Wolfsburg - De Bruyne, oho, De Bruyne, oho ohooo ... Noch lange nach Spielschluss feierten die Fans des VfL Wolfsburg im Rund der Volkswagen Arena den Spielmacher der Wölfe. Der Belgier wies seine Extraklasse gegen den SC Freiburg wieder einmal eindrucksvoll nach und war an allen drei Treffern beteiligt.

Die 1:0-Führung hatte der Belgier selbst besorgt, den Foulelfmeter, den Ricardo Rodriguez zwölf Minuten vor Ende der Partie zum vorentscheidenden 2:0 verwandelte, herausgeholt und zum 3:0-Endstand legte der 23-Jährige dem kurz zuvor eingewechselten Maximilian Arnold so maßgerecht in den Lauf, dass der gar nicht anders konnte, als den Ball über die Linie zu schieben.

De Bruyne verdrängt Arjen Robben

Mit nun neun Treffern und 17 Assists verdrängte Kevin De Bruyne Bayern-Star Arjen Robben von Platz eins der Scorer-Liste. Kein Wunder, dass der beidfüßige Mittelfeldspieler von allen Seiten in höchsten Tönen gelobt wird.

"Er macht den Unterschied aus. Er will spielen, Tore schießen und vorbereiten. Er will gewinnen - und das sind genau die Typen, die du brauchst, wenn Du in allen Wettbewerben lange dabei sein willst", so Trainer Dieter Hecking nach der Partie (die Stimmen).

"Weltklasse", entfuhr es Diego Benaglio nach der Partie. "Kevin ist der kompletteste Spieler, mit dem ich bisher zusammenspielen durfte." Ein Riesenkompliment des VfL-Kapitäns, der immerhin schon seit 1998 das Tor der Wölfe hütet und in der Zeit mit Stars wie dem Sturm-Duo Edin Dzeko und Grafite, die Wolsburg in der Spielzeit 2008/09 mit 54 Treffern zum Titel schossen, oder dem Brasilianer Diego gemeinsam auf dem Feld stand.

Hecking verzichtet auf Rotation

Im Vergleich zum 3:1 im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League am Donnerstag hatte Hecking die Mannschaft nur auf zwei Positionen verändert. Christian Träsch kam wie schon in der Halbzeitpause gegen Inter für Andre Schürrle, Timm Klose ersetzte den gelbgesperrten Naldo.

"Ich habe mit Andre gesprochen. Er hat mir gesagt, er fühlt sich müde. Bei mir kommen die Spieler zum Einsatz, von denen ich der Meinung bin, sie holen die Punkte für uns", begründete der Coach auf Nachfrage von bundesliga.de die Nichtberücksichtigung des 24-jährigen Linksaußen.

Keine Frage: Die Mannschaft und der Weltmeister sind noch in der Findungsphase. Aber das sei "normal, dass er noch nicht im Rhythmus ist", so Klaus Allofs nach dem Spiel gegen Inter. Die Verpflichtung von Schürrle sei "ein Vorgriff auf die kommende Saison" erinnert der Sportdirektor an die Verpflichtung von De Bruyne in der Winterpause der Vorsaison. "Auch Kevin hat seine Zeit gebraucht. Heute sind wir froh, dass wir ihn haben."

Heckings "weise Voraussicht"

"Ich bin sicher, wir werden noch viel Freude an Andre haben. Ich stehe zu ihm wie eine Eins. Er soll Vertrauen spüren", ist auch Hecking vom Linksaußen überzeugt. Ebenso überzeugt ist der Coach von Naldo-Ersatz Timm Klose. "Er hat seine Sache sehr ordentlich gemacht. Ich bin sicher, er wird uns auch in Mailand helfen."

Auch in San Siro muss der 26-Jährige, den Hecking aus Nürnberg mit in die Autostadt gelotst hat, Abwehrchef Naldo ersetzen. Zwischen dem 1:0 am 7. Spieltag gegen Augsburg und dem 5:3 in Bremen am 23. Spieltag war Klose in der Liga nicht berücksichtigt worden.

Außer in Bremen spielte Klose auch im Pokal in Leipzig sowie am Sonntag gegen Freiburg. "Das war weise Voraussicht des Trainers", lobte sich Hecking auf der Pressekonferenz. Und schob nach, als die anwesenden Medienvertreter schmunzelten: "Da brauchen Sie gar nicht zu lachen, das meine ich ernst. Es war doch absehbar, dass Naldo irgendwann seine fünfte Karte in der Liga und die dritte in der Europa League sehen würde."

Klose freut sich auf Inter

Klose jedenfalls fiebert seinem Einsatz in Mailand entgegen. "Ich war früher häufiger mal in San Siro. Die Stimmung dort war immer riesig. Aus der Schweiz waren es ja nur 300 Kilometer bis zum Stadion." Für die Partie gegen Inter sei es gut, dass "ich in letzter Zeit häufiger gespielt habe. Das gibt Sicherheit und ist wichtig für die Abstimmung mit Robin (Abwehrpartner Knoche; die Red.)", betont Klose.

"In der zweiten Halbzeit hat uns ein wenig die Kraft gefehlt. Es ist schwer, jeden dritten Tag zu spielen", analysierte Rodriguez im Gespräch mit bundesliga.de die Partie gegen Freiburg. Um so wichtiger sei der verwandelte Strafstoß zum vorentscheidenden 2:0 gewesen, erklärte Diego Benaglio der verwandelte Strafstoß zum vorentscheidenden 2:0 gewesen.

"Fußball ist ein komisches Geschäft", so der VfL-Keeper. "Da kann alles passieren." Nur 120 Sekunden vor dem Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Sascha Stegemann hatte Benaglio sein ganzes Können aufbieten müssen, um einen Schuss von Freiburgs  Oliver Sorg um den Pfosten zu drehen und den Ausgleich zu verhindern.

Tanz auf drei Hochzeiten geht weiter

Bereits am Donnerstag geht der Tanz der Wölfe auf drei Hochzeiten weiter. Im Achtelfinale der Europa League muss beim 18-maligen italienischen Meister ein 3:1-Vorsprung aus dem Hinspiel fürs Weiterkommen reichen.

Und am 7. April kommt auf dem Weg zum Finale in Berlin im Viertelfinale des DFB-Pokals erneut der SC Freiburg in die Autostadt. Und dazwischen Woche für Woche die Herausforderung in der Bundesliga. Am kommenden Samstag müssen die Wolfsburger in Mainz antreten.

"Alle drei Wettbewerbe sind wichtig. Wir wollen so weit wie möglich kommen", gibt Rodriguez die Richtung vor. Mit einem De Bruyne in derzeitiger Top-Form kann der Weg der Wölfe noch sehr weit führen.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs