfinale (Spielbericht) gekrönt. Der Belgier führte den VfL Wolfsburg in Berlin zum ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte – und das sogar mit einer tiefen Risswunde im Fuß, die in der Halbzeit genäht werden musste.

Frage: Kevin De Bruyne, ging es nach dem Spiel in der Kabine schon los mit der Pokalfeier?

Kevin De Bruyne: Es war super! Du weißt genau, was jeder Einzelne gemacht hat, um diesen Titel zu erreichen. Jeder hat in diesem Spiel seinen Willen gezeigt, um zu gewinnen. Für jeden ist es super. Alle haben schon ein bisschen gefeiert, es gab Musik, es gab was zu trinken. Es war richtig gut.

Frage: Aber Sie selbst wirken immer noch ganz ruhig und gelassen.

De Bruyne: Ich bin doch eigentlich immer ruhig. Ich werde auch jetzt cool bleiben, aber natürlich werden wir auch richtig feiern.  Wir sind froh und  stolz auf das, was wir in Berlin geschafft haben – und in dieser gesamten Saison. Die war schon überragend, aber dieser Sieg war noch mal ein dickes Extra.

"Junior ist in Gedanken immer bei mir"

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Frage: Ihr Tor zur 2:1-Führung hat die Weichen auf Sieg gestellt. Beschreiben Sie doch mal den Treffer.

De Bruyne: Daniel Caligiuri hat mir den Ball aufgelegt und ich habe einfach nur abgezogen und geschossen. Manchmal geht es gut, manchmal eher schlecht. Der Rasen war nass, da ist der Ball richtig schnell geworden. Ich denke, für den Torwart war er schwer zu halten.

Frage: Nach Ihrem haben Sie dann auf das grüne Herz mit der Nummer 19 auf dem Wolfsburger Trikot getippt. Ein Zeichen für Ihren verstorbenen Mitspieler Junior Malanda?

De Bruyne: Das war zur Erinnerung an Junior Malanda, ganz klar. Jeder weiß, dass Junior für mich wie ein kleiner Bruder war. Ich habe ihm in Wolfsburg viel geholfen. Er ist in Gedanken immer bei mir, immer in meinem Kopf. Auch wenn es das Herz schwer macht, an ihn zu denken. Aber Junior wird immer bei mir sein.

Frage: Was haben Sie zu Beginn des Spiels gedacht, als Wolfsburg schon nach fünf Minuten im Rückstand lag?

De Bruyne: Es ist natürlich nicht so schön, wenn du gleich so früh hinten liegst. Es ist nicht einfach, dann zurückzukommen. Aber nach einer Viertelstunde haben wir gezeigt, dass wir die Partie kontrollieren können und haben in kurzer Zeit drei schöne Tore gemacht. Da haben wir gezeigt, was wir können. Wir waren auch nach der Halbzeit einem 4:1 näher als die Dortmunder dem Anschlusstreffer zum 2:3.

"Schmerzen muss man in so einem Spiel aushalten"

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Frage: Was hat Ihnen der Trainer mit der Führung im Rücken in der Halbzeit mit auf den Weg gegeben?

De Bruyne: Ich habe gar nicht so viel gehört von der Ansprache des Trainers, weil ich die meiste Zeit beim Doc war. Ich hatte in der 40. Minute einen Schlag bekommen und der Fuß war seitlich offen. Die Wunde musste genäht werden – mit fünf Stichen glaube ich. Aber da bin ich nicht sicher, ich habe lieber gar nicht hingesehen.

Frage: Eine Auswechselung kam aber trotz der Verletzung für Sie in diesem Spiel nicht in Frage? War es nicht sehr schmerzhaft?

De Bruyne: Es tut jetzt nach dem Spiel richtig weh, aber das ist egal. Am Ende wurden die Schmerzen mehr, aber in so einem Spiel musst du das dann eben mal aushalten. Es ist schon eine ziemlich große Wunde. Aber Hauptsache, wir haben das zugemacht. Und  jetzt ist es egal.

Frage: Der VfL Wolfsburg ist nun zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Pokalsieger. Was bedeutet dieser Titel für Sie persönlich?

De Bruyne: Jeder Titel ist etwas Besonderes und jeder Titel zählt. Am Ende einer Karriere gucken viele Leute, was du gewonnen hast. Und dann ist es natürlich toll, wenn du so etwas gewinnen konntest.

 

Aus Berlin berichtet Dietmar Nolte