München - Den Tränen soll der Hallo-Wach-Effekt folgen: Nach der emotionalen Abschiedsrede von Trainer Holger Stanislawski muss der FC St. Pauli im Abstiegsduell beim punktgleichen VfL Wolfsburg am Samstag (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) in die Erfolgsspur zurückkehren, um nicht das rettende Ufer vorzeitig aus den Augen zu verlieren.

Bei den Niedersachsen blieb die erhoffte Wende nach dem Trainerwechsel bislang aus. Die "Wölfe" sind unter Felix Magath nach drei Spielen ohne Erfolgserlebnis ebenfalls zum Siegen verdammt.

Morena steht vor Rückkehr

"Es gibt keinen besseren Moment für einen Wechsel. Ich hoffe, dass die Entscheidung bei dem einen oder anderen Spieler zehn Prozent mehr Leistungsvermögen herauslockt", sagte Stanislawski vor dem Kellerudell am Samstag. Die Lage für die Hamburger ist alarmierend. Sollten die Hamburger erneut verlieren, würde der Abstand allein zum Relegationsplatz auf mindestens zwei Punkte anwachsen.

Auch die Spieler hatten an der Entscheidung ihres Trainers noch lange zu knabbern. "Ich kann gut einschätzen, was Stani dieser Tag bedeutet hat. Wir mussten alle schlucken", sagte Kapitän Fabio Morena. Der Abwehrspieler, der nach seinem Fußbruch gegen Wolfsburg vor einer Rückkehr ins Team steht.

Beim Gegner Wolfsburg steht Magaths Team nach zwei Unentschieden und einer Niederlage gehörig unter Druck. Mittlerweile scheinen jedoch alle verstanden zu haben, dass Magaths Kommen allein keine Punkte bringt. "Die Sache ist nicht erledigt, nur weil ich jetzt hier bin. Die Spieler müssen hart arbeiten", sagte Magath. Wolfsburg wird nach der missglückten Tannenbaum-Taktik gegen Schalke wahrscheinlich wieder zur alten Meistertaktik mit der Mittelfeld-Raute zurückkehren. In dem Fall würde neben dem gesetzten Grafite Mario Mandzukic im Sturm zum Einsatz kommen. Nationalspieler Arne Friedrich hat seine Gelb-Rot-Sperre abgesessen und beginnt neben Simon Kjaer in der Innenverteidigung. Ausfallen wird dagegen der Gelbgesperrte Cicero.




Hamburger SV - Hannover 96

Mit Hannover 96 ist das zweite große Überraschungsteam der laufenden Saison in der Imtech Arena zu Gast. "Wir wollen da anknüpfen, wo wir gegen Dortmund aufgehört haben", kündigte HSV-Trainer Michael Oenning an und betonte deutlich, was das für ihn bedeutet: "Die Stimmung geht da hin, dass wir einen Sieg erwarten. Und ja, ich will das Spiel gewinnen." Um die Chance auf einen internationalen Platz am Ende der Saison weiter zu wahren, ist ein Erfolg auch nötig.

Drei Kandidaten bewerben sich um die Position im rechten Mittelfeld, die durch die Gelb-rote Karte von Änis Ben-Hatira frei geworden ist. Jonathan Pitroipa und Tunay Torun könnte den Platz eins zu eins übernehmen, Möglichkeit drei ist, dass Eljero Elia von der linken auf die rechte Seite wechselt und Marcell Jansen dafür auf seiner angestammten Position zum Zuge kommt. Fest steht allerdings, dass es bei Joris Mathijsen mit einem Einsatz erneut eng wird. Auch bei Guy Demel sieht es schlecht aus. Der Ivorer liegt mit einer Magen-Darm-Grippe im Bett.

Der "kleine HSV" aus Hannover kann gegen den großen Namensvetter nicht nur einen internationalen Platz festigen, sondern auch im Fernduell mit dem FC Bayern im Kampf um die Champions-League-Quali vorlegen. Auswärts allerdings hat es bei 96 zuletzt nicht so wie gewünscht geklappt, in Köln und Dortmund setzte es zuletzt acht Gegentreffer. "Wir brauchen beim HSV 90 Minuten Stabilität", forderte 96-Coach Mirko Slomka daher. "Nicht 30 wie in Köln oder 60 wie in Dortmund. Sonst wird das nix mit der Champions League!" Slomka kann personell fast aus dem Vollen schöpfen. Mit Moritz Stoppelkamp (Fersenprobleme) fehlt allerdings voraussichtlich ein Bank-Joker.




1899 Hoffenheim - Eintracht Frankfurt

Frankfurt konnte gegen Hoffenheim noch nie gewinnen und blickt auf eine Rückrundenserie zurück, die sich erst vor drei Spieltagen zum Positiven entwickelte. Für Hoffenheim ist es das erste Spiel nachdem bekannt wurde, dass Marco Pezzaiuoli in der nächsten Saison nicht mehr als Cheftrainer an der Seitenlinie stehen wird. Diese Nachricht soll die Mannschaft nicht daran hindern, "die Saison würdevoll zu beenden", wie Manager Ernst Tanner sagte.

1899-Kapitän Andreas Beck wird Gelb-gesperrt neben Josip Simunic, Boris Vukcevic, Sejad Salihovic, Matthias Jaissle und Chinedu Obasi auf der Tribüne sitzen. Für Obasi, der zwar wieder am Mannschaftstraining teilnimmt, kommt ein Einsatz immer noch zu früh. Bei Frankfurt droht Torjäger Theofanis Gekas mit einer Muskelverhärtung am rechten hinteren Oberschenkel auszufallen. Für den verletzten Georgios Tzavellas ist die Saison dagegen schon vorzeitig beendet.

Trainer Christoph Daum will mit seinem Team einen wichtigen "Dreier" einfahren, um aus dem Tabellenkeller zu klettern. "Unser Ziel ist es, drei Punkte zu holen, Wir haben schon gegen Bremen zwei Punkte verschenkt", meinte Daum. "Die Mannschaft weiß, dass das kein einfaches Spiel wird, aber sie ist gut auf den Gegner vorbereitet. Jetzt müssen wir nur noch spielen."




1. FC Köln - VfB Stuttgart

Auswärts läuft es für den 1. FC Köln nicht, aber zuhause sind sie mittlerweile eine Macht. Seit Dezember haben sie im eigenen Stadion keinen Punkt mehr abgegeben. "Natürlich wissen wir um unsere Heimstärke, wir haben die vergangenen sieben Spiele gewonnen. Daher gehen wir mit breiter Brust ins Spiel", erklärte FC-Mittelfeldspieler Martin Lanig, der von 2008 bis 2010 für die Schwaben aktiv war.

VfB-Trainer Bruno Labbadia kann gegen den FC wohl wieder auf seinen ungarischen Spielmacher Tamas Hajnal zurückgreifen, der zuletzt mit einer Oberschenkelblessur ausgefallen war. Fehlen wird gegen die "Geißböcke" der gelbgesperrte Mittelstürmer Pavel. Cacau ersetzt den russischen Nationalspieler. "Er ist extrem beweglich, kann die Bälle gut halten, strahlt Torgefahr aus und hat gerade gegen Köln schon immer gut gespielt", meinte Labbadia, der vor der Heimstärke der Kölner warnt.

"Oft haben sie ihre Spiele erst spät entschieden. Köln spielt nicht im Hurrastil, sondern wartet Geduldig auf seine Chancen. Außerdem ist ein Heimspiel in Köln immer ein Feiertag für die heimischen Fans", sagte der VfB-Cheftrainer und richtete vorab eine Kampfansage gen Domstadt: "Mit einem Sieg können wir den FC wieder mitten reinziehen in den Abstiegskampf."




1. FC Kaiserslautern - 1. FC Nürnberg

Der FCK kann nach dem Sieg in Stuttgart einen weiteren großen Schritt aus dem Abstiegskampf machen, aber mit dem 1. FC Nürnberg erwartet Lautern eine spielstarke Mannschaft, die vor allem im Mittelfeld über eine enorme Qualität verfügt. "Dennoch werden wir das Spiel angehen wie jedes andere auch, um die Punkte in Kaiserslautern zu behalten", erklärte Torwart Kevin Trapp.

Im personellen Bereich muss der Coach der "Roten Teufel", Marco Kurz, am Wochenende auch weiterhin auf Ivo Ilicevic und Adam Nemec verzichten, für die das Spiel gegen Nürnberg definitiv zu früh kommt. Wann die beiden wieder zur Verfügung stehen, konnte Marco Kurz aber noch nicht genau absehen: "Wir haben die vorsichtige Hoffnung, dass sie in der nächsten Woche wieder zur Mannschaft stoßen können."

Nürnberg liebäugelt dagegen mit Platz 5 und will daher den "Dreier" vom Betzenberg mitnehmen. "Wir wollen einfach den maximalen Erfolg. Das haben wir nun auch nach außen getragen, denn natürlich ist die Chance riesengroß, noch zwei Punkte aufzuholen", meinte Trainer Dieter Hecking. "Fakt ist, dass wir bis jetzt eine überragende Saison gespielt haben. Wenn wir nun noch Platz 5 erreichen, wäre das das i-Tüpfelchen auf einer geilen Saison." Für den Kader plant Hecking keine großen Veränderungen, nur der Gelb-gesperrte Andreas Wolf wird durch Per Nilsson ersetzt.