Zu Beginn der Saison war Hertha BSC Berlin nicht einmal ein Anwärter auf die internationalen Plätze. Doch zehn Spieltage vor Schluss stehen die Hauptstädter mit vier Punkten Vorsprung auf Platz 1. Maßgeblichen Anteil hat Andrey Voronin mit seinen elf Saisontoren.

Am Tag nach dem 1:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen, erreichte bundesliga.de den Siegtorschützen nach dem vormittäglichen Auslaufen am Telefon.

Im Exklusiv-Interview spricht der 29-Jährige Ukrainer über die gute Stimmung in der Stadt und in der Mannschaft und erklärt, was in dieser Saison für die "Alte Dame" noch möglich ist.

bundesliga.de: Herr Voronin, im Spiel gegen Leverkusen haben sie mit einem Billardtor den Siegtreffer erzielt. Das war aber schon ein bisschen glücklich, oder?

Andrey Voronin: Ja, ein bisschen schon. Aber Glück gehört dazu, um erfolgreich zu sein.

bundesliga.de: Wird man mit solchen Siegen Deutscher Meister?

Voronin: Es ist noch zu früh, dazu etwas zu sagen. Gestern haben wir das entscheidende Tor gemacht.
Aber das Spiel in Wolfsburg zum Beispiel, das haben wir unglücklich verloren (1:2 am 21. Spieltag, Anmerk.d. Red.).

bundesliga.de: Kommt das Glück auch ein wenig aus der Euphorie, die gerade in Berlin herrscht?

Voronin: Das kann man so sagen. Glück muss man erzwingen und es sich verdienen. Wenn du Selbstvertrauen hast, viele Spiele gewinnst, dann passiert so etwas auch. Wenn du Tabellenletzter bist ist es genau das Gegenteil, dann wird ein Elfmeter nicht gepfiffen oder ähnliches. Wir haben uns immer gesagt: Wir sind ja die Außenseiter. Keiner hat mit uns gerechnet. Und wir haben zurzeit einfach Spaß.

bundesliga.de: Es ist eine Ihrer aktuellen Stärken, dass Sie bei aller Euphorie auf dem Platz kühlen Kopf bewahren und geduldig auf ihre Chancen warten.

Voronin: Ja. Gerade gegen Leverkusen wussten wir, dass das wichtig ist. So ein Spiel kannst du nicht innerhalb von zehn Minuten entscheiden, da muss man auch Geduld haben. Und das klappt ja bei uns momentan auch sehr gut: Hinten wenig zulassen, und bei Kontern den Ball reinmachen.

bundesliga.de: Sie sind nach Ihrem Tor sofort zu den Fans gelaufen. Wie wichtig war Ihnen das?

Voronin: Sehr wichtig. Da hat sich in den letzten Monaten viel geändert. Jetzt kommen viel mehr Zuschauer zu den Heimspielen. Und das ist auch für uns Spieler wichtig, sie geben uns Kraft für die Siege.

bundesliga.de: Das motiviert sogar so erfahrene Spieler wie Sie?

Voronin: Es macht dann auf jeden Fall mehr Spaß. Und wenn das Stadion voll ist, dann hört man ja auch viel besser, was die Zuschauer singen und wie sie uns anfeuern. Das brauchen wir.

bundesliga.de: Die Stimmung innerhalb des Vereins ist gerade ähnlich gut. Hätten Sie vor ein paar Monaten gedacht, dass Ihr Manager Dieter Hoeneß und Ihr Trainer Lucien Favre nach den Spielen mit der Mannschaft tanzen?

Voronin: Nein, das hätte ich nicht gedacht, und das war ja auch nie geplant. Wir haben letzte Woche nach dem Cottbus-Spiel spontan unseren Manager darauf angesprochen, als wir im Kreis standen. Und ich fand es toll, dass er nicht einfach Nein gesagt und stattdessen sofort mitgemacht hat. Er hat das ja dann auch super gemacht. Und der Trainer ist, nun ja, selbst Schuld (lacht). Er hat gesagt: Wenn wir das nächste Heimspiel gewinnen, dann muss ich das wohl auch mal machen. Dann haben wir ihn gestern nach dem Spiel darauf angesprochen: Zuerst wollte er nicht. Dann kam er wieder zu uns und dann haben wir es doch gemacht.

bundesliga.de: Am kommenden Samstag spielen Sie in Stuttgart - der VfB ist fast so genauso heimstark wie die Hertha. Wie wichtig ist diese Partie mit Blick auf die Meisterschaft?

Voronin: Jetzt ist natürlich jedes Spiel wichtig. Stuttgart hat eine starke Mannschaft, wir haben uns auch im Hinspiel schon schwer getan, gegen sie zu gewinnen (2:1, Anmerk. d. Red.). Und Mario Gomez ist ein Superstürmer, der trifft zurzeit alles. Aber wir wollen da auf jeden Fall punkten. Wir werden wieder unsere Chancen bekommen, und ich denke, wir werden sie auch nutzen. Dann müssen wir nur wieder versuchen, hinten zu Null zu spielen.

bundesliga.de: Und wenn es am Ende der Saison "nur" zu einem UEFA-Pokalplatz reicht, wären Sie dann enttäuscht?

Voronin: Nein, denn das ist nach wie vor unser Ziel. Wenn wir das erreichen, sind hier alle zufrieden. Aber wir wissen auch, dass wir in diesem Jahr vielleicht ein bisschen mehr erreichen können als den UEFA-Cup. Und da wollen wir natürlich versuchen, das Bestmögliche zu erreichen.

Das Gespräch führte Christoph Leischwitz